100 Jahre 1. Weltkrieg: Neue Gedenkstätten im Nordosten Frankreichs [fr]

Am 28. Juni 1914 kam Erzherzog Franz Ferdinand von Habsburg, Thronfolger von Österreich-Ungarn, bei einem Attentat ums Leben. Daraufhin stürzte ganz Europa und ein Teil der restlichen Welt in einen grausamen Krieg.

An den damaligen Kriegsschauplätzen im Nordosten Frankreichs beginnen die Vorbereitungen zu den Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Jahrestags des Ausbruchs des 1. Weltkriegs im Sommer 1914. Dabei legt die Region Nord-Pas-de-Calais den Schwerpunkt auf die internationale Dimension des Konflikts und erinnert daran, dass in dieser Region im Laufe des Krieges um die 600 000 Soldaten aus allen Erdteilen ums Leben kamen. Von den Dardanellen bis nach Verdun fochten die Soldaten einen ebenso unsinnigen wie unerbittlichen Kampf aus.

Im Rahmen der Vorbereitungen für die Gedenkveranstaltungen im Sommer 2014 hat das Gemeindearchiv der Stadt Calais damit begonnen, über 5 800 Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden von ausländischen Militärangehörigen und Zivilisten aus den Kriegsjahren zu nummerieren und online zu stellen. Calais war zu jener Zeit ein großer Militärstützpunkt, wo Zehntausende Soldaten von vier verschiedenen Armeen (England, Belgien, Portugal und USA) stationiert waren. Die so entstandene Datenbank enthält also viele Tausend Namen von belgischen und britischen Soldaten und Zivilisten, aber auch von zahlreichen Deutschen, die auf französischem Boden geheiratet haben oder gefallen sind. Auf der Homepage der Stadt Calais ist die Datensammlung einsehbar. Ausgehend vom Namen oder Ort können die Geschichten der einzelnen Menschen nachvollzogen werden. Außerdem werden bis heute Soldaten wiedergefunden, identifiziert und beigesetzt.

Darüber hinaus wird anlässlich der 100-Jahr-Feier in Ablain-Saint-Nazaire in der Nähe des Nationalfriedhofs Notre-Dame-de-Lorette eine internationale Gedenkstätte gebaut. Dort sollen nach Angaben des Regionalrats die Namen der 600 000 Soldaten verschiedenster Nationalitäten eingeschrieben werden, die zwischen 1914 und 1918 in dieser Region gefallen sind. Die Namen sollen in alphabetischer Reihenfolge angebracht werden, alle Nationalitäten gemischt, Freunde und Feinde von gestern. Das Gräberfeld Notre-Dame-de-Lorette ist das größte seiner Art in ganz Frankreich. Auf einer Fläche von 25 ha liegen dort 40 000 Soldaten begraben.

Ein weiterer Ort der Erinnerung, der dieses Jahr eröffnet hat, ist das Musée de la Grande Guerre in Meaux. Die Ausstellungen über den 1. Weltkrieg an einem der blutigen Kriegsschauplätze sind nicht nur für französische Besucher konzipiert, sondern auch für Deutsche und Briten. Mehr dazu auf der Homepage des Museums.

Die Gedenkfeierlichkeiten beginnen am 28. Juni 2014 an verschiedenen Orten in der ganzen Welt und erstrecken sich über vier Jahre.

Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union wurde kürzlich daran erinnert, dass erst die europäische Einigung das Ende zerstörerischer Auseinandersetzungen und eine beispiellose Aussöhnung auf dem europäischen Kontinent ermöglicht hat.

Letzte Änderung 30/10/2012

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