300.Geburtsjahr von Jean-Jacques Rousseau: Die Affäre Hume-Rousseau in Briefen und Zeitdokumenten von Sabine Schulz [fr]

Zu seinem 300. Geburtstag wird Jean-Jacques Rousseau – dem frankophonen, aber nicht französischen Philosophen, denn er legte großen Wert auf seine Genfer Herkunft –auf vielerlei Weise geehrt.

In diesem Zusammenhang kommt man nicht umhin, neben seinen philosophischen Schriften auch auf die Persönlichkeit dieses einsamen, häufig als unzugänglich bezeichneten Literaten zu sprechen zu kommen. Der Schriftwechsel zwischen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) und dem schottischen Philosophen David Hume (1711-1776) spiegelt diese Probleme Rousseaus mit zwischenmenschlichen Beziehungen deutlich wider.

Dabei fing alles so gut an! An einem eisigen 9. Januar 1766 gehen zwei der bedeutendsten Intellektuellen des 18. Jahrhunderts gemeinsam in Calais an Bord eines Schiffes auf dem Weg nach England: Jean-Jacques Rousseau und David Hume. Zu diesem Zeitpunkt lebte Rousseau bereits drei Jahre im Exil: Sein Roman ″Emile oder über die Erziehung″ löste einen europaweiten Skandal aus, wurde in Paris verboten und dort öffentlich verbrannt. Von seinen Lesern wurde er dennoch geliebt. David Hume bietet ihm daraufhin Zuflucht in England an.

Ein gutes Jahr später, am 21. Mai 1767, flüchtet Rousseau, verstört und am Rande des Nervenzusammenbruchs, aus England und vor seinem Freund Hume. Er ist davon überzeugt, dass Letzterer einen Komplott gegen ihn angezettelt hat, um ihn zu diffamieren. Hume fühlt sich verraten und beschließt unter dem Druck der französischen Philosophen sich schriftlich zu dieser Affäre zu äußern: So erscheint seine Broschüre Exposé succinct de la contestation qui s’est élevée entre M. Hume et M. Rousseau, avec les pièces justificatives (Knappe Darstellung des Streits zwischen Herrn Rousseau und Herrn Hume, samt Beweisstücken) und Lettre de M. de Voltaire à ce sujet (Briefe von Voltaire zu diesem Thema).

Das kürzlich erschienene Werk ″Leben Sie wohl für immer″: Die Affäre Hume-Rousseau in Briefen und Zeitdokumenten″ bezieht sich auf diese Zeit. Es bietet eine unterhaltsame und zuweilen auch haarsträubende Lektüre über diese beiden ungleichen Philosophen. Das Buch präsentiert entlang des Briefwechsels zwischen Rousseau und Hume und anhand zahlreicher Briefe Dritter, privater Notizen, Zeitungsartikel und historischen Bildmaterials die ganze Dimension jener "affaire infernale", die für einige Monate halb Europa beschäftigte.

Welches Interesse wird nun aber mit diesem Buch verfolgt?

Das Werk wird zum ersten Mal dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht. Die bisherigen Editionen erschienen nur auf Französisch und Englisch.

„Leben Sie wohl für immer“: Die Affäre Hume-Rousseau in Briefen und Zeitdokumenten.

Aus dem Französischen von Isolde Linhard, Franziska Humphreys-Schottmann und Sabine Schulz.

Diaphanes, 544 Seiten, Gebunden, 44 farb. Abb., 28 sw. Abb.
ISBN 978-3-03734-190-2

€ 34,90

Letzte Änderung 09/07/2012

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