Außenminister Fabius lädt zum Iftar-Mahl [fr]

JPEGBeim Iftar-Mahl am 23. Juli im französischen Außenministerium zu Beginn des Fastenmonat Ramadan sprach Außenminister Laurent Fabius zu den Botschaftern der Mitgliedsstaaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit:

„(…) Es ist mir eine Ehre und eine Freude, Sie anlässlich dieses Iftar-Mahls hier im Quai d’Orsay begrüßen zu dürfen. Es handelt sich um eine Tradition, die ich nach ein paar Jahren der Unterbrechung wieder aufleben lassen möchte, denn durch sie kann Frankreich zu Beginn dieses Ramadans unser Interesse und unsere Wertschätzung für die muslimische Welt bekunden.

1. Frankreich ist, wie jeder weiß, eine laizistische Republik. Dies widerspricht in keiner Weise der Tatsache, dass es den Islam und die Muslime respektiert und achtet, ganz im Gegenteil.

Der Islam ist eine Religion, die Frieden, Brüderlichkeit und Spiritualität lehrt, das begrüße ich.

Der Islam ist ferner die zweitgrößte Religion in Frankreich. Uns verbinden traditionelle und enge Beziehungen, geprägt von einer langjährigen Nähe. Dies ist eine bedeutende menschliche, gesellschaftliche, wirtschaftliche und geistige Tatsache, die uns durchaus bewusst ist.

2. Frankreich ist wie gesagt eine laizistische Republik, aber Laizität bedeutet keinesfalls Feindschaft gegenüber Religionen. Sie bietet vielmehr einen Rahmen für das Nebeneinander verschiedener religiöser Ausdrucksformen, oder auch deren Nichtvorhandensein, und für die freie Ausübung der Gottesdienste.

Der laizistische Staat unterstützt keine Religion, benachteiligt aber auch keine. Er respektiert die Glaubensrichtungen und er weiß, dass Religions- und Überzeugungsfreiheit zu den wichtigsten Grundrechten gehören. Ich füge noch hinzu, dass die Laizität ein Prinzip mit Zukunft ist in einer Welt, in der die Vielfalt der Glaubensrichtungen und der spirituellen Bezüge noch zunehmen wird.

Zwar ist mir auch bewusst, dass die Laizität bisweilen abgewandelt und zu einem Ausgrenzungsprinzip gemacht wird. Das widerspricht sich aber. Die Regierung wird die Laizität folglich wortgetreu umsetzen und jegliche negative Instrumentalisierung der Laizität, wie zum Beispiel die Pseudo-Rechtfertigung einer Ablehnung des Islam, verurteilen. Wir achten darauf, und werden dies auch in Zukunft tun, die Muslime in Frankreich nicht zu stigmatisieren, sondern ihnen im Gegenteil die Achtung entgegenzubringen, die wir ihnen schulden.

3. Ich richte diese Botschaft unter anderem an die Vertreter des Islam in Frankreich, insbesondere an den Vorsitzenden des Französischen Rats der muslimischen Glaubensgemeinschaft, Herrn Moussaoui, und an den Leiter des Islaminstituts der Moschee von Paris, Herrn Boubakeur.

Die Entstehung einer einheitlichen Struktur zur Vertretung der Muslime, in der alle religiösen Themen angesprochen werden können, war ein Fortschritt. Die Regierung wünscht sich, dass alle dazugehörigen Organisationen mit den staatlichen Einrichtungen zusammenarbeiten können, damit die Gläubigen den Rahmen erhalten, der gute Bedingungen für die Ausübung ihrer Religion bietet. Um gegen Formen von Abschottung oder gegen Extremismus vorzugehen, braucht es einen Islam, der den Realitäten der Muslime in Frankreich entspricht, die sich die vollständige Integration in unsere Gesellschaft wünschen. Das Außenministerium ist natürlich bereit, Ihnen bei der Beschäftigung mit internationalen Angelegenheiten des Islam in Frankreich zu helfen.

4. Auf internationaler Ebene unterhält Frankreich seit langem Beziehungen zur islamischen Welt, im Mittelmeerraum, in Afrika, in Europa und in Asien. Deswegen haben wir beschlossen, unsere freundschaftlichen und kooperativen Beziehungen mit der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) und ihren Mitgliedern, die hier vertreten sind, noch zu intensivieren.

Wir sind aufmerksam gegenüber den Veränderungen, die in der islamischen Welt, die über eine Milliarde Menschen zählt, stattfinden – Umwälzungen, die sich oft in unserer unmittelbaren Nachbarschaft vollziehen. In diesem Augenblick denkt man unweigerlich mit großer Trauer an die dramatische Lage in Syrien, an die vielen Opfer und an die Auswirkungen auf die Nachbarländer. Wir wünschen uns, dass die Gewalt dort so schnell wie möglich beendet wird. Wir schätzen die Rolle der OIC und begrüßen die offene Herangehensweise, mit der sie die Veränderungen begleitet. In diesem Sinne freue ich mich, Ihnen mitzuteilen, dass ich unseren Generalkonsul in Dschidda, Louis Blin, zum Sondergesandten Frankreichs bei der OIC ernannt habe, wodurch wir bei der Organisation auf gleicher Ebene vertreten sind wie unsere engsten Partner. Frankreich möchte Ihre Arbeiten aufmerksam verfolgen und die Entwicklung einer Organisation begleiten, die durch den Dialog mit der restlichen Welt ihren Platz finden konnte.

Staatspräsident François Hollande wird dem Generalsekretär der OIC, Herrn Ihsanoglu, den wir gerne nach Paris einladen möchten, mit Freude diese neuen Zielsetzungen bestätigen.

Die Regierung möchte, dass Frankreich dem treu bleibt, was schon immer seine Stärke ausmachte: ein Land zu sein, das die allgemeinen Grundsätze der Demokratie und der Menschenrechte im Sinne von Dialog und Öffnung hochhält.

In der heutigen muslimischen Welt tauchen bei einigen vielleicht Fragen über Frankreichs Haltung zum Islam auf, womöglich wegen der Einstellung einiger unserer unmittelbaren Vorgänger. Ich möchte Ihnen hierzu ganz klar sagen, dass eine neue Seite aufgeschlagen wurde. Unsere Politik zielt nach außen darauf ab, das Streben der muslimischen Völker nach Freiheit, Würde und Gerechtigkeit zu unterstützen. Nach innen ist unsere republikanische Laizität eine Chance für den Islam und selbstverständlich keine Sanktion.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Ramadan und wünsche mir, dass er im Zeichen der Freundschaft und des Vertrauens zwischen Frankreich und dem Islam steht.“

Letzte Änderung 26/07/2012

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