Außenminister Fabius und Kulturministerin Filippetti in „Le Figaro“ zur Kulturpolitik des 21. Jahrhunderts [fr]

Auswärtige Kulturpolitik Gastbeitrag von Außenminister Laurent Fabius und Kulturministerin Aurélie Filippetti in der Tageszeitung „Le Figaro“

Paris, 15. Juli 2013

Zielsetzungen einer Kulturdiplomatie im 21. Jahrhundert

Nichts Großes hat sich in Frankreich ohne den Beitrag der Kultur ereignet. Diplomatie und auswärtiges Handeln entgehen dieser Regel nicht. Frankreich ist stark und findet Achtung, wenn es seine Werte, sein Kulturerbe, seine Kreativität weiterträgt. Die Kultur ist einer unserer wichtigsten Trümpfe, unser Erbe und ein Teil unserer Zukunft.

Es ist daher von grundlegender Bedeutung, die kulturelle Ausnahme zu verteidigen, besonders in den Handelsgesprächen mit den Vereinigten Staaten. Es geht darum, die kulturelle Vielfalt zu schützen und zu gewährleisten, dass unsere Kultur ihre Strahlkraft behält. Wir wollen sie im Austausch und im Dialog mit anderen sehen, wollen sie födern und zugleich für andere Kulturen öffnen, denn eine Kultur findet erst recht ihre Stärke, wenn sie von außen bereichert wird.

Die Kultur muss das öffentliche Handeln durchdringen und zur Unterstützung unserer Politik in anderen Bereichen beitragen. Für die Wirtschaftsdiplomatie bildet die kulturelle Strahlkraft einen entscheidenden Vorteil. In der Entwicklungspolitik ist die Kultur eine Hilfe auf dem Weg zu Demokratie und sozialem Fortschritt. Unsere Kulturpolitik ist ein wichtiger Pfeiler für die Attraktivität und den Einfluss Frankreichs, weil sie unser Kulturerbe, unsere Erfahrungen und unser Know-how hochhält und Kreation und Innovation fördert. Aus all diesen Gründen wollen wir unserer auswärtigen Kulturdiplomatie einen neuen Schwung geben.

Die Verbreitung der französischen Sprache gehört dabei zu den wichtigsten Prioritäten. 220 Millionen Menschen sprechen heute Französisch, mit der Entwicklung Afrikas werden es bald über 700 Millionen sein. Eine herausragende Ausgangsbasis also für unser auswärtiges Handeln. Wir wollen unser Netz von Auslandsschulen – derzeit 300.000 Schüler, darunter zwei Drittel Nichtfranzosen – weiter ausbauen und die französische Sprache vor allem dort verstärkt fördern, wo die Zukunft spielt: in den Schwellenländern. Die Frankophonie ist eine kulturelle Herausforderung; sie ist aber auch eine wirtschaftliche Herausforderung: der Gebrauch derselben Sprache regt den wirtschaftlichen Austausch an.

Der Kultursektor schafft Arbeitsplätze und sichert Wohlstand in Frankreich. Deshalb müssen wir auch die Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützen. Bereits 5 % unserer Exporte gehen heute aus dem Kultur- und Kreativsektor hervor. Das ist aber noch nicht genug. Wir müssen den Anteil der französischen Inhalte und Kreationen auf dem Weltmarkt steigern. Wir haben große Trümpfe, vor allem in den Sektoren Buch – der wichtigsten Kulturindustrie in Frankreich –, Musik, Film und Fernsehen, aber auch im Videospielsektor, in der Architektur- und Designbranche und bei den zeitgenössischen bildenden Künsten. Wir haben unsere Auslandsvertretungen aufgerufen, noch enger mit den französischen Exportführern zusammenzuarbeiten und sich auf ihre Expertise zu stützen.

Das muss vor allem für die audiovisuellen Medien gelten. Mit Unifrance und TV France international haben wir leistungsstarke Akteure, um die internationale Präsenz unsere audiovisuellen Industrie zu festigen. Vor allem in der Wirtschaftsdiplomatie werden wir die Abstimmung mit unseren Auslandsvertretungen verbessern. Nach Jahren der Krise haben wir heute stabile Handlungsinstrumente im Ausland. Die Medienholding France Médias Monde (RFI, France 24 und Monte Carlo Doualiya), TV5 Monde und Agence France Presse sind und bleiben ein wichtiger Motor für die Frankophonie, für unsere Reputation und für die Verbreitung unserer audiovisuellen Inhalte im Ausland.

Frankreich ist sich schon lange bewusst, wie wichtig es ist, ausländische Studenten auszubilden und Forscher anzulocken, die dann in ihrem Heimatland Botschafter unserer Kultur, unserer Werte und unserer Wirtschaft werden können. Wir wollen wieder an diese Tradition anknüpfen. Ein unangemessener Runderlass hatte dem Frankreichbild, das uns sehr am Herzen liegt, einen Knick gegeben, und so war dessen Außerkraftsetzung zu Recht eine der ersten Handlungen der neuen Regierung. Frankreich steht allen ausländischen Studierenden offen, die hier lernen und arbeiten möchten. Unsere diplomatischen Vertretungen werden diese Botschaft weitergeben und sich um nachhaltige Bindungen zu diesen Studenten bemühen, insbesondere über den Ausbau der Alumni-Netzwerke.

Unsere Kultur und unser Kulturerbe sind auch Trümpfe für den Tourismus. Wir wollen unsere Museen dabei unterstützen, ihre Sammlungen im Ausland weitreichend zu präsentieren und bekannt zu machen. Ebenso wichtig ist die Verbreitung unseres immateriellen Kulturerbes, das ein positives Bild vermittelt und damit zur Attraktivität unseres Landes beiträgt. Unsere Gastronomie, unsere Lebensart, unser Know-how, unsere Marken – vor allem im Luxussektor – stehen beispielhaft für Frankreich. Damit erreichen wir eine sehr breite Zielgruppe, die Frankreich mit einer bestimmten Vorstellung von Exzellenz in Verbindung bringt.

Auch im Bereich der Digitalisierung wollen wir uns engagieren. Der digitale Sektor besitzt hohe Durchschlagkraft, so können wir neue Zielgruppen erreichen. Wir werden also das französische Online-Bildungsangebot ausbauen und im audiovisuellen Bereich Spartensender im Internet anbieten.

Kurzum: Wir können und wollen nicht auf die ungeheuere Strahlkraft und das Wachstumspotenzial verzichten, das von der Kultur ausgeht. Wir müssen in der Lage sein, die schnelle Entwicklung zahlreicher Länder in Asien, Lateinamerika und Afrika zu nutzen und zu begleiten, in denen in der Mittelschicht die Nachfrage für Kulturprodukte wächst. Der Wettbewerb ist hart, die Schwellenländer, vor allem China, investieren massiv in ihre kulturelle Strahlkraft. Er zeigt uns, dass man offensiv sein muss.

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Letzte Änderung 24/07/2013

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