Avignon - Die Welt zu Gast im „Theater Europas“ [fr]

Das diesjährige Theaterfestival von Avignon (7.-28. Juli 2013) bietet nicht nur viele Höhepunkte, sondern steht auch für die europäische Theaterkooperation. Besonders deutsche Regisseure setzten dabei bemerkenswerte Schwerpunkte.

Kennen Sie schon die Geopoetik? Der weißrussische Dichter Adam Globus hat sie so beschrieben: „Die poetische Landkarte ändert sich nur ganz langsam. Zur Erstellung einer Karte von Europa würde ich zuerst in Großbuchstaben die Namen von Homer, Shakespeare und Cervantes eintragen.“ Aber war Adam Globus eigentlich schon mal auf dem internationalen Theaterfestival in Avignon?

Zwischen 1969 und 1971 beginnt Avignon sich international auszurichten. Ein wunderbares Beispiel dafür ist das Theaterfestival. Es findet jedes Jahr im Juli statt und ist exemplarisch für die europäische Theaterkooperation. Dies zeigt sich beispielsweise in der Sprachenvielfalt. So wurde z. B. der deutsche Regisseur Thomas Ostermeier erneut zum Festival eingeladen, um seinen Film „Hamlet in Palästina“ vorzustellen. Der Film entstand im Zusammenhang mit der Aufführung in Ramallah seines großen, 2008 in Avignon inszenierten Erfolgs Hamlet. Auch die junge deutsche Regisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klasen, mit dem sie eng zusammenarbeitet, waren auf dem Festival zu Gast.

Und erst das Repertoire: Kein geringerer als Faust war zugegen. Der bemerkenswerte deutsche Regisseur Nicolas Stemann brachte ihn als Gesamtkunstwerk von über acht Stunden auf die Bühne. Und zeitgenössische Stücke stehen dem auch in nichts nach. Sie beweisen, dass es bei dem Bild von einer europäischen Schnittstelle von Kunst und Literatur nicht nur um Werke aus der Vergangenheit geht. Zwei weitere Stücke in deutscher Sprache konnten die Zuschauer des Festivals ebenfalls begeistern: „Reise durch die Nacht“ von Friederike Mayröcker, eine Produktion des Schauspiel Köln, und „Rausch“ von Falk Richter, inszeniert am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Avignon hat wieder einmal bewiesen, dass es zu Recht als „das Theater Europas“ bezeichnet wird –wenn auch nur für den Sommer. Das Theater, dessen Bedeutung laut Georgio Strehler in der „kulturellen Identität der Europäer liegt, einer komplexen, widersprüchlichen und vielfältigen Identität, und das sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte zieht.“

Faust von Nicolas Stemann ©Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Faust von Nicolas Stemann ©Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Faust von Nicolas Stemann ©Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Faust von Nicolas Stemann ©Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Jet Set - Gintersdorfer / Klassen © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
La Fin du Western - Gintersdorfer / Klassen © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
La Fin du Western - Gintersdorfer / Klassen © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Logobi 05 - Gintersdorfer / Klassen © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Rausch - Falk Richter & Anouk Van Dijk © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Rausch - Falk Richter & Anouk Van Dijk © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon
Rausch - Falk Richter & Anouk Van Dijk © Christophe Raynaud de Lage / Festival d'Avignon

Letzte Änderung 25/07/2013

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