Bau neuer TGV-Strecken in Frankreich: schnell und effizient [fr]

2017 werden in Frankreich drei neue Hochgeschwindigkeitsstrecken (Ligne à grande vitesse) in Betrieb genommen, die nicht nur Frankreich, sondern auch Europa enger zusammenrücken lassen, Die neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Tours und Bordeaux (340 km), Le Mans und Rennes (182 km) sowie die Umfahrung von Nîmes und Montpellier (80 km) haben eines gemeinsam: die kurze Bauzeit von 5 bzw. 4 Jahren.

Beim Bau betrat Frankreich auch insofern Neuland, als dass alle diese Strecken in Öffentlich-Privater Partnerschaft (ÖPP) realisiert wurden.

Bedeutung für Europa und Umwelt

Staatspräsident François Hollande unterstrich in seiner Rede am 28. Februar 2017 bei der Einweihung der Strecke Sud-Europe-Atlantique in der Nähe von Angoulême (Charente) die strukturpolitische Bedeutung großer Projekte für Frankreich und auch für Europa, wobei dem Staat als treibende und gestaltende Kraft eine wichtige Rolle zukomme.

Mit der neuen Strecke sowie den ebenfalls noch in diesem Jahr in Dienst gehenden Strecken am Mittelmeer und in der Bretagne verkürzten sich nicht nur die Reisezeiten in Frankreich, sondern auch grenzübergreifend. Insofern würden diese Projekte nicht nur für Frankreich, sondern auch für Europa umgesetzt, so François Hollande.
Getreu der mit der Klimavereinbarung von Paris eingegangenen Verpflichtungen seien die Hochgeschwindigkeitsstrecken auch aus umweltpolitscher Sicht ein Schritt nach vorne, da es für die Reisenden ein Angebot ist, vom Auto oder Flugzeug auf den Zug umzusteigen.

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Hollande_LGV © Elysée

LGV Sud-Europe-Atlantique

Nach nur 5 Jahren Bauzeit für die 340 km lange Strecke zwischen Tours und Bordeaux, kann L’Océane, so der Name der neuen Verbindung, Anfang Juli - ein Jahr früher als geplant - den Regelbetrieb mit einer Reisegeschwindigkeit von 320 km aufnehmen.

Bordeaux ist dann von Paris-Montparnasse nur noch 2 Std. entfernt, Toulouse rückt auf etwas mehr als 4 Std. und die spanische Grenze bei Hendaye auf 4 ½ Std. an die französische Hauptstadt heran. Lille wird von Bordeaux in 4 ½ Std. und Straßburg in 5 ½ Std. erreicht. Auch London, Brüssel und Ziele in Deutschland sind mit klaren Zeitgewinnen von der Atlantikküste zu erreichen.

Auf der Achse Paris-Bordeaux wird mit insgesamt 20 Mio. Reisenden jährlich gerechnet, was einer Steigerung der aktuellen Passagierzahlen um 20 % entspricht.

Mitsamt der Einbindung in das bestehende Netz der SNCF hat die neue Strecke insgesamt etwa 9 Mrd. € gekostet. Davon entfielen 7,8 Mrd. auf die 302 km lange Neubaustrecke, die erstmals zu gleichen Teilen in öffentlich-privater Partnerschaft durch das Konsortium Lisea realisiert wurde. Lisea, bestehend aus dem Bauunternehmen BTP Vinci (33,4 %), der öffentlichen Bank Caisse des Dépôts (25,4 %) und den Investitionsfonds Meridiam (22 %) und Ardian (19,2 %), erhielt zudem die Konzession für den Betrieb der Strecke bis 2061 und bekommt hierfür Trassennutzungsgebühren von der SNCF.

LGV Bretagne

Die im Sommer 2017 geplante Inbetriebnahme der Verlängerung der seit 1989 bestehenden LGV-Strecke 1989 Paris-Le Mans nach Rennes wird die Bretagne und das Pays de Loire besser anbinden. Die Reisezeit von Paris nach Rennes verkürzt sich auf knapp 1 ½ Std. und nach Brest auf knapp 3 ½ Std.

Auch diese Strecke über 182 km mit Kosten von 3,4 Mrd. € wird in ÖPP von SNCF-Netz und Eiffage Rail Express (ERE) in einer Bauzeit von etwas mehr als vier Jahren fertiggestellt.

LGV-Umfahrung Nîmes-Montpellier

Bei der Umfahrung von Nîmes und Montpellier mit zwei neuen Bahnhöfen am Rande der Städte handelt es sich mit etwa 80 km nur um eine relativ kurze Hochgeschwindigkeitsstrecke, deren Besonderheit jedoch darin liegt, dass sie die erste „gemischte“ LGV-Strecke ist, d.h. sie ist gleichzeitig für die Nutzung von Passagier- und Güterzügen geeignet. Der Bau war auch aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens im Zuge der Eröffnung der TGV-Strecke Perpignan-Barcelona Ende 2013 notwendig geworden. Für die Reisenden bringt sie Zeitgewinne auf dem Weg von Paris bzw. Marseille nach Barcelona und auf der Strecke Marseille – Toulouse. Montpellier ist jetzt in 3 Std. von Paris zu erreichen.

Das Projekt mit Kosten in Höhe von 2,28 Mrd. € wurde von der SNCF, dem Staat, den Gebietskörperschaften sowie der EU unterstützt. Mit 1,5 Mrd. € erfolgte ein Großteil der Finanzierung in einer ÖPP mit der Bau- und Betreibergesellschaft OCVIA, die eine Konzession für 25 Jahre erhielt. Zudem erhielt das Projekt Finanzierungen über die staatliche Förderbank Caisse des Dépôts sowie die Europäische Investitionsbank.

Letzte Änderung 15/05/2017

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