Botschafterin Anne-Marie Descôtes eröffnet Cézanne-Ausstellung in Karlsruhe [fr]

Vom 28.10.2017 bis zum 11.2.2018 findet in der Staatliche Kunsthalle Karlsruhe die große Sonderausstellung von Werken des Künstler Paul Cézanne (1839–1906) Cézanne.Meamorphosen statt.

Dabei werden rund 100 bedeutende Leihgaben aus internationalen Sammlungen großer Kunstmuseen der Welt in einer noch nie dagewesenen Zusammenstellung zu sehen sein.

Die Ausstellung wurde am 27. Oktober im Beisein der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes eröffnet.

Grußwort von Botschafterin Anne-Marie Descôtes
Botschafterin Anne-Marie Descôtes mit der Direktorin der Kunsthalle Karlsruhe Anne-Marie Descôtes. Im Hinetergrund Alexander Eiling, Kurator der Cézanne-Ausstellung
Grußwort von Botschafterin Anne-Marie Descôtes
Grußwort von Botschafterin Anne-Marie Descôtes, Karlsruhe, den 27. Oktober 2017

(Anrede)

Cézanne wird folgender Satz zugeschrieben: „Ich will die Pariser mit einem Apfel zum Staunen bringen!“ Wer hätte gedacht, dass von so einem banalen Objekt einmal die künstlerische Avantgarde des Impressionismus ausgehen würde. Und in der Tat hat dieses Motiv die künstlerische Entwicklung Cézannes begleitet, von seinen frühen Werken wie dem Urteil des Paris bis hin zu seinen unverwechselbaren Stillleben, auf denen die Objekte die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen scheinen. Diese Verwandlungen im Stil sowie in der Motivwahl lassen sich in der Ausstellung Metamorphosen genauestens beobachten. Ich danke der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, dass sie sich diesem umfangreichen Thema mit einer so gelungenen Ausstellung widmet, und ich möchte mich bei dieser Gelegenheit besonders bei Frau Prof. Müller-Tamm für die Einladung und für Ihr Engagement im Dienste des deutsch-französischen Kulturaustauschs bedanken.

Die Stadt Karlsruhe war immer ein Ort des Kulturaustauschs zwischen unseren beiden Ländern. Dieses Museum, das sich fast an der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland befindet, ist eines der wichtigen Zentren dieses Austauschs. Bereits 2012 und 2013 hat es mit den Ausstellungen Camille Corot – Natur und Traum sowie Fragonard – Poesie und Leidenschaft französische Kunstwerke einem deutschen Publikum zugänglich gemacht. Dieser Anspruch, die Kunst des Nachbarlandes zu zeigen, beruht auf Gegenseitigkeit: Ich denke zum Beispiel an die Ausstellung von Werken von Paul KLEE im Centre Pompidou im vergangenen Jahr. Die gegenseitige Neugier, die Deutsche und Franzosen verbindet, bedarf jedoch der guten Pflege. In dieser Hinsicht spielen die Ausstellungen von französischen Künstlern in Deutschland und von deutschen Künstlern in Frankreich eine wichtige Vermittlerrolle.

Wie Emmanuel Macron in seiner Rede auf der Frankfurter Buchmesse deutlich gemacht hat, war die Reibung zwischen unseren beiden Kulturen stets sehr groß. Um es mit seinen Worten zu sagen: „Seit Jahrhunderten gleicht die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland einem äußerst wertvollen Zwiegespräch.“ Als Maler der Moderne par excellence verkörpert Cézanne die intellektuelle und künstlerische Kraft Frankreichs am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Paris war damals ein wahrer kosmopolitischer Schmelztiegel der Avantgarde, ein Treffpunkt, wo sich Künstler aus Europa und der ganzen Welt austauschten und gegenseitig inspirierten. Durch seinen revolutionären Umgang mit Form und Farbe gilt Cézanne als Inspirationsquelle für viele verschiedene Stilrichtungen der Avantgarde, wie der Kubismus oder der Fauvismus. Zu den ersten, die sein Genie erkannten und sich daran orientierten, gehörten deutsche Künstler, die später den Expressionismus auf den Weg bringen sollten.

Diese Ausstellung ist eine Hommage an einen der größten Künstler der Moderne, der Grenzen überschritt und dessen Werke heute fest in unserem kulturellen Erbe verankert sind. Sie zeugt aber auch von großer Aktualität mit Blick auf die Frankfurter Buchmesse, auf der Frankreich und die französische Sprache dieses Jahr Ehrengast waren. Diese Messe war ein voller Erfolg. Vor allem die Jugendarbeit stand im Mittelpunkt dieses Gastlandauftritts, ein Bereich der deutsch-französischen Zusammenarbeit, der von viel Vitalität und großem Potenzial geprägt ist. Junge Kulturschaffende, Autoren und Künstler tragen erheblich zum Erfolg dieser Arbeit bei. Ich denke besonders an den französischen Pavillon, der von der École de Design Saint-Etienne gestaltet wurde oder auch an das in virtueller Realität erzeugte illustrierte Buch von Marc-Antoine MATTHIEU. Vor diesem Hintergrund hoffe ich, dass Deutschland und Frankreich auch weiterhin Zentren der Avantgarde sein werden, die das kulturelle Erbe von morgen gestalten. Das deutsch-französische Paar steht in der Pflicht, durch seine starken kulturellen Bande das Europa der Kultur zu fördern. Das ist eine große kulturelle und politische Herausforderung für ein Europa, das vom Rückzug ins Nationale bedroht ist.

Die Einheit Europas, also die Verbundenheit zwischen den Völkern, ist seit Jahrhunderten in einem gemeinsamen Kulturerbe vereint. In Krisenzeiten mit der Gefahr der Spaltung brauchen wir den Kulturaustausch mehr denn je, um die Bande zwischen den europäischen Völkern zu stärken. Dazu zählen Ausstellungen wie diese.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Weitere Informationen:

www.cezanne-in-karlsruhe.de

Letzte Änderung 06/11/2017

Seitenanfang