Braque-Retrospektive im Grand Palais [fr]

JPEG Wie ließe sich die Süße des Sommers, die uns nun endlich verzaubert, besser hinauszögern als durch einen Kulturtrip nach Paris? Im Grand Palais warten große Meister… Nach Monet 2011 und Hopper 2012 ist jetzt Braque an der Reihe. Am 18. September 2013 hält er Einzug in die majestätischen Pariser Ausstellungshallen – hier, wo der Künstler vor 110 Jahren beim Salon d’Automne auf Cézanne traf. Die letzte Braque-Retrospektive war vor 40 Jahren im Musée de l’Orangerie zu sehen. Die nächste Kultursaison startet also mit einem echten Highlight!

Georges Braque (1882-1963) ist nicht nur ein herausragender Maler; er ist auch ein feiner Beobachter des 20. Jahrhunderts. Begründer des Kubismus, zusammen mit Picasso, von dem er sich mit dem Ersten Weltkrieg entfernte, und Verfechter des Dialogs zwischen den Künsten, umgibt er sich mit den großen Kunstschaffenden und Intellektuellen seiner Zeit: Satie in der Musik, Eluard und Reverdy in der Poesie, dem Deutschen Carl Einstein in der expressionistischen Literatur.

Braque braucht nicht erst die Inspiration durch Cocteau und seinen Rappel à l’ordre, um der Mimesis und der Wahrscheinlichkeit wieder mehr Raum in seiner Kunst zu geben. Für ihn, den der zerstörerische Wahn des Krieges zutiefst geprägt hat, lautet der „kategorische Imperativ“, das Leben und die Elemente darzustellen. Die persönliche Entwicklung Braques findet eine Entsprechung in deutschen Künstlern wie Dix und Beckmann, deren Werke vor einigen Monaten in der Ausstellung über Deutschland im Louvre zu sehen waren.

Die Braque-Ausstellung kommt genau zur richtigen Zeit. 2014, im Jahr des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, einen wahrhaft europäischen Künstler zu ehren, ist ein starkes Symbol der Versöhnung. Denn den Deutschen verdankt Braque den Anstoß zu seiner Karriere, insbesondere Daniel-Henry Kahnweiler, der ihn in München und dann 1912 im Sonderbund in Köln ausstellte. Und als Deutschland erste Anläufe zum Wiederaufbau unternahm, war es abermals Braque, dem 1948 in Freiburg eine große Ausstellung gewidmet wurde. Der Spiegel sprach in diesem Zusammenhang von Braques Malerei als der „Atomspaltung des Bildes“. In der Folge und bis zu seinem Tode im Jahr 1963 waren Vögel die Hauptfiguren seiner Malerei – mit einem Augenzwinkern an Max Ernst, auf den Vögel als Symbol für Freiheit und wiedererlangten Frieden eine ebensolche Faszination ausübten.

Die Braque-Retrospektive vom 18. September 2013 bis zum 6. Januar 2014 feiert also nicht nur einen französischen, sondern auch einen europäischen Maler. Georges Braque hat ebenso viel zur Geschichte der Malerei wie zur Geschichte Europas beigetragen, denn wie Stefan Zweig in seiner Welt von gestern schreibt, haben die Künstler nicht gewartet, bis die Grenzen abgeschafft waren, um sie zu überschreiten.

Ausstellung Georges Braque im Grand Palais Paris
vom 18. September 2013 bis zum 6. Januar 2014



Weitere Infomationen:

- www.grandpalais.fr/fr/evenement/georges-braque

Letzte Änderung 29/07/2013

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