Creative France – Beitrag von Außenminister Fabius in Les Echos [fr]

In einem Beitrag „Creative France“ für die Tageszeitung Les Echos vom 8. Dezember 2014 charakterisierte Außenminister Laurent Fabius die kreativen Stärken Frankreichs und seinen Willen zur Reform

Creative France (Les Echos, 8 décembre 2014)

In einem Land, das kontroverse Debatten liebt, sind sich die herausragenden Redakteure, die ‚Les Echos‘ heute zusammengebracht hat, in drei Punkten einig: Ohne Wettbewerbsfähigkeit kein Wachstum; ohne Wachstum nicht genügend Arbeitsplätze; die derzeitige Wettbewerbsfähigkeit der französischen Unternehmen ist unzureichend. Wir müssen tiefgreifende Reformen angehen, auf gerechte Weise Weichen stellen, ohne dabei zu glauben, man könne in nur zwei Jahren veraltete Regeln und eingefahrene Gewohnheiten ändern. Dieser Aufgabe im Dienste des Allgemeinwohls müssen sich all jene widmen, die regieren oder regieren wollen.

Doch die Schwierigkeiten und die notwendigen Anstrengungen, diese zu überwinden, machen Frankeich nicht zu einer Nation im Niedergang. Niedergang der weltweit fünftstärksten Volkswirtschaft, eines ständigen Mitglieds im Sicherheitsrat, einer außenpolitisch einflussreichen, militärischen und technologischen Weltmacht? Niedergang eines Landes, das 2014 die Fields-Medaille in Mathematik, die Nobelpreise für Wirtschaft und Literatur erhielt? Ich muss doch sehr bitten!
Die Vertreter des „french bashing“ werden zweifelsohne antworten, dass diese Auszeichnungen nur ein glücklicher Zufall sind. Das sehe ich nicht so: Sie unterstreichen die Ausstrahlung und Stärken Frankreichs.

Als oberster Diplomat fahre ich seit 2012 in Kilometern gemessen monatlich einmal um die Welt. Ich stelle fest, dass unser Land immer noch und überall als eine Nation wahrgenommen wird, auf die man hofft und auf die man hört. Das zu sagen, ist weder ein Beweis von Verblendung noch von Hochmut. Es bedeutet vielmehr, eine Realität festzuhalten, die die Franzosen selbst manchmal aus den Augen verlieren und es bedeutet auch, den Frankreichpessimismus zu bekämpfen – diese seltsame Neigung der eigenen Geringschätzung verbunden mit mangelndem Selbstvertrauen.

Hier eine kurze, im Übrigen unvollständige Liste an Dingen, um die uns zahlreiche Länder beneiden: unsere demografische Entwicklung, unsere Infrastruktur, unsere exzellenten Bildungseinrichtungen, unsere qualifizierten und produktiven Arbeitskräfte, unsere großen Unternehmen und unsere führenden Marken, stabile Institutionen und eine kompetente Verwaltung, ein effizientes Gesundheitssystem, unsere Geschichte, unsere Sprache und ein bedeutendes kulturelles Angebot, ein Kulturerbe und eine Lebensart, die die Menschen weit über unsere Grenzen hinaus begeistert. All diese Vorzüge gleichen unsere Mängel nicht aus, aber sie sind von großer Bedeutung.
Wenn ich einen Begriff wählen müsste, um unser Land zu beschreiben, dann wäre es „Kreativität“. Die Kreativität unserer Wissenschaftler, Ingenieure, Studierenden, Künstler. Die Kreativität unserer Handwerker, Händler, Lehrkräfte, Landwirte. Die Kreativität unserer Unternehmen, Industrie, KMU, die den Reflex zum Export mit dem Know-how des made in France verbinden. Kreativität, die alle Bereiche umfasst, von der Gastronomie über Luftfahrt und Medizin bis zu grünen Technologien. Diese Kreativität ist das tatsächliche Markenzeichen Frankreichs.

„Creative France“, diese zwei Worte versteht man fast überall auf der Welt. Sie sind das beste Motto für ein Frankreich, das geeint wieder nach vorne kommt, in dem Bewusstsein und mit dem Willen seine Zukunft selbst in die Hände zu nehmen.

Letzte Änderung 12/02/2015

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