Das Frankreich der Erfinder auf der Pariser Messe: Der Concours Lépine [fr]

JPEG Vom 30. Avril bis 12. Mai 2013 findet auf dem Pariser Messegelände die traditionsreiche Publikumsmesse Foire de Paris statt, eine absolut außergewöhnliche Veranstaltung mit verschiedensten Ausstellungsbereichen für das breite Publikum und mit dem berühmten Concours Lépine, einer Art „Oscar“ für Erfinder.

„Diese Veranstaltung ist vor 109 Jahren im Anschluss an die Weltausstellung von 1900 entstanden und dient dem Zweck, das breite Publikum über die jeweils aktuellen Neuheiten, Trends und Kuriositäten zu informieren“, erklärt die Leiterin der Messe, Carine Preterre. Organisiert von der Ausstellungsfirma Comexposium, findet die Foire de Paris jedes Jahr zwischen der letzten April- und der ersten Maiwoche statt.

Riesige Messebereiche mit interessanten und erstaunlichen Ausstellungsobjekten

Eigentlich ist die seit über hundert Jahren erfolgreiche Foire de Paris eine Zusammenfassung mehrerer Einzelmessen an einem Ort: Heim und Umwelt, Wellness, Hobby und Freizeit, Kulturen der Welt. „Wir bieten auch Aktivitäten und Events für Familien an“, so die Messeleiterin, 2013 zum Beispiel die Ausstellung „Le Monde de Chindogu“ (Die Welt von Chindogu) mit 200 originellen und pfiffigen Kreationen aus Japan. Darüber hinaus haben die Besucher dieses Jahr die Chance, die Seifenskulpturen des „Soap Project“ zu sehen, im Rahmen der Ausstellung „Au fond à droite : porte ouverte sur les toilettes“ (Hinten rechts: offene Tür zur Toilette) bei einer Haut Couture-Modenschau mit Gewändern aus Toilettenpapier dabei zu sein und im „Carré des gourmets“ (Feinschmecker-Markt) Apfelwein und Kokoswasser zu kosten.

Positiver wirtschaftlicher Effekt in Höhe von 350 Millionen Euro

Als Verkaufs- und Unterhaltungsveranstaltung ersten Ranges erfreut sich die Foire de Paris eines immer größeren Zuspruchs: im vergangenen Jahr waren es 2.000 Aussteller und 620.000 Besucher. „Schätzungen zufolge beträgt der direkte und indirekte wirtschaftliche Effekt der Messe insgesamt 350 Millionen Euro“, führt Carine Preterre dazu aus. Der Kommerz ist König: 2012 haben neun von zehn Besuchern für durchschnittlich 680 Euro eingekauft. Das Publikum kommt aber nicht nur wegen der Aussteller und der angebotenen Aktivitäten. Seit 1929 ist die Foire de Paris Schauplatz des berühmten Concours Lépine, bei dem Erfinder mit überbordender Fantasie, Schöpfer der Objekte unserer Zukunft, gegeneinander antreten.

Jedes Jahr 600 einfallsreiche Erfindungen

Dieses wunderbare wirtschaftliche Instrumentarium, ein echter „Innovationsbeschleuniger“, wurde im Jahr 1901 von dem Polizeipräfekten Louis Lépine ins Leben gerufen. Für den Wettbewerbsvorsitzenden Gérard Dorey ist klar: „Unsere Erfinder erschaffen tagtäglich nützliche Dinge, wir haben bei der Industrialisierung Frankreichs eine fundamentale Rolle gespielt“. Um teilnehmen zu können, muss man lediglich seine Urheberrechte nachweisen, seine Innovation durch einen Prototypen veranschaulichen und einen Stand mieten. Die Erfindungen werden nach den Kriterien Einfallsreichtum und wirtschaftliche Machbarkeit ausgewählt. „Am Ende des Wettbewerbs werden alle Kreationen prämiert“, erklärt der Wettbewerbsvorsitzende. „Die höchste Auszeichnung ist der ‚Preis des Staatspräsidenten‘, daneben gibt es institutionelle und von Unternehmen gestiftete Preise, Gold-, Silber- und Bronzemedaillen und, last but not least, die von der Association des Inventeurs et Fabricants Français (Französische Erfinder- und Fabrikantenvereinigung) vergebenen Medaillen.“ Für 2013 werden 600 Erfinder in Paris erwartet, ein Dritten davon sind ausländische Aussteller.

Weltweit erfolgreiche Innovationen

Der Concours Lépine hat zur Entwicklung des französischen Know-hows beigetragen und Gegenstände ans Licht gebracht, die unseren Alltag verändert haben, wie den Kugelschreiber (1919), das Dampfbügeleisen (1921) oder die Unterdruck-Minipumpe Aspivenin zur Soforthilfe bei Stichen oder Bissen (1983). Verschiedene berühmte Marken verdanken diesem wirtschaftlichen Sprungbrett ihren Aufstieg – so zum Beispiel die 1931 für ihre mechanische Kartoffelreibe prämierte Marke Moulinex, die sich in der Folge zu einem großen Haushaltsgerätehersteller entwickelte und später auf die Firma Seb überging. In der heutigen Zeit stehen eher Erfindungen in den Bereichen alternative Energien, Medizintechnik und Biotechnologie im Fokus. Für Neugierige gibt Gérard Dorey als Vorgeschmack einige Hinweise auf die 2013 teilnehmenden Neuheiten: „Dieses Jahr werden die Besucher eine automatische Waschkabine für Supermarkt-Einkaufswagen, eine transportable Antenne zum Empfang sämtlicher vorhandenen Signale und eine Brille mit integrierten LED zum Lesen bei Dunkelheit entdecken können.“

Caroline Jury

Letzte Änderung 24/04/2013

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