Der Eiffelturm wird 120! Eine Erfolgsgeschichte

JPEG Der am 31. März 1889 eingeweihte und am 15. Mai desselben Jahres eröffnete Eiffelturm feiert seinen 120. Geburtstag. Das anfangs verschriene Bauwerk wird heute weltweit als eines der bedeutendsten Wahrzeichen Frankreichs wahrgenommen. Eine Glanzleistung, die keineswegs ein Zufall ist ...

Seine unverkennbare Gestalt lässt die ganze Welt träumen. Und dies, obwohl der Eiffelturm anfangs auf’s Schärfste kritisiert wurde: Guy de Maupassant, Charles Gounod oder auch Alexandre Dumas der Jüngere schmähten in einem gemeinsamen Protestbrief den „nutzlosen und monströsen Eiffelturm“, „die Schande von Paris“. Ein „durchlöchertes Zäpfchen“ für Huysmans, ein „ungraziöses Skelett“ für Maupassant ... Doch Gustav Eiffel lässt sich nicht beirren und ist davon überzeugt, dass der Turm „von einer ihm eigenen Schönheit sein wird“.

Das Volk hingegen ignoriert alle Warnungen der Künstler. Unmittelbar nach seiner Einweihung zieht der Eiffelturm während der Weltausstellung im Jahr 1889 riesige Besucherströme an. Zwei Millionen Schaulustige drängt es, das damals höchste Bauwerk (der Eiffelturm wird erst 1930 durch das Chrysler Building in New York entthront) zu besichtigen. Ein wahrer Triumph. Zehntausende couragierter Besucher warten nicht einmal die Installation der Aufzüge ab, um die zahlreichen Stufen bis zur obersten Plattform hinauf zu erklimmen.

Nach der Weltausstellung gehen die Besucherzahlen jedoch drastisch zurück. Nichts, selbst die Senkung des Eintrittspreises, scheint diesem Phänomen Einhalt bieten zu können. Einige verdrießliche Geister beschwören sogar ernsthaft die Demontage des Bauwerks. Um diese Katastrophe zu vermeiden, beschließt Eiffel, sein Werk rentabel zu machen, in dem er sein wissenschaftliches Potenzial nutzt. Es wird eine kleine wissenschaftliche Beobachtungsstation eingerichtet, dann werden eine Rundfunk- und schließlich eine Fernsehübertragungsantenne installiert.

Die Besucher jedoch bleiben weiterhin aus. Die Wende tritt erst in den 1960er Jahren – mit dem Beginn des internationalen Tourismus – ein, durch den die Besucherzahlen definitiv in die Höhe schnellen. Heute besuchen jährlich rund sechs Millionen Menschen den Eiffelturm.

Illuminationen

Und um auch weiterhin viele Schaulustige anzuziehen, weiß sich die „Eiserne Dame“, wie der Eiffelturm liebevoll von den Parisern genannt wird, in Schale zu werfen. Er erstrahlt in Blau (am Europatag 2006 und während des französischen EU-Vorsitzes 2008), in Rot (anlässlich des chinesischen Neujahrs 2004) und in Grün (anlässlich der Rugby-Weltmeisterschaft 2007).

Kein großes Ereignis ohne den Eiffelturm? Angesichts seines Bekanntheitsgrades ist man sich seiner Resonanz sicher. Ist der Eiffelturm somit zum Kommunikationsvektor des französischen Staates, zum Sinnbild aller bedeutenden Ereignisse geworden? In Wirklichkeit war er dies schon immer, auch vor seiner Errichtung.

Da die öffentliche Meinung für alles, was den Fortschritt betrifft, sehr empfänglich ist, waren sich die europäischen Machthaber bereits zu jener Zeit darüber bewusst, dass technische Vorstöße als politisches Aushängeschild dienen können. Indem ein Staat seine Innovationen präsentiert, demonstriert er seinen Rivalen seine Überlegenheit. Gustav Eiffel lag somit durchaus richtig, als er sein Werk als „Resümee der modernen Wissenschaft“ präsentiert und nicht zuletzt auf die „Kühnheit der Gestaltung“ hinweist. Vor allem jedoch, so Eiffel, „sind wir nicht nur das Land der Spaßmacher, sondern auch der Ingenieure und Baumeister, die man aus allen Regionen der Welt ruft“.

Als Symbol des französischen Know-hows ruft der Eiffelturm Bewunderung aber auch Neid hervor. In den USA, China, Japan etc. gibt es unzählige Repliken und Nachbauten. Doch was ist der Eiffelturm wirklich? Die beste Definition ist sicherlich diejenige von Roland Barthes : „Blick, Objekt, Symbol, der Turm verkörpert alles, was der Mensch in ihn hineinlegt, und all dies ist unendlich. Als betrachtetes und betrachtendes Schauspiel, als nutzloses und unersetzliches Bauwerk, als vertraute Welt und heroisches Symbol, als Zeuge eines Jahrhunderts und ständig neu erscheinendes Monument, als unnachahmliches und ständig reproduziertes Objekt ist er das reine Zeichen, offen für alle Zeiten, alle Bilder und alle Sinne: die zügellose Metapher: Durch den Turm eröffnet sich den Menschen eine Vorstellungswelt, die ihre Freiheit ist; denn keine Geschichte, so finster sie auch sein mag, vermochte es bisher, sie dieser Freiheit zu berauben.“

Trotz ihres kanonischen Alters wird die „Eiserne Dame“ nach wie vor die Menschen in der ganzen Welt träumen lassen ...

Nathalie Gricorciuk

Letzte Änderung 26/04/2012

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