Der internationale Erfolg des französischen Dokumentarfilms [fr]

JPEG Der Dokumentarfilm „made in France“, der aufgrund seiner Vielfalt und investigativen Qualität geschätzt wird, verkauft sich insbesondere in Skandinavien und anglophonen Ländern gut. Im Jahre 2010 ist der Verkauf an ausländische Vertreiber im Vergleich zum Vorjahr um beinahe 14 % gestiegen.

Der Dokumentarfilm „made in France“ verzeichnet einen internationalen Erfolg. Nach der Unterhaltung ist es heute dieses Filmgenre, das von ausländischen Vertreibern, vor allem skandinavischen, britischen, amerikanischen, russischen, japanischen und chinesischen, am häufigsten gekauft wird. Im Jahre 2010 wurden in Frankreich 2450 Stunden Dokumentarfilm produziert. Im September letzten Jahres wurden vom Nationalen Zentrum des Kinos (CNC) und von TV France International, der Gesellschaft, die mit dem Export der französischen Programme beauftragt ist, Statistiken veröffentlicht. Diesen zufolge haben die Verkäufe 26,4 Millionen Euro eingebracht, was 13,7 % mehr sind als im Jahre 2009.

Neben geringeren Produktionskosten im Vergleich zu anderen Fernsehprogrammen (eine Stunde Dokumentarfilm kostet im Durchschnitt 150 000 Euro, wohingegen eine Stunde Spielfilm 850 000 Euro kostet) wird der Sektor auch durch das Engagement der Fernsehsender, insbesondere der öffentlichen, angeregt. Das Unternehmen France Télévisions und Arte senden und beteiligen sich nämlich an der Finanzierung einer großen Menge Dokumentarfilme, die oft in der ersten Abendhälfte ausgestrahlt werden. Der Dokumentarfilm ist außerdem das Genre geworden, das am meisten vom audiovisuellen Unterstützungsfonds des CNC gefördert wird. Das CNC bedachte den Dokumentarfilm 2010 mit 75,3 Millionen Euro, was einer Erhöhung um 9,2 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Dank der Vielfalt ihres Formats (26, 52 oder 90 Minuten) sind die Dokumentarfilme gut ans Fernsehen angepasst und befassen sich mit einem breiten Themenspektrum: Tierwelt, Lebenskunst, Wissenschaften oder Geschichte. Die Dokumentarfilmserie Apocalypse von France 2, die auf der Grundlage von restaurierten Archivaufnahmen unter der Regie von Isabelle Clarke und Daniel Costelle entstand, hat sich besonders gut verkauft. Der erste Teil, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg befasste und 2009 ausgestrahlt wurde, wurde in 170 Ländern vertrieben. Der zweite Teil, der sich auf Hitler konzentriert, wurde laut dem internationalen Entwicklungszentrum von France Télévisions bereits an 120 Länder verkauft. Dies ist nach Die Erde von oben von Yann Arthus-Bertrand das kommerzialisierteste Programm des Unternehmens France Télévisions.
So sind die französischen Dokumentarfilme nunmehr auf den ersten Rängen derjenigen, die weltweit am besten exportiert werden. Die Franzosen verfügen in diesem Bereich über ein anerkanntes Know-how und zeichnen sich laut Mathieu Béjot, dem Generalbeauftragten von TV France International, durch „eine Recherchearbeit, eine Originalität der Themen und der Umgang mit diesen sowie eine wahre Schreibarbeit“ aus. Sie bieten auch einen neuartigen und eingehenden Blick auf die Welt: „Auf den Irak zum Beispiel, die Angelsachsen sind sachbezogener. Sie zeigen explodierende Bomben, blutige Leichen. Den Franzosen hingegen geht es hierbei eher um den Menschen, um die Erklärung. Insbesondere bezüglich der Konflikte im Nahen Osten, werden die Zusammenhänge besser dargestellt und man will mehrere verschiedene Sichtweisen aufzeigen“, hebt Mathieu Béjot hervor.

Im Jahre 2011 hat sich Frankreich ebenfalls im Bereich der investigativen Reportage ausgezeichnet. Die spannende Reportage über die Delokalisierungen im Agrarsektor Dritte Welt im Ausverkauf, von Arte und Capa mit einer Hilfe des CNC koproduziert, wurde in 16 Ländern vertrieben. Auch die historische Reportage findet Nacheiferer: die Dokumentarfilmserie Schattenkampf, die sich mit der Résistance auseinandersetzt und von Arte koproduziert und ausgestrahlt wurde, war ein klarer internationaler Erfolg.

Die französischen Dokumentarfilme tragen dank ihrer nichtkommerziellen Verbreitung durch das Institut français ebenfalls zur französischen Kulturdiplomatie bei.

Jeanne Ferney

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:

- www.iconoval.fr

- lescombattantsdelombre.arte.tv/
- www.lepoint.fr

- www.institutfrancais.com/

Letzte Änderung 27/04/2012

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