Die Straße der Diebe des Neu-Berliners Mathias Énard in Deutsch erschienen [fr]

JPEG Der französische Autor Mathias Énard lebt seit Juli 2013 für ein Jahr mit einem Stipendium des DAAD in Berlin. Pünktlich zum Beginn seines Deutschlandaufenthalts erschien Ende Juli 2013 sein Erfolgsroman Die Straße der Diebe bei Hanser Berlin in der Übersetzung von Holger Fock und Sabine Müller.

Als bewanderter Arabist verbindet Mathias Énard in diesem Roman die Themen, die ihm am Herzen liegen und die sich durch sein gesamtes Werk ziehen: Kampf, Selbstsuche, Reise und Traum.

Der Autor selbst sieht Straße der Diebe als eine „Reise auf dem Schlachtfeld Universum“, auf deren Etappen sich Spanien und der Maghreb an der Kreuzung zwischen zwei Kulturen vermischen. Die Hauptperson, ein junger Marokkaner aus Tanger, findet, abseits seines sozialen Milieus und auf der Suche nach Orientierungspunkten, die sich vor ihm verschließen, Anlaufstellen in Tanger, Algeciras, Barcelona und Algier. Er ist freiheitshungrig und eingefleischter Leser der „Série Noire“, doch der verträumte junge Mann wird mit Gewalt aus seiner Familie vertrieben, nachdem er bei dem Versuch, seine Cousine zu verführen, überrascht wurde. Es beginnt eine lange Irrfahrt, bei der Realität und Fantasie dicht beieinander liegen und Albträume schließlich Platz für die Liebe lassen. Der Roman ist eine Variation zum Thema Empfindsamkeit in all ihren Facetten. Mit dem Kampf gegen sich selbst und gegen die Außenwelt, der Faszination für das Andere und dem Sog des Extremismus findet dieses Werk ein gewisses Echo im Arabischen Frühling und den Volksaufständen. Der Aufbruch aus der Heimat in Richtung eines von der Wirtschaftskrise zerfressenen Europa klingt da wie eine plötzliche Rückkehr in die Wirklichkeit.

Der Leser begleitet den Jugendlichen auf seiner Reise. Literaturkenner werden sicherlich Einflüsse von André Gide und Joseph Conrad zu erkennen wissen. Bücher „bleiben letztlich, neben dem Feuer, das einzige Mittel, um die Finsternis zu bekämpfen.“ (Mathias Énard). Man könnte sagen, dass dieses Werk die Möglichkeit eines arabischen Humanismus bejaht, der den orientierungslosen Kämpfer leitet.

Über den Autor

Mathias Énard wurde am 11. Januar 1972 in Niort geboren. Seit seiner Jugend ist er vom Orient fasziniert, studierte Persisch und Arabisch am Pariser Institut für orientalische Sprachen und Zivilisationen und unternahm zahlreiche Reisen in den Mittleren Osten. Dennoch beschließt er im Jahr 2000, sich in Barcelona niederzulassen. Dort schreibt er für lokale Kulturzeitschriften und unterrichtet Arabisch an der Autonomen Universität. 2005 verbringt er ein Jahr als Stipendiat in der Villa Medici in Rom.

Für seinen märchenhaft anmutenden Roman Parle-leur de batailles, de rois et d’éléphants erhält Mathias Énard 2010 den Prix Goncourt des lycéens. Das Werk wurde im gleichen Jahr für den großen Romanpreis der Académie française nominiert und schaffte es im Wettbewerb um den Prix Goncourt in die letzte Runde.

Nun ist der französische Autor und Übersetzer dank des renommierten DAAD-Stipendiums von Juli 2013 bis Juni 2014 in Berlin. Er wurde zum Berliner Literaturfestival (ILB) im September eingeladen, zur Frankfurter Buchmesse, zum Literarischen Herbst im Oktober in Leipzig sowie zur Literarischen Woche im Januar 2014 in Bremen.

Letzte Änderung 21/08/2013

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