Die französische Firma Morpho erfasst 1,2 Mrd. Inder biometrisch

JPEG Das Projekt, an dem eine Tochtergesellschaft des französischen Konzerns Safran beteiligt ist, ist immens. Morpho wird die biometrischen Daten der indischen Bevölkerung erfassen. Eine Weltpremiere für ein Projekt, mit bis dahin noch nie erreichtem Ausmaß…

Das Programm begann Ende September in einem kleinen Dorf im Staat Maharashtra (der allein 96 Millionen Einwohner zählt), in der Nähe von Bombay… Die Dorfbewohner waren bereit, ihre Fingerabdrücke abzugeben und einen Iris-Scan vorzunehmen. Ihre Daten werden in einem neu geschaffenen nationalen Register erfasst, und in wenigen Wochen werden die "gezählten" Einwohner eine einzige persönliche 12-stellige Identifikationsnummer erhalten, die dann auch auf einer Chip-Karte ausgewiesen wird. Die Vergabe dieser Identifikationsnummern verläuft parallel zur landesweiten Volkszählung und ist eine unermesslich große Aufgabe: In vier Jahren sollen 600 Millionen Inder, dies ist lediglich die Hälfte der indischen Gesamtbevölkerung, ihre persönliche Identifikationsnummer erhalten; geplant ist, auf Sicht, die gesamte indische Bevölkerung mit einer Identifikationsnummer auszustatten.

Die mit diesem Projekt beauftragte indische Agentur UIDAI entschied sich für die Umsetzung für mehrere Konsortien, darunter die französische Gesellschaft Morpho, weltweit die Nr. 1 im Bereich der biometrischen Identifikation und Tochtergesellschaft der Gruppe Safran (ehemals Sagem Sécurité). Das französische Unternehmen, das sich für das Projekt mit der indischen Gruppe Mahindra Satyam zusammengetan hat, konnte die Ausschreibung dank ihres Einsatzes der Multi-Biometrie für sich entscheiden: d.h. die Überkreuzverwendung von Fingerabdrücken und Iris-Scans. Morpho hat in der Vergangenheit bereits in mehreren Ländern biometrische Instrumente umgesetzt: In den Vereinten Arabischen Emiraten, wo die Firma einen biometrischen Personalausweis entwickelt hat; in Mauretanien und in Malaysia, wo sie derzeit an der Modernisierung des Personenstandsystems arbeitet; und nicht zu vergessen die Zusammenarbeit mit FBI und Interpol für die Durchführung von biometrischen Messungen der letzten Generation. Bisher gibt es weltweit noch keine Datenbank, die mehr als 100 Millionen Personen erfasst hat. Dieses indische Projekt ist folglich in Bezug auf den Umfang der betroffenen Bevölkerung ohne Vergleich. Jean-Paul Jainsky, Generaldirektor von Morpho bestätigt: "Wir sehen dieses Projekt in jedem Fall als einen wichtigen Schritt, der die künftige Entwicklung der Biometrie deutlich beeinflussen wird".

Morpho steht hier vor einer echten technologischen Herausforderung. Das Unternehmen muss zum einen gewährleisten, dass eine bestimmte Identifikationsnummer nie zweimal, d.h. zwei verschiedenen Personen, zugeteilt wird, zum anderen, dass keine Identifikationsnummer gefälscht oder widerrechtlich angeeignet werden kann…

Auch für die indische Regierung ist die Herausforderung erheblich: Sie will, dass die jährlichen öffentlichen Hilfs- und Unterstützungsgeldern in Höhe von zweistelligen Milliardenbeträgen tatsächlich den Ärmsten zu gute kommen können; zur Zeit kommen diese kolossalen Beträge insbesondere aufgrund von Dysfunktionen des Verwaltungsapparates nie bei ihren eigentlichen Empfängern an. Ein Drittel der Einwohner lebt heute mit weniger als 0,30 Euro/Tag – und 100 Millionen Inder werden jedes Jahr aus dem System der öffentlichen Hilfe ausgeschlossen.

"Die Ärmsten der Armen verfügten bislang über keinen geeigneten Identitätsnachweis. Aufgrund dessen konnten sie auch nicht von den öffentlichen Hilfs- und Unterstützungsprogrammen profitieren, d.h. von den Geldern, die folglich oft in die Tasche anderer flossen", erinnerte der derzeitige Premierminister Manmohan Singh, anläßlich des Programmstarts. Die Zuteilung einer einzigen Identifikationsnummer dürfte die Gewähr dafür bieten, dass die Unterstützungsgelder tatsächlich bei ihren eigentlichen Empfänger ankommen. Dank einer biometrischen Karte werden die Inder dann auch ein Bankkonto eröffnen, ihre Rechnungen bezahlen oder die Karte auch als Personalausweis, Führerschein oder Wählerkarte verwenden können.

Nach Implementierung des Identifikationsprozesses steht Morpho nunmehr in den Startblöcken für die Ausgabe der biometrischen Chip-Karten, der Registrierungsterminals sowie der Terminals für die Prüfung der Identitäten.

Einer Untersuchung der asiatischen Consultingfirma CLSA zufolge, kann der Wert dieses Biometrie-Marktes für die kommenden 5 bis 7 Jahre mit 20 Milliarden Dollar angesetzt werden. Ein Segen für die Privatunternehmen, da der Einsatz der Biometrie bisher noch nie in so großem Umfang versucht wurde.

Virginie Langerock

Letzte Änderung 26/04/2012

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