Die französische Musik feiert internationale Erfolge

JPEG Seit Edith Piaf, Mireille Mathieu und Charles Aznavour, weiß man, dass französische Sänger das Publikum im Ausland ansprechen. Diese Tendenz setzt sich fort und gilt auch und vor allem für junge Musiker von heute. Eine Frage des Talents ... und der Strategie!

Die französischen Musiker brauchen keine Komplexe mehr gegenüber ihren angelsächsischen Kollegen zu haben. Wurden 1993 ganze vier Millionen Alben im Ausland verkauft, so waren es 2000 bereits 40 Millionen! Heute spricht man eher von „Einheiten“: rund 28 Millionen in den letzten Jahren. Diese Zahl beinhaltet sowohl Singles als auch Langspielplatten, die Verkäufe im Internet und über Handys, die den Markt ankurbeln.

Dieser Durchbruch der jungen französischen Musiker ist der elektronischen Musik zu verdanken. So ist zum Beispiel Daft Punk ist nach wie vor im Geschäft. Diese historische französische Gruppe hindert jedoch aufstrebende, junge Talente nicht daran, ebenfalls internationale Popularität zu genießen: Justice, Laurent Wolf, David Guetta, Joakim Air, Birdy Nam Nam, Bob Sinclar verbreiten den äußerst beliebten „French Touch“ außerhalb der französischen Grenzen.

Der außergewöhnlichen Karriere der Gruppe Gojira folgend zeichnet sich eine ganze Generation französischer Vertreter der Musikrichtung „Metal“ ab, die bereits vielversprechende Erfolge feiern: Inspector Cluzo, Treponem Pal, Pleymo, Empyr, One Way Mirror, Eths, Demians ...

Bemerkenswert ist, dass „la chanson française“ noch nie so viel weibliche Vertreterinnen hatte wie jetzt: Camille, Coralie Clément und Olivia Ruiz, die mit ihrem Album „La femme chocolat“ auf Platz 1 der französischen Charts kam. Ihre Musik ist von der Heimat ihrer Eltern, Spanien, geprägt. Lange bevor Carla Bruni die „Erste Dame Frankreichs“ wurde, feierte sie mit ihrem ersten Album große Erfolge außerhalb Frankreichs. Auch Sängerinnen wie Anggun, Rose, Emily Loizeau, Yelle, Marie Modiano ... haben sich im Ausland einen festen Platz erobert.

Sichere Werte sind weiterhin Sänger wie Francis Cabrel, Mylène Farmer, die in Lateinamerika unschlagbare Alizée, Vanessa Paradis oder Christophe Maé. Doch auch die ältere Generation behauptet sich nach wie vor: Jane Birkin ist und bleibt ein Star, und das letzte Album von Charles Aznavour läuft sehr gut.

Über 50 % der französischen Alben werden in Europa verkauft. Seit Langem ist Deutschland das Land, wo sich die „chanson française“ einer besonders großen Beliebtheit erfreut. Aber auch in Japan wächst das Interesse an französischer Musik. Die Japaner schätzen die Popgruppe Tahiti 80, die bei uns nahezu unbekannt ist. Neu ist, dass Amerika das zweitgrößte Exportgebiet für französische Musiker geworden ist, die in Frankreich oft unbekannt sind.

Selbst das Vereinigte Königreich, das als schwieriger Mark gilt, beginnt sich zu öffnen. Die französische Elektromusik ist hier auf dem Vormarsch. Beim britischen Publikum, das ein Faible für internationale Musik hat, sind Musiker wie Camille oder Sébastien Tellier, und selbst Rockmusiker wie Manu Chao, The Shoes, Nelson, Neïmo oder Zombie Zombie, äußerst beliebt.

Diese Internationalisierung ist nicht nur auf das Talent der Künstler, sondern auch auf eine geschickte Strategie der Plattenfirmen zurückzuführen, erklärt Sophie Mercier, Leiterin des Bureau export de la musique: „Sie haben auf die Digitalmusik reagiert, Partner gesucht und ihr Marketing angepasst.“ So hat zum Beispiel das Stück „New Soul“ von Yaël Naïm, das in der Werbung für MacBook Air verwendet wurde, in den USA den Verkauf von über 150 000 Alben und 3 Millionen Singles ausgelöst!

Das Bureau export de la musique unterhält weltweit sieben Zweigstellen. Es wird vom Ministerium für äußere und europäische Angelegenheiten, dem Kulturministerium, dem Außenhandelsministerium, dem französischen Kulturnetz im Ausland sowie vom Privatsektor finanziert und unterstützt die Plattenfirmen maßgeblich bei ihren Bemühungen im Ausland Fuß zu fassen: 36 % des Absatzes werden im Export erzielt. Für die klassische Musik ist der Auslandsmarkt sogar lebenswichtig. Hier macht der Export sogar 50 % aus.

Philippe Jaroussky hat 8000 Exemplare seines Albums „Carestini, l’histoire d’un castrat“ in Deutschland verkauft. Der Countertenor macht im Übrigen zahlreiche Tourneen in Lateinamerika und Japan. Live-Auftritte tragen wesentlich Erfolg eines Albums bei. Auch hier ist eine steigende Tendenz zu verzeichnen (+30 % im Vereinigten Königreich in zwei Jahren). Olivia Ruiz machte kürzlich durch ihren Auftritt beim Festival Bam in Barcelona vor 5000 Menschen auf sich aufmerksam. Sébastien Tellier spielt in den USA an der Seite der größten derzeit erfolgreichen Rockgruppen. Die Konzerte von Asa sind in Europa, Japan und Südafrika ausverkauft. Der internationale Erfolg von Yelle ist zum Teil auf die Frische und den Humor der Bühnenshow dieser jungen Sängerin zurückzuführen!

Sylvie Thomas

Letzte Änderung 25/04/2012

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