Die französischen „Grandes écoles“ auf Auslandskurs [fr]

GIF Frankreich ist für die Qualität seiner Hochschulbildung bekannt und anerkannt. Die Zahl ausländischer Studenten, die sich für einen Studienaufenthalt in Frankreich entscheiden, wächst, und die französischen Hochschulen werden mehr und mehr auch an anderen Orten der Welt präsent.

In Frankreich ausgebildete Mathematiker sind bei den großen Banken der Londoner City und der Wall Street gefragt, unsere Ingenieure auf den Großbaustellen weltweit im Einsatz, unsere Verkaufs- und Marketing-Spezialisten als „Exportartikel“ sehr erfolgreich. Viele Ausländer wiederum absolvieren schon seit langer Zeit einen Teil ihrer Ausbildung in Paris, Lyon, Toulouse oder Bordeaux, um ein Diplom eines der renommierten Institute zu erwerben. 2013 absolvierten 300.000 ausländische Studenten – das sind über 12% der Gesamtzahl der Studierenden – einen Teil ihrer Ausbildung in Frankreich; damit steht Frankreich als Gastland für ausländische Studenten an dritter Stelle hinter den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Laut UNESCO-Statistik kommen diese jungen Leute aus den Maghreb-Staaten, China und Indien, aber auch aus der Europäischen Union, dem Mittleren Osten, Südostasien und Afrika. Bei den Fächern stehen die wissenschaftlichen Disziplinen (fast 36%), Informatik (20%) und Management (19%) im Vordergrund.

Ein Student aus China, Japan oder den Vereinigten Emiraten muss jedoch mittlerweile nicht mehr unbedingt sein Heimatland verlassen, um ein französisches Diplom zu erwerben. Denn immer mehr französische Hochschulen lassen sich heute im Ausland – speziell in Asien – nieder und bieten dort ganz ähnliche Ausbildungsgänge wie in Frankreich.

Destination Nummer eins ist Asien

China scheint auf die französischen „grandes écoles“ eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Die Polytech Nantes hat seit 2011 einen Stützpunkt in Kanton. Die Ecole Centrale ist neben Peking (mit 741 Studierenden im Jahr 2014, Unterrichtssprache Französisch) seit 2013 auch im indischen Hyderabad (231 Studierende) präsent und plant für den Herbst 2015 die Eröffnung eines neuen Campus in Casablanca (Marokko). Die EM Lyon Business School ist in Shanghai im Rahmen der East China Normal University vertreten und hat dort 600 Studenten. Die Wirtschaftshochschulen Skema und Kedge haben sich in Suzhou, einer Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern im Osten der Volksrepublik, niedergelassen. HEC bietet nicht nur in Paris MBA-Studiengänge an, sondern auch in Peking, Shanghai und Sankt Petersburg. Die Ingenieurhochschule ParisTech Shanghai Jiao Tong, finanziert mit chinesischem Kapital und am 26. April 2013 vom französischen Staatspräsidenten François Hollande feierlich eröffnet, basiert auf einer strategischen Partnerschaft zwischen ParisTech und der Jiao Tong-Universität Shanghai. Japaner können im eigenen Land Ausbildungsgänge der Hochschulen Ponts et Chaussées und Sciences Po belegen. Die Gruppe Sup de Co Montpellier und die der Universität Montpellier angeschlossene IAE Montpellier bieten zusammen mit der Graduate Business School der Burapha-Universität/Thailand ein Dreifach-Diplom an. Das Institut Catholique d’Arts et Métiers (ICAM) hat 2010 in Chennai, der Hauptstadt des Bundesstaats Tamil Nadu im Südosten Indiens, mit dem Loyola College eine Hochschule für Ingenieurwesen und Technologie eröffnet; in den vier Jahrgangsstufen sind aktuell 1.609 Studenten eingeschrieben.

Vorreiter dieses Trends war die Wirtschaftshochschule Essec, die schon vor dreißig Jahren mit der japanischen Keio-Universität eine Partnerschaft einging. 2005 folgte die Eröffnung des Essec-Campus in Singapur; insgesamt 4.413 Studenten im Erst- und Aufbaustudium (Stand: Juli 2014) nutzen heute dieses hervorragende Lehrangebot in englischer Sprache mit Dozenten aus Frankreich und vielen weiteren Ländern. Ein anderes Institut hatte diesen Schritt im Stadtstaat Singapur bereits einige Jahre früher vollzogen: Im Oktober 1999 eröffnete die renommierte Business School Insead dort ein eigenes Standbein, zunächst für 53 MBA-Studenten pro Jahr. Seither ist das „Asia Campus“ stetig gewachsen und bildet heute jährlich mehr als 385 Studenten aus. Die Anstrengungen, die Singapur unternommen hat, um zum Bildungsknotenpunkt Asiens zu werden, zahlen sich aus, denn inzwischen haben weitere hochangesehene Institute wie Edhec, Dauphine und Panthéon-Assas ebenfalls beschlossen, sich in dem Kleinstaat mit nur 648 km² Fläche niederzulassen.

Nächste Herausforderung: an erster Stelle die Golfregion, aber auch Afrika

Die Golfregion gewinnt als Zielort für die französischen Elitehochschulen zunehmend an Bedeutung: HEC bietet in Doha/Katar diverse Studiengänge an, INSEAD hat 2010 in Abu Dhabi einen Campus eröffnet und bietet seit 2013 MBA-Kurse an. Die Universität Paris Sorbonne ist ebenfalls in der Hauptstadt der Arabischen Emirate vertreten. Dort werden jährlich 700 Studenten aus 75 verschiedenen Ländern ausgebildet.

Das ICAM bildet an eigenen Standorten in Pointe-Noire/Kongo und Douala/Kamerun Ingenieure aus.Hochschulbildung „à la française“ genießt ein unvermindert hohes Prestige…

Marco Rangi

Letzte Änderung 30/03/2015

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