Ein Gemälde kehrt zurück

Ein während des Zweiten Weltkriegs aus der Normandie entwendetes Gemälde ist in der Französischen Botschaft an das Weltzentrum für Frieden in Verdun übergeben worden.

Das Landschaftsbild des französischen Malers Nicolas Rousseau aus dem 19. Jahrhundert wurde am Mittwoch, den 5. August 2020, im Namen von Herrn Peter Forner an Philippe Hansch übergeben, der als Vertreter des Weltzentrums für Frieden in Verdun anwesend war. Dort wird es ab dem 6. August als Symbol der deutsch-französischen Freundschaft ausgestellt. Gleichzeitig laufen Nachforschungen, um die rechtmäßigen Eigentümer ausfindig zu machen.

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In französischen Besitz war das Werk 2019 gelangt. Da der ursprüngliche Besitzer nicht ausfindig gemacht werden konnte, hatte Peter Forner es der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes ausgehändigt. Vorläufig wurde das Gemälde ein Jahr lang in der Französischen Botschaft gelagert.

Alfred Forner, als Unteroffizier der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg in der Normandie stationiert, hatte das Bild auf Geheiß eines Vorgesetzten nach Berlin gebracht. Während eines Heimaturlaubs im September 1944 sollte er es dort abliefern, fand aber an der Anschrift nur eine Ruine vor. So brachte er es in seine Privatwohnung. Alfred Forner starb noch im selben Jahr kurz nach seiner Rückkehr nach Frankreich. Das Gemälde wurde seitdem von der Familie Forner verwahrt.

„Ich möchte etwas zurückgeben, das mir nicht gehört“

Alfred Forners Sohn Peter, der bedauerlicherweise im vergangenen Mai verstorben ist, hatte es als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft und Aussöhnung zurückgegeben. „Nach eigener Aussage gehörte ihm das Gemälde nicht“, erklärte Guillaume Ollagnier, Gesandter der Französischen Botschaft, anlässlich der Übergabezeremonie in der Französischen Botschaft. „Peter Forner hegte den Wunsch, dass das Gemälde an seine rechtmäßigen Besitzer in Frankreich zurückgegeben wird. Dass er sich an unsere Botschaft gewendet hat, war eine großzügige und außergewöhnliche Geste, die von dem Vertrauen und der unerschütterlichen Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern zeugt“, so Ollagnier weiter. Bis zur Auffindung der ursprünglichen Besitzer solle das Gemälde, so Peter Forners Wunsch, als Zeugnis der Geschichte dienen und im öffentlichen Raum ausgestellt werden - als Denkanstoß zur Friedensschaffung.

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Bisher konnte die Herkunft des Kunstwerks trotz aufwendiger Nachforschungen der CIVS (Kommission für die Entschädigung der Opfer von Enteignungen) und der M2RS (Mission de recherche et de restitution des biens culturels spoliés entre 1933 et 1945 du ministère de la Culture) nicht eindeutig geklärt werden. Daher wird es ab dem 6. August 2020 im Weltzentrum für Frieden, Freiheit und Menschenrechte in Verdun ausgestellt und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel ist es, für die Themen Raub und Plünderung von Kulturgütern zu sensibilisieren und die Provenienzforschung voranzutreiben.

Ein Zeichen der Versöhnung und ein Beitrag zur Aufklärung

„Ich freue mich über die innovative Lösung, die die CIVS ermöglicht hat“, sagte Philippe Hansch, Leiter des Konferenz- und Ausstellungszentrums, bei der Übergabezeremonie. „Durch diese Entscheidung wird dem Werk, wie jedem anderen Kunstwerk auch, ermöglicht, ein großes Publikum anzusprechen. In diesem speziellen Fall kann es zusätzlich dazu beizutragen, Aufschluss über die Geschichte unserer beiden Länder und unseres Kontinents zu geben.“

Die Wahl des Ortes Verdun als Ausstellungsort entspricht dem von Herrn Forner gewünschten Weg der Aussöhnung: Verdun als zentraler deutsch-französischer Erinnerungsort, der sowohl für die Schrecken des Krieges als auch - durch die unvergessliche Geste der Freundschaft zwischen Staatspräsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl 1984 - für Versöhnung steht.

Das etwa 40 mal 60 Zentimeter große Gemälde Nicolas Rousseaus zeigt eine von zwei Baumgruppen gerahmte Landschaft, die ein schmales Gewässer durchzieht. Der Künstler wird der Schule von Barbizon zugerechnet, einer Gruppe französischer Landschaftsmaler, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts wirkte. Benannt ist die Gruppe nach einer Künstlerkolonie in der Gemeinde Barbizon am Wald von Fontainebleau südöstlich von Paris.

Übergabe von Kunstwerken mit ungeklärter Herkunft

Die Französische Botschaft in Deutschland dankt Peter Forner und seiner Familie für diese mutige Geste der Freundschaft und hofft, dass das Gemälde bald an seine Eigentümer übergeben werden kann.

Bei Fragen zur Übergabe von Kunstwerken, deren Herkunft ungeklärt ist und die während des Zweiten Weltkriegs von Frankreich nach Deutschland gelangten, kontaktieren Sie das Büro der CIVS in Berlin.

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Letzte Änderung 15/10/2020

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