Eine russisch-orthodoxe Kirche für Paris? [fr]

Am Seine-Ufer zwischen Eiffelturm und Hôtel des Invalides könnten schon bald fünf goldene Zwiebeltürme das Pariser Stadtbild zieren. Die Pläne zum Bau einer russisch-orthodoxen Kirche im Herzen von Paris sind nicht nur Gegenstand hitziger baukünstlerischer Debatten, sondern auch politischer Verhandlungen zwischen Moskau und Paris.

Russland kaufte 2010 für 70 Millionen Euro das ehemalige Gelände des französischen Wetteramts Météo France – ein imposantes Grundstück am linken Seine-Ufer, unweit von Grand Palais, Invalides und Pont Alexandre III. Die Brücke wurde im Jahre 1900 anlässlich der Weltausstellung in Paris zu Ehren von Zar Alexander III. erbaut – in einer Zeit, in der Frankreich in Russland einen Verbündeten gegen Deutschland suchte. Den Architekturwettbewerb zum neuen Kirchengebäude gewann ein Entwurf, der eine moderne Version der traditionellen orthodoxen Kirche darstellt, welche von oben bis unten mit einer Art Glasschleier umhüllt ist, der den Schleier der Jungfrau Maria symbolisiert und nur die goldenen Zwiebeltürmchen herausragen lässt. Obwohl der Entwurf bei der Ausschreibung das Rennen machte, stieß er bei der Pariser Stadtverwaltung auf wenig Begeisterung. Bürgermeister Bertrand Delanoë ließ das den damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy wissen.

Es geht um nicht weniger als um die Frage, welche Auswirkungen ein solches Großprojekt auf das Pariser Stadtbild und die Seine-Ufer hat, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören und nur geringfügig verändert werden dürfen.

Paris hat bereits eine alte russisch-orthodoxe Kirche – in der Nähe des Parc Monceau in den schönen Stadtvierteln auf der rechten Seineseite. Sie diente den infolge der Oktoberrevolution von 1917 nach Frankreich emigrierten Anhängern des Zaren als Glaubensstätte und ist nicht an das Patriarchat von Moskau, sondern an das von Konstantinopel angebunden.

Anlässlich des Besuchs des russischen Premierministers Dimitri Medwedew Ende November 2012 kündigte Premierminister Jean-Marc Ayrault an, dem Bauprojekt einer neuen russisch-orthodoxen Kirche in Paris einen neuen Impuls zu verleihen. Wie das Gebäude am Ende aussehen wird, vermag zum jetzigen Zeitpunkt niemand mit Sicherheit zu sagen. Man ist sich allerdings einig, den ursprünglichen Entwurf zu überarbeiten. Es wird sich also zeigen, was aus den goldenen Zwiebeltürmchen am Pariser Himmel wird.

Letzte Änderung 17/12/2012

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