Einweihung des Museums zur Geschichte der Einwanderung nach Frankreich [fr]

GIF Staatspräsident François Hollande hat das Museum zur Geschichte der Einwanderungam 15. Dezember 2014 offiziell eingeweiht. Es ist das einzige Museum, das seit seiner Eröffnung vor sieben Jahren nie offiziell eingeweiht worden war. Dabei ist Frankreich das älteste Einwanderungsland Europas und die Franzosen sollten stolz darauf sein.

Der Besuch in diesem Museum war für Staatspräsident Hollande auch die Gelegenheit, Frankreich in seiner ganzen Vielfalt darzustellen, den Einwanderern im Namen Frankreichs, das sie mit aufgebaut haben, zu danken und über die Einwanderung von morgen zu sprechen.

Die Einwanderung dürfe nicht aus einer Perspektive der Angst und auch nicht nur vom ökonomischen Standpunkt oder in Zusammenhang mit Identitätsfragen betrachtet werden. Das Recht jedes Einzelnen, einzuwandern und aufgenommen zu werden, sei ein unveräußerliches Menschenrecht. Es sei daher wichtig, gerechte und objektive Feststellungen zugrunde zu legen, so der Staatschef.

Einwanderung in Zahlen

-  Der Einwandereranteil an der französischen Bevölkerung beträgt rund 8,5 % (etwa 5 Millionen Menschen) und hält sich seit den 1970er Jahren stabil. Unter den Einwanderern sind immer mehr Frauen, die Herkunftsländer sind immer weiter entfernt und der Ausbildungsstand ist oft sehr hoch.
-  Vor drei Generationen zählte jeder vierte Franzose in seiner Familie einen Vorfahren ausländischer Herkunft. Folglich ist Frankreich das Land mit den meisten Mischehen.
-  Frankreich nimmt seit 10 Jahren jährlich rund 200 000 Einwanderer auf und verzeichnet damit im Verhältnis zur Bevölkerung den niedrigsten Anteil in Europa. 90 000 dieser Einwanderer kommen nach Frankreich, weil ihre Familien hier leben. 60 000 kommen zum Studium. Die anderen kommen als Asylbewerber oder Wirtschaftsmigranten.

Einwanderer haben die Geschichte Frankreichs gestaltet

Das Museum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Einwanderung nachzuzeichnen und darzustellen, dass Integration kein abstraktes Konzept ist, sondern gelebte Brüderlichkeit. Die Geschichte der Einwanderung ist die Geschichte der französischen Republik.

Schon 1793 bekräftigten die Revolutionäre in ihrer Verfassung, dass Frankreich „Ausländern, die um der Sache der Freiheit willen aus ihrem Vaterland vertrieben wurden, Zuflucht“ gewährt. Diesem Grundsatz entsprechend hat Frankreich seine Grenzen für jene geöffnet, die nach einem besseren Leben strebten. Mit ihrer Arbeit, ihren Fähigkeiten, ihrem Einsatz trugen die Einwanderer zur Bereicherung der französischen Kultur, Demokratie und wirtschaftlichen Entwicklung bei.
Ohne das Zutun von Menschen aus Nachbarländern wie Belgien oder Italien hätte es in Frankreich keine industrielle Revolution gegeben. Ohne die Mitwirkung von Osteuropäern, insbesondere Polen, Russen und Armeniern, hätte es nach dem Ersten Weltkrieg keinen Wiederaufbau gegeben. Ohne den Beitrag der Einwanderer aus Nordafrika und von der iberischen Halbinsel in den 1960er Jahren hätte es nicht die Wirtschaftswunderjahre gegeben und Frankreich wäre heute nicht eine der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Mächte in der Welt.

Wäre Frankreich ohne die Mithilfe der Afrika-Armee, die das Herzstück der Armee von General Lattre de Tassigny bildete, und ohne die Aktionen im inneren Widerstand des Guineers Addi Bâ, des Polen Marcel Rayman oder auch des Armeniers Missak Manouchian befreit worden?

Wäre die französische Kultur ohne Aznavour, Gainsbourg, Zola, Yourcenar oder Maalouf ebenso vielfältig und einflussreich? Wäre die französische Forschung ohne Marie Curie gestern und heute Arthur Avila heute eine der leistungsfähigen der Welt?
Trotz allem habe es zu allen Zeiten Demagogen gegeben, die Hass und Angst schürten und Sündenböcke für alle Übel der Gesellschaft fanden. Staatspräsident Hollande bedauerte, dass auch heute noch Verachtung und Rassismus zu beklagen seien und Einwanderer immer wieder als „Nutznießer“ beschuldigt würden, obgleich sie mehr in die Sozialkassen einzahlten, als dass sie davon profitierten.

Einwanderung morgen – ein Trumpf bei der Bewältigung der globalisierungsbedingten Herausforderungen

Frankreich gedenkt auch weiterhin ein Einwanderungsland zu bleiben und begreift Einwanderung als Zeichen für seinen Status als bedeutendes, attraktives Land. Um Einwanderer besser integrieren und gleichzeitig Talente anlocken zu können, sollen notwendige Maßnahmen getroffen werden:
-  Für alle rechtmäßig einreisenden Ausländer sollen Integrationswege ausgewiesen werden, wobei sowohl ihren Bedürfnissen als auch unseren Werten Rechnung zu tragen ist.
-  Mehrjährige Aufenthaltstitel sollen als erster Schritt zu einer Aufenthaltsberechtigung oder einer Einbürgerung geschaffen werden.
-  Durch die Ausstellung von „Begabungspässen“ sollen die besten Studierenden und Forscher aus aller Welt angelockt werden. Sie sollen damit eine Aufenthaltsberechtigung für vier Jahre erhalten. Unser künftiges Wachstum hängt stark davon ab, ob es uns gelingt, ausländische Talente für uns zu gewinnen.
-  Die Reform des Asylrechts zielt darauf ab, die Prüfzeiten für Anträge auf durchschnittlich neun Monate zu verkürzen, die Verwaltungsformalitäten zu vereinfachen und den Zugang zu einer angemessenen Unterbringung zu erleichtern.
-  Das Prinzip der Laizität soll am 9. Dezember, dem Jahrestag des Gesetzes von 1905, überall und besonders in den Schulen gefeiert werden.

Staatspräsident Hollande mahnte die Franzosen, nie zu vergessen, dass Frankreich aus Kulturen hervorgegangen ist, die ihren Ursprung woanders hatten. Sie trügen immer noch dazu bei, Frankreich stärker zu machen. Die Geschichte der Einwanderung zu verstehen hieße zu begreifen, was die Nation ausmacht und was es bedeutet, Franzose zu sein. Dies zu vergessen hieße, unsere Geschichte zu vergessen.

Frankreich müsse stolz darauf sein, ein Einwanderungsland zu sein. Dies sei ein Zeichen für die Öffnung auf die Welt und zugleich für die Anziehungskraft Frankreichs, die niemals nachlassen dürfe.

- Musée de l’histoire de l’immigration (Porte d’Orée)
- Rede von Staatspräsident Hollande

Letzte Änderung 25/02/2015

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