Eröffnung des Louvre-Ablegers in Lens: Kultur in einem besonderen Umfeld [fr]

JPEG Mit der der feierlichen Eröffnung des Louvre Lens durch Staatspräsident François Hollande am 4. Dezember 2012 beginnt eine neue Ära in der vom Strukturwandel stark betroffenen ehemaligen Bergarbeiterstadt (36.000 Einwohner) unweit von Lille. Ab dem 12. Dezember steht das Museum dann allen Besuchern offen.

Man meint oft, Museumsgebäude müssten richtig etwas her machen, noch dazu, wenn es sich um eine Dependance des ehrwürdigen Louvre handelt.

Genau das Gegenteil wurde in Lens umgesetzt: Statt eines beeindruckenden Bauwerks inmitten der Industriegelände im Kohlebecken des Nord-Pas-de-Calais entschieden sich die Architekten des neuen Louvre-Standorts für eine intime, heimelige Version, die auf das bauliche Umfeld abgestimmt ist. Ohne gleich mit der Vergangenheit aufzuräumen, gibt sich der neue Louvre wissentlich bescheiden: Er fügt sich unauffällig in die von Kriegen und der Industriekrise geprägte Umgebung ein, ohne dabei die landschaftlichen Wunden kaschieren zu wollen, die die Besonderheit jener Gegend ausmachen, die vor kurzem zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde.

Genau darin lag das erklärte Ziel von Louvre-Direktor Henri Loyrette, auf den die jüngsten Erweiterungsprojekte wie der Louvre in Abu Dhabi zurückgehen. Die Idee dahinter: eine große visuelle Durchlässigkeit gepaart mit einer klaren Präsentation steigert die Besucherfreundlichkeit. So ist das Gebäude hauptsächlich ebenerdig gebaut und gänzlich aus Glas, so dass auch ein Teil des Exponatenlagers für die Besucher einsehbar ist.

Man wollte zu den Wurzeln der Museumsidee zurückkehren: einen Ort kreieren, an dem die Kultur vielen Menschen zugänglich gemacht wird. Der Louvre selbst schlug letztes Jahr sämtliche Besucherrekorde und steht damit in der Tradition dieses Gedankens: Jeder kennt ihn, er ist vielbesucht und konnte sich trotz seiner Bekanntheit den altehrwürdigen Ruf erhalten. Im Zuge dieser Entwicklung steht die Erweiterung des Louvres auf den Standort in Lens, auf dem Gelände einer ehemaligen Mine, für das Verlassen der Pariser Hauptstadtsphäre und die Annäherung an die Besucher, sowie für das Experimentieren mit neuen Ausstellungsprojekten, die in den historischen Räumen in Paris nicht realisierbar wären.

Die beiden Louvres liegen nur eine TGV-Stunde voneinander entfernt und werden in Zukunft ergänzend zusammenarbeiten, um der Museumstradition in Frankreich neue Impulse zu verleihen.

-  Siehe auch: Kohlebecken im Nord-Pas-de-Calais, die zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurden:
-  Internetseite des Projekts mit vielen Hintergrundinformationen

Letzte Änderung 03/12/2012

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