Erste Moschee Europas für Homosexuelle bei Paris eröffnet [fr]

Am Freitag, dem 30. November 2012 veranstaltete die Vereinigung der Homosexuels musulmans de France (muslimische Homosexuelle in Frankreich) ihren ersten Gebetstag in ihrer ganz eigenen Glaubensstätte. Die Mitglieder der Vereinigung sind Männer, die früher zumeist die Große Moschee in Paris besuchten, jene alte Kultstätte, die im Jahre 1925 im 5. Pariser Arrondissement nahe des Jardin des Plantes erbaut wurde und in der sich mehrere Tausend Gläubige regelmäßig zum Gebet versammeln.

Doch wollte die Vereinigung einen offeneren, weniger konservativen Ort schaffen, da die traditionellen Moscheen ihrer Ansicht nach nicht wirklich allen Gläubigen offen stehen, zum Beispiel Homosexuellen, Transsexuellen oder Transgender. Daraus entstand das Bedürfnis nach einem anderen Ort, wo alle und insbesondere jene Menschen willkommen sind, die sich häufig von ihrer Gemeinde zurückgewiesen fühlen.

Die Initiative, die in dieser Form einmalig in Europa ist, wird von einem buddhistischen Mönch und Anhänger der Kampfkunst unterstützt, der sich für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender einsetzt und der Vereinigung einen Teil seines Dojos in der Nähe von Vincennes im Pariser Umland zur Verfügung stellt.

Für die Gründer der Vereinigung geht es darum, inklusiv zu sein und eine Moschee zu eröffnen, die nicht auf ihre Gruppe beschränkt bleibt. In Anlehnung an andere Beispiele aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Südafrika soll eine Glaubensstätte geschaffen werden, zu der jeder kommen kann, wie er ist, ohne sich dem Urteil oder den Vorurteilen der anderen Gläubigen aussetzen zu müssen.

Die Initiative genießt allerdings nicht unbedingt den Zuspruch aller muslimischer Organisationen in Frankreich. So findet der Rektor der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, nicht, dass Homosexuellen Schuldgefühle vermittelt werden, und er sieht sich nicht in der Lage, die Initiative einer Gruppe anzuerkennen, die sich selbst von der Gemeinde ausschließt. Auch der französische Rat des muslimischen Glaubens Conseil français du culte musulman lehnt es ab, die Eröffnung einer neuen Moschee gutzuheißen, die ihnen ausschließlich homosexuellen Muslimen und nicht der gesamten Glaubensgemeinschaft gewidmet zu sein scheint.

Letzte Änderung 19/12/2012

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