Espoir banlieues: Frankreich beschließt Bildungsoffensive in sozialen Brennpunkten

GIF Mit dem Programm Espoir banlieues (Hoffnung für die Vorstädte) zielt die Regierung darauf ab, eine neue Dynamik für eine bessere Integration der Jugendlichen in Bildung und Arbeit zu schaffen. Am 14. Februar 2008 stellte der französische Bildungsminister Xavier Darcos die bildungspolitische Dimension des Programms „Espoir banlieues“ vor. Mit acht konkreten Maßnahmen will der Staat den Jugendlichen in den französischen Vorstädten eine bessere Zukunftsperspektive geben:

- Spätestens ab Oktober 2008 sollen in den 5311 Schulen in sozialen Brennpunkten schulbegleitende Programme eingeführt werden: die Schüller sollen vier Tage die Woche nach dem Unterricht bei den Hausaufgaben, bei kulturellen, künstlerischen oder sportlichen Aktivitäten betreut werden.

- Schülern aus den Problemvierteln soll die Möglichkeit gegeben werden, ein anderes soziales Umfeld kennen zu lernen, und zwar mittels einer Initiative ab Oktober 2008, im Rahmen derer Schüler der letzten beiden Grundschulklassen mit einem Schulbus in andere, weniger homogene Schulen gebracht werden sollen. Die Finanzierung dieser Initiative wird von der Nationalen Agentur für soziale Kohäsion und Chancengleichheit (ACSE) gewährleistet.

- 30 heruntergekommene Vorstadt-Schulen sollen geschlossen und wiederaufgebaut werden.

- Die derzeit 700 Plätze für Banlieue-Schüler in den Spitzeninternatschulen sollen verdoppelt werden; in drei Jahren soll die Zahl der Internatsplätze sich auf 2500, in 5 Jahren auf 7000 belaufen. Die Finanzierung (200 Euro pro Schüler) wird durch die Schaffung eines Sonderfonds gewährleistet.

- Aus 30 Gymnasien soll bis Oktober 2008 Spitzenschulzentren gemacht werden. Diese Schulzentren werden sich durch ein sehr vielfältiges Bildungsangebot auszeichnen: Die Schüler können wählen zwischen einem internationalen Zweig mit verstärktem Fremdsprachenunterricht und Berufspraktika, einem künstlerischen Zweig mit viel Praxisbezug und einem beruflichen Zweig.

- Für die Schüler beruflicher Gymnasien soll in Zusammenarbeit mit den Arbeitgeberorganisationen eine Praktikumsbörse geschaffen werden.

- Ab Juni 2008 sollen die besten 5% der Schüler aller Fach- und allgemein bildenden Gymnasien die Möglichkeit haben, an den so genannten classes préparatoires, den Vorbereitungskursen für die Elitehochschulen, teilzunehmen, denn bislang gibt es etwa 400 Schulen, die keine oder nur sehr selten Schüler für eine classe préparatoire vorschlagen.

- Die Zahl der so genannten „Schulen der zweiten Chance“ für Schüler, die ohne Schulabschluss aus dem Schulsystem ausgeschieden sind, soll erhöht werden, sodass es in jeder Region und langfristig in jedem Departement eine solche Schule gibt.

Für diese Maßnahmen wird für den Zeitraum 2008-2009 ein Gesamtbudget von 200 Millionen Euro veranschlagt.

Letzte Änderung 03/05/2012

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