Fernsehansprache von Staatspräsident Emmanuel Macron zum Coronavirus Covid-19 [fr]

Elysée-Palast, den 13. April 2020

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Sobald diese Probleme erkannt wurden, haben wir uns – Regierung, Gebietskörperschaften, Industrie und Vereinigungen – für die Herstellung und den Erwerb der erforderlichen Ausrüstung eingesetzt. Aber ich bin mir voll und ganz bewusst, dass es, wenn man direkt betroffen ist, schwer zu verstehen ist, dass eine weltweite Verknappung Lieferengpässe verursacht.

Die Bestellungen sind inzwischen erfolgt. Vor allem unsere französischen Unternehmen und unsere Arbeitnehmer haben darauf reagiert und wie in Zeiten des Krieges mit der Produktion begonnen. Wir haben die Fertigungslinien wieder geöffnet und setzen sie ein.

Stellen Sie sich das vor, innerhalb von drei Wochen werden wir die Maskenproduktion für unsere Pflegekräfte in Frankreich um das Fünffache steigern und wir werden 10 000 zusätzliche Beatmungsgeräte in unserem Land produziert haben. Diese so wertvollen Beatmungsgeräte für die Reanimation.

Dank dieser Anstrengungen werden wir uns dem stellen können und wir werden weiterhin mehr Ausrüstung verteilen.

Aber ebenso wie Ihnen sind mir die Fehlschläge, die noch zu große Langsamkeit, unnötige Verfahren und Schwächen auch in unserer Logistik aufgefallen. Wir werden zu gegebener Zeit, wenn es darum geht, uns neu aufzustellen, unsere Konsequenzen daraus ziehen.

In den letzten Wochen, und da sollten wir auch fair zu unserem Land sein, hatten wir auch echte Erfolge zu verzeichnen: die Verdoppelung der Betten zur Reanimation, was zuvor nie erreicht wurde, die beispiellose Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Privatkliniken und Hausärzten; die Verlegung von Patienten in weniger betroffene Regionen, aber auch in Länder wie Luxemburg, die Schweiz, Deutschland und Österreich, denen ich dafür danke; die Einrichtung des Fernunterrichts; die Organisation von Solidaritätsketten in unseren Gemeinden; der Erfolg all jener, die uns in diesen Wochen unentwegt engagiert mit Nahrungsmitteln versorgen; der Rücktransport von mehreren Zehntausend französischen und europäischen Staatsbürgern aus der ganzen Welt und die Unterstützung der im Ausland lebenden Franzosen.

Was seit Jahren unmöglich schien, haben wir nun sehr oft in wenigen Tagen erreicht. Wir waren innovativ, mutig, haben direkt vor Ort gehandelt und es wurden viele Lösungen gefunden. Das sollten wir nicht vergessen, denn das sind Stärken, auf die wir in Zukunft setzen können.
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Wie gesagt, die Hoffnung kehrt zurück, aber wir können uns noch nicht in Sicherheit wiegen. In den Regionen Grand Est und Ile de France sind die Krankenhäuser überlastet. Überall in Frankreich wie auch in den Überseedepartements ist die Lage angespannt und die Epidemie ist noch nicht unter Kontrolle.

Wir müssen unsere Anstrengungen also fortsetzen und uns weiterhin an die Regeln halten. Je konsequenter wir sie einhalten, desto mehr Leben werden wir retten.

Deshalb muss diese strenge Ausgangsbeschränkung bis Montag, den 11. Mai ausgedehnt werden. Das ist in dieser Zeit die einzige Möglichkeit, wirksam zu handeln.

Für all jene, die während dieser Zeit Hilfe brauchen, werden die Maßnahmen zur Kurzarbeit für Arbeitnehmer und zur finanziellen Unterstützung von Unternehmen fortgeführt und ausgebaut. Sie sind beispiellos und schützen bereits jetzt über 8 Millionen unserer Arbeitnehmer und viele unserer Unternehmen.

Für Handwerker, Händler, Freiberufler und Unternehmer ist der Solidaritätsfond ein erster Schritt. […], aber ich weiß auch von Ihren Ängsten, ich habe davon gehört und gelesen: die weiter anfallenden Kosten, die Verträge, die Mieten, die Kredite. Deshalb habe ich die Regierung aufgefordert, die Beihilfen stark aufzustocken, sie zu vereinfachen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Zeit zu überstehen. Ich hoffe sehr, dass die Banken alle Fristen stärker verlängern, als sie dies bisher getan haben, und die Versicherungsgesellschaften müssen sich auf dieses Vorgehen der Wirtschaft einstellen. Ich werde das aufmerksam verfolgen.

Deshalb sind in den kommenden Tagen weitere Schritte nötig, um Sie in dieser Zeit wirtschaftlich zu stärken.

Es wird umgehend ein entsprechender Plan für die Bereiche umgesetzt, die nachhaltig betroffen sind, wie die Tourismusbranche, die Hotellerie, der Gastronomiesektor, die Kultur und die Eventbranche. Abgaben werden erlassen und spezielle Hilfen bereitgestellt.
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Bereits am Mittwoch wird der Ministerrat über weitere finanzielle Mittel entschieden und die Regierung wird sobald erforderlich alle notwendigen Lösungen bieten.
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Ab dem 11. Mai werden wir schrittweise wieder die Kindergärten, Gesamtschulen und Gymnasien öffnen.
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Die Lehrveranstaltungen an Hochschulen werden bis zum Sommer weiterhin nicht mit physischer Präsenz stattfinden. Die Regierung wird für jeden die notwendige Organisation festlegen, insbesondere für Prüfungen und Aufnahmetests.

Ab dem 11. Mai soll der Mehrheit zudem ermöglicht werden, wieder arbeiten zu gehen und unsere Industrie, unser Handel sowie unser Dienstleistungssektor sollen wieder angekurbelt werden. […]

Die Orte, an denen die Öffentlichkeit zusammenkommt, wie Restaurants, Kaffes und Hotels, Kinos, Theater, Veranstaltungssäle und Museen hingegen bleiben zum derzeitigen Stand weiterhin geschlossen. Große Festivals und Veranstaltungen mit vielen Besuchern können bis mindestens Mitte Juli nicht stattfinden. […]

Wir werden uns ab dem 11. Mai neu organisieren, um diese Etappe zu meistern. Der umfassende Einsatz von Tests und somit der Nachweis des Virus sind die bevorzugten Mittel, um zum richtigen Zeitpunkt die Ausgangssperre aufzuheben.

Bis dahin werden wir in den kommenden Wochen die Anzahl der täglich durchgeführten Tests weiterhin erhöhen. […]

Bis zum 11. Mai werden wir in der Lage sein, jede Person zu testen, die Symptome aufweist. […]

Um diese Phase zu begleiten, arbeiten wir mit einigen unserer europäischen Partner an mehreren Innovationen zusammen, wie z.B. an einer speziellen App, mit der es auf freiwilliger und anonymer Basis möglich sein soll herauszufinden, ob man mit einer infizierten Person Kontakt hatte oder nicht. Sie haben sicherlich davon gehört.

Die Regierung wird sich damit beschäftigen müssen, denn keine Methode, keine Innovation darf außer Acht gelassen werden. Ich möchte, dass unsere Volksvertretungen vor dem 11. Mai darüber diskutieren und dass die zuständigen Behörden uns Aufschluss darüber geben. Diese Epidemie wird weder unsere Demokratie schwächen, noch unsere Freiheiten einschränken.

Bis auf Weiteres bleiben unsere Grenzen zu den nicht-europäischen Ländern geschlossen.
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Die Regierung wird in den nächsten zwei Wochen auf der Grundlage dieser Grundsätze den Plan für die Zeit nach dem 11. Mai und die Details zur Organisation unseres täglichen Lebens vorstellen.
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Der erste Weg aus dieser Epidemie ist der Impfstoff. Alle Talente und Forscher dieser Welt arbeiten daran. Frankreich ist in diesem Bereich anerkannt und verfügt über exzellente Ressourcen, und es ist zweifellos die sicherste Lösung, auch wenn es bis zum Einsatz noch mindestens mehrere Monate dauert. Unser Land wird noch massiver in die Forschung investieren und ich werde in den kommenden Tagen eine Initiative mit einigen unserer Partner in Ihrem Namen vorantreiben, um die laufenden Arbeiten zu beschleunigen.

Der zweite Weg sind Medikamente. Wir arbeiten seit dem ersten Tag daran. […] Es werden alle Optionen berücksichtigt. Unser Land hat die meisten klinischen Versuche in Europa unternommen. […] Jeder Ansatz wurde und wird auch künftig verfolgt. Dafür werde ich Sorge tragen.
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In den kommenden Wochen müssen die Regierung, das Parlament, unsere Verwaltung zusammen mit unseren Bürgermeistern und den lokal gewählten Vertretern den nächsten Schritt vorbereiten. Ich selbst werde in Europa für uns einstehen, um eine größere Einigkeit und Solidarität zu erzielen. Die ersten Entscheidungen gingen in die richtige Richtung und wir haben dafür viel getan, sei es die Europäische Zentralbank, die Europäische Kommission oder die Regierungen.

Aber nun schlägt die Stunde der Wahrheit und es bedarf höherer Zielsetzungen und größeren Mutes, es ist die Stunde der Erneuerung.

Wir müssen auch unseren afrikanischen Nachbarn dabei helfen, wirksamer gegen den Virus vorzugehen, und ihnen auch wirtschaftlich durch massiven Schuldenerlass unter die Arme greifen.
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Wir müssen unsere Wirtschaft wieder aufbauen und stärker machen, um zu produzieren und unseren Arbeitnehmern und Unternehmern wieder Hoffnung zu geben und unsere finanzielle Unabhängigkeit zu wahren.

Wir müssen für Frankreich eine landwirtschaftliche, gesundheitliche, industrielle und technologische Unabhängigkeit und für Europa eine größere strategische Autonomie erreichen. Dafür bedarf es u.a. eines umfassenden Plans für unser Gesundheitssystem, unsere Forschung und unsere ältere Bevölkerung.

Es sei zudem daran erinnert, dass unser Land heute von Frauen und Männern getragen wird, die von unserer Wirtschaft so wenig Anerkennung erfahren und so schlecht bezahlt werden. „Soziale Unterscheidungen dürfen nur auf der Gemeinnützigkeit basieren.“ Diese Worte haben die Franzosen vor über 200 Jahren geschrieben. Wir müssen heute Initiative ergreifen und diesem Grundsatz unsere ganze Kraft widmen.

Wir müssen eine Strategie entwerfen, die Langfristigkeit, Planbarkeit, geringe Co2-Emissionen, Prävention und Krisenfestigkeit ermöglicht, da wir nur so künftig Krisen bewältigen können.
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(Quelle: Internetseite des Elysée-Palast)

Letzte Änderung 02/12/2020

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