Festivals in Frankreich– ein fester Bestandteil der Kultur

JPEG Der rote Teppich bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, die von den Couturiers eingekleideten Filmstars… Avignon mit seinem Papsthof… Saint-Malo und sein Buchfestival ײÉtonnants voyageursײ… Mariac, Juan-les-Pins und ihre amerikanischen Jazzmusiker… Viele französische Städte sind durch ihre Festivals bekannt geworden.

Die Internationalen Filmfestspiele in Cannes finden nunmehr seit 63 Jahren statt: Regisseure aus der ganzen Welt träumen davon, während der zehn Tage im Mai, wo Pailletten und Strass Bildern und Filmmusik Konkurrenz machen, dabei sein zu dürfen. Die Goldene Palme gewinnen? Ein frommer Wunsch vieler, doch was soll’s…, geht es doch in erster Linie darum, bemerkt und wahrgenommen zu werden und von diesem fantastischen Sprungbrett in der Welt des Films zu profitieren.

Ein weiterer wichtiger Termin sind die alljährlich stattfindenden Theaterfestspiele von Avignon, die in diesem Jahr ihr 65jähriges Bestehen feierten: ein Schlüsselmoment für die internationale französischsprachige Bühnenkunst. Hier ist das Publikum jedoch ebenso wichtig wie die großen Dramaturgen. Tausende von Theaterfans bilden in den Straßen Avignons ein buntes Bild, füllen die Säle aber auch Schulhöfe und sammeln sich vor improvisierten Bühnen in den Gassen oder Cafés der Stadt.

Das Theaterfestival von Avignon in Zahlen:



Rund 500 vom Presse-Service des Festivals akkreditierte französische und ausländische Journalisten. Die offiziellen Festspiele präsentieren 35 bis 40 Inszenierungen an rund 20 Orten, meistens Freilichtbühnen vor einem historischen Hintergrund von unterschiedlichster Architektur und Größe (50 bis 2000 Plätze); jährlich werden 100 000 à 150 000 Theaterkarten verkauft. 3000 Theaterprofis treten im Rahmen der ײOffײ Festspiele auf. Die Website der Festspiele wurde bereits über 800 000 Mal aufgerufen.

Als alte Kulturnation ist Frankreich in der Lage, durch die Kreation von Festspielen der ganzen Welt seine Kultur zu vermitteln und diese einem im wahrsten Sinne des Wortes breiten Publikum näher zu bringen. Diese französische Besonderheit ermöglicht es, dass kulturelle Ereignisse internationaler Dimension, wie in Cannes oder Avignon, neben Veranstaltungen mit eher lokaler Ausstrahlung existieren, wo zeitgenössische Kunst, Folklore und nicht zuletzt auch Tourismus ineinander übergehen.

Seit den ersten Chorégies d’Orange (1869), diesen Treffen für klassische Musik, auf die historisch gesehen das Phänomen der ײFestspieleײ (französisch festivals) zurückgeht, haben sich die Festspiele sowohl im Genre als auch inhaltlich beachtlich entwickelt: Heute ist das Angebot an festivals in Frankreich dermaßen groß, dass es fast unmöglich ist, ihre genaue Zahl festzustellen. So sind manche Festspiele nicht nur dem Film allgemein gewidmet, sondern ganz speziellen Filmgenres: Kriminalfilmen (Cognac), dem Amerikanischen Film (Deauville), dem Afrikanischen Film (Amiens) oder dem mit Minikameras oder Handys gedrehten ײTaschenfilmײ (Pocket Films, Paris).

Auch auf musikalischer Ebene sind alle Stile vertreten: von der Klassik bis zum Jazz, vom französischen Chanson (Francofolies in La Rochelle) bis zur Oper (Aix-en-Provence). In Montpellier sind die Festspiele dem Tanz gewidmet, die Fotografie hat in Arles ihren festen Platz, und ein literarischer Spaziergang kann vom Festival Paris en toutes lettres bis nach Lyon zu den Quais du polar führen. In den letzten Jahren wurden sogar politisch-gesellschaftlich engagierte Festivals, wie z. B. das Festival de l’Oh ! (eau/Wasser) im Departement Seine-et-Marne oder das Öko-Festival in Bourges ins Leben gerufen.

Die meisten Festspiele, die oftmals mit großen finanziellen Herausforderungen verbunden sind, gehen auf das Engagement von Gruppen oder auch Einzelpersonen zurück, die ihre Leidenschaft mit anderen teilen möchten. So ermöglichen ein paar festliche Tage, Augenblicke jugendlicher Geselligkeit miteinander zu teilen und zum Teil auch vergessene Ecken Frankreichs zu neuem Leben zu erwecken. In der Tat eine kulturelle Ausnahme…

Kidi Bebey

Letzte Änderung 26/04/2012

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