Frankreich bei „Big Data“ gut positionniert [fr]

JPEG Die Menge der weltweit produzierten elektronischen Daten dürfte sich bis 2020 alle 18 Monate verdoppeln. Die Unternehmen der IKT-Branche und der digitalen Dienstleistungen entwickeln und bauen leistungsfähige Computer, um der großen Nachfrage nach Speicherkapazitäten und nach der Nutzung dieser riesigen Datenmengen, die man auch allgemein als „Big Data“ bezeichnet, entsprechen zu können. Zweifelsohne lautet die zentrale Herausforderung Datenmanagement, um das exponentielle Wachstum des enormen Informationsvolumens bewältigen zu können. Frankreich hat sich in diesem stark expandierenden Sektor sehr gut positioniert.

Enorme wirtschaftliche Herausforderungen

Einer Untersuchung des Beratungsbüros EMC zufolge erhöhte sich das Volumen der digitalen Daten weltweit von 1,2 Zettabytes (2010) (1 Zettabyte entspricht 1021 Bytes) auf 2,8 Zettabytes (2012), und es sei damit zu rechnen, dass diese Datenmenge bis 2020 auf 40 Zettabytes ansteigt. Diese astronomisch großen Datenmengen entsprechen der Digitalisierung von Texten, Bildern oder auch Statistiken.

Frankreichs Exzellenz in Forschung und Lehre

Angesichts der rasanten Entwicklung der digitalen Wirtschaft hat die öffentliche Hand bereits 2012 die französischen Experten des Sektors veranlasst, sich verstärkt mit dem Thema digitale Daten zu befassen. Zwei namhafte öffentliche französische Einrichtungen, das Institut Mines-Télécom (IMT), eine Gruppe angesehener französischer Ausbildungseinrichtungen unter der Schirmherrschaft des Wirtschaftsministeriums, und die Groupe des Ecoles nationales d’économie et de statistique (GENES) haben ihre Kompetenzen gebündelt, um sich gemeinsam dieser ehrgeizigen Herausforderung im Rahmen der Plattform TeraLab zu stellen. Wichtigstes Ziel dieser Initiative ist es, schnellstmöglich den Anforderungen der Forscher, Lehrkräfte und Unternehmen gerecht zu werden, und das Know-how und die Innovationen in diesem Bereich auszubauen. Dabei geht es auch um die Beschleunigung der Forschung und Entwicklung (F&E) im Bereich der Big Data und die Vorbereitung des Nachwuchses auf die Berufe von Morgen.

Die Mathematik spielt für die Big Data eine wichtige Rolle. In dieser Disziplin rangiert Frankreich in der Spitzengruppe. Mit mehr als 1 000 Forschern und zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen verfügt Frankreich durch die Fondation Scientifique Mathématiques (wissenschaftliche Stiftung für Mathematik) in Paris über die größte Konzentration von Mathematikern weltweit. Die Stiftung initiiert und finanziert Programme, die für die internationale Mathematikelite einen wichtigen Anziehungspunkt bilden. Sie bietet den Mathematikern von Morgen Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen und schafft so die Grundlagen dafür, dass die Forschung in diesem Bereich ein Exzellenzniveau erreicht.

Die Karten werden neu verteilt

Atos ist ein internationaler Anbieter von IT-Dienstleistungen, der mit einem Jahresumsatz von 8,6 Milliarden Euro und über 76.3000 Mitarbeitern in 52 Ländern zu den Top 10 des IKT-Sektors gehört. Anerkannt für seine innovativen Lösungen und das externalisierte Management von IT-Systemen in Unternehmen zählt der IT-Dienstleister internationale Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen zu seinen Kunden. Der Vorsitzende und CEO von Atos kündigte vor wenigen Wochen an, den französischen Computerhersteller Bull übernehmen zu wollen, um in Europa einen Weltmarktführer für Cloud-Computing, Cyber-Sicherheit und Big Data zu schaffen. Durch die Bündelung des Know-hows von Bull und des Fachwissens von ATOS will das Unternehmen ein einzigartiges Leistungsangebot im Bereich der Daten-Speicherung und –Analyse schaffen.

Aus Sicht des Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden der Versicherungsgruppe AXA, Henri de Castries, werden die Digitalisierung und die Big Data erhebliche Auswirkungen auf den Versicherungssektor und die Kundenbeziehungen haben. Die Nutzung der massiven Datenmengen ermöglicht die Entwicklung neuer Instrumente zur epidemiologischen Überwachung auf der Grundlage der von vernetzten Objekten übertragenen Daten. Heute sind alle Daten der Versicherungsnehmer noch überall verstreut; AXA wird diese Daten in Datenbanken erfassen, zentralisieren und nutzen. Mit der so möglichen genauen Erfassung der abzusichernden Risiken wird die Versicherungsgesellschaft ihren Kunden individuellere Tarife anbieten und die persönlichen Daten jedes einzelnen Kunden besser berücksichtigen können.

Anwendungen mit hoher Wertschöpfung

Wie kann ein Inserent seinen Bekanntheitsgrad sowie seinen Geschäftserfolg noch weiter ausbauen? Dank seiner zielgruppenorientierten Werbung, die auf den Navigationsdaten der Internetnutzer beruht, kann Criteo den Wünschen seiner über 4 000 Kunden weltweit entsprechen. Verlässt ein Internetnutzer die kommerziellen Webseiten eines Werbenden, kann dieser ihn auf einer anderen Website mit einer mehr oder weniger individualisierten Werbebotschaft erneut erreichen (Re-Targeting), damit dieser potenzielle Kunde erneut auf seine Webseite zurückkehrt. Acht Jahre nach seiner Gründung ist das Unternehmen nunmehr an der New Yorker Börse notiert und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 400 Millionen Euro.

Ein weiteres Beispiel für die Nutzung von Mega-Daten ist der Sport. Durch die inflationäre Entwicklung der Sportlergehälter sowie die zunehmende Mediatisierung von Wettkämpfen ist den Sportvereinen und Medien bewusst geworden, dass sie eine objektive Bewertung der Leistungen der Profisportler benötigen. Die Firma Amisco, die sich vor kurzem mit der britischen Firma Prozone zusammengeschlossen hat, besitzt eine ausgezeichnete Expertise im Bereich der Verarbeitung und Analyse von IT-Daten und ist weltweit der größte Anbieter von Analyseleistungen im Profifußball. Kameras auf den Sportplätzen filmen und berechnen die Position jedes einzelnen Spielers und dies 25 Mal in der Sekunde. Jede Aktion eines Spielers wird indexiert. „Bei einem einzigen Fußballspiel können wir z.B. mit unserem System bis zu 3 Millionen Informationen sammeln“, versichert Antoine David, der Generaldirektor des Unternehmens, das weltweit bereits mit über 200 Sportvereinen und zahlreichen Medien zusammenarbeitet.

Die Verknüpfung des entscheidenden Zuspiels oder Passes eines Mittelfeldspielers des Fußballteams Paris-Saint-Germain mit der Werbeanzeige eines Geschäfts, die man auf seinem Handy erhält, klingt wie Science Fiction ….. doch es gibt sie bereits.

Marco Rangi

Letzte Änderung 11/08/2014

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