Frankreich ist Exportweltmeister von Saatgut [fr]

GIF Die französische Saatgutbranche kennt keine Krise. Ihre Produkte – von Mais über Gemüsepflanzen oder Flachs bis zu Raps – sind von zentraler Bedeutung für den Erfolg der französischen Land- und Ernährungswirtschaft.

Der französische Agrarsektor verfügt neben hervorragenden klimatischen Bedingungen sowie vielfältigen und innovativen Ackerkulturen auch über ein exzellentes Image im Ausland. Im Zeitraum 2012-2013 wurde Saat- und Pflanzgut für 1,42 Milliarden Euro exportiert – 15% mehr als im Vorjahr. „Das ist so viel wie 20 Flugzeuge des Typs Airbus A320“, unterstreicht der für Außenbeziehungen zuständige Direktor des Branchen-verbands GNIS (Groupement national interprofessionnel des semences et plants), François Burgaud. Frankreich steht unter den Saatgut exportierenden Ländern weltweit an erster Stelle, vor den Vereinigten Staaten und den Niederlanden. Darüber hinaus verfügt das Land über umfangreiche Agrarflächen (347.566 ha).

Ein gut strukturierter Wirtschaftszweig

Die französische Saatgutbranche – insgesamt 72 Zuchtbetriebe, die neue Sorten entwickeln, und 249 Produktionsbetriebe – erzielte im Wirtschaftsjahr 2012-2013 ca. 3,1 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt fast 15.000 Menschen.

Im internationalen Wettbewerb nimmt Frankreich insbesondere bei Mais- und Sonnenblumensaatgut eine herausragende Position ein. Diese beiden Arten allein erzielten einen Umsatz von 776 Millionen Euro, d.h. über 50 Prozent der Gesamtexporterlöse für Saatgut.

Viele Unternehmen der Branche sind in mehreren Segmenten gleichzeitig tätig. Die Gruppe Florimond Desprez zum Beispiel, die seit drei Jahren internationaler Marktführer im Rübensegment ist, setzt gezielt auf Diversifizierung und investiert nun auch verstärkt in die Vermarktung von Halmgetreide. Darüber hinaus öffnet sich das Unternehmen verstärkt dem ausländischen Markt, insbesondere dem Mittelmeerraum, Mitteleuropa, Russland und Südamerika.

Vilmorin-Limagrain ist weiterhin der größte französische Saatgutkonzern, zu dem zahlreiche Unternehmen der Branche wie Clause, Tézier, LG-seeds, Advanta oder Nickerson gehören. Die Gruppe rangiert derzeit unter den Saatgutanbietern weltweit auf Rang fünf, in Europa steht sie bei den wichtigsten Feldsaaten an erster Stelle. Besonders stark ist Vilmorin-Limagrain über das Unternehmen AgReliant auf dem nordamerikanischen Markt präsent.

In der Distribution ist die Gruppe Semences de France bei Halmgetreide und Eiweißpflanzen marktführend. Sie vertreibt auch Hybridsaaten (Mais-, Sonnenblumen-, Raps-, Hybridgerste- und Sorghumsorten) und Futterpflanzensaatgut.

Starke internationale Präsenz

Die französischen Saatgutunternehmen sind in nahezu 150 Ländern präsent. „Frankreich hat sich angepasst und sich bewusst nicht auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Weltregion spezialisiert“, erklärt François Burgaud.

70% der Ausfuhren gehen in die Europäische Union, an erster Stelle nach Deutschland. Danach folgen Russland (88 Millionen Euro), die Ukraine (78 Millionen Euro) und Nord- und Subsahara-Afrika (28 Millionen Euro). „Nach Asien exportieren wir überwiegend genetische Sorten und weniger Saatgut als solches“, unterstreicht der leitende Vertreter des Branchenverbands GNIS. „In Südamerika sind wir vor allem über die US-Töchter der französischen Konzerne vertreten“.

Die Zukunft der Branche

Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, muss die weltweite Nahrungsmittelproduktion bis 2050 um 70% ansteigen, um die bis dahin um weitere 2,3 Milliarden Menschen angewachsene Weltbevölkerung zu ernähren. Die französischen Entwicklungsexperten der Saatgutbranche arbeiten mit Hochdruck an Möglichkeiten und Wegen, dieser Herausforderung zu begegnen. Saatzüchter vor Ort kooperieren mit den Wissenschaftern, um klima- bzw. schädlingsresistentere Sorten zu entwickeln, wie sie in manchen Ländern erforderlich sind. Dabei wurden bereits erhebliche Fortschritte erzielt. So hat sich der Weizenertrag in Frankreich innerhalb von vierzig Jahren verdreifacht, und die ursprünglich tropische Pflanze Mais kann immer weiter nördlich angebaut werden.

Barbara Leblanc

Letzte Änderung 23/01/2014

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