Frankreich ist weltweit zweitgrößter Hersteller von Videospielen [fr]

GIF Die französischen Videospielentwickler haben international anerkanntes Know-how erworben. Die Branche erwartet einen Umsatzanstieg von 41,9 auf 75 Milliarden Euro in den Jahren 2011 bis 2015.

Assassin’s Creed, Les Lapins Crétins, Just Dance, Game of Thrones etc. - alle diese Abenteuerspiele, die unter den Spielkonsolenliebhabern wie Playstation und X-Box sehr begehrt sind, stammen aus Frankreich. Frankreich ist heute weltweit der zweitgrößte Videospielhersteller nach den USA. Der Erfolg der 300 französischen Unternehmen, die sich auf diesem Sektor spezialisiert haben, und derzeit ein vielversprechendes Wachstum aufweisen, hält auch weiterhin an: Bei einem weltweiten Umsatz in den Jahren 2011 und 2012 zwischen 41,9 Milliarden bis nahezu 60 Milliarden Euro, könnte dieser im kommenden Jahr sogar erstmalig die symbolische Schwelle von 75 Milliarden Euro überschreiten.

Das von Ubisoft entwickelte Plattform-Spiel Rayman Origins wurde innerhalb von einigen Monaten mehrere Millionen Male verkauft. Auch das von den Lyonner Arkane Studios konzipierte Spiel Dishonored verführte in nur sechs Monaten mehr als 2 Millionen Fans zum Kauf. Im Bereich der mobilen Plattform-Spiele wurde My Brute mehr als vier Millionen Mal heruntergeladen und der Spitzenreiter Criminal Case vereint weiterhin eine Fangemeinschaft von zehn Millionen Spielern auf sich. Den Zahlen des französischen Verbands für Herausgeber von Unterhaltungssoftware (Syndicat des éditeurs de logiciels de loisirs) zufolge zählt Frankreich 31 Millionen Stammspieler und platziert sich somit an die Spitze der europäischen Länder. Im Jahr 2013 spielten in etwa acht von zehn Franzosen mindestens ein Mal im vergangenen Jahr ein Videospiel.

„Frankreich ist im Bereich der Entwicklung von Videospielen ein Vorreiter,“ heißt es in einer Studie des französischen Verbands für Videospiele (Syndicat national du jeu vidéo). Seit den 80er Jahren feiern zahlreiche Videospiele internationale Erfolge. Manche Spielgenres wie beispielsweise Survival Horror wurden sogar von Franzosen entwickelt, so die Studie. Der Videospielsektor ist nach wie vor sehr dynamisch, da 32 % der Unternehmen mit nicht mehr als zwei Jahren Marktpräsenz noch sehr jung sind. Darüber hinaus ist der Markt stabil, denn mehr als ein Viertel (27%) der Studios gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. Dennoch ist die Videospielbranche ein stark fragmentierter Markt: Obwohl 77 % der Firmen Jahresumsätze von mehr als einer Millionen Euro aufweisen, so erzielen lediglich 8% unter ihnen den symbolischen Schwellenwert von zehn Millionen Euro Einnahmen.

Auch die Produktion verteilt sich über ganz Frankreich mit den wichtigsten Zentren in den Regionen Ile de France (Paris), Rhône-Alpes, Nord Pas de Calais, Aquitaine, Languedoc-Roussillon sowie in der Bretagne. Zudem gehen 80% der Videospiele Frankreichs in den Export. Ein weiteres Zeichen für den Aufschwung in diesem Sektor: Mehr als 150 neue Stellenangebote gibt es jeden Monat in den 28 spezifischen Berufssparten (Management, Design, Bild- und Tonerzeugung, Technologie, Trägerindustrie…), die sich der Entwicklung innovativer Videospiele verschrieben haben. Die beiden Cluster CapDigital und Imaginove tragen zu einer besseren Strukturierung des Sektors bei, indem sie die Verflechtung der Videospielindustrie mit allen weiteren digitalen Sektoren erleichtern.

Frankreich bietet ebenso anerkannte Ausbildungsmöglichkeiten für die Berufe der Videospielbranche, die sich im Ausland aufgrund ihrer hohen Qualität einen Namen gemacht haben. Hierzu gehören die Ecole Nationale du Jeu Vidéo et des Médias Interactifs in Angoulême und die Ecole de l’image in Gobelins.

Die Frage der Urheberrechte stellt für die Videospielindustrie in diesem Zusammenhang eine wichtige Herausforderung dar. In Frankreich sind die Urheber sowohl durch die nationale Gesetzgebung als auch durch das Institut für geistiges Eigentum INPI geschützt.

Subventionsmöglichkeiten wie der in Frankreich gewährte Forschungskredit (Crédit Impôt Recherche) unterstützen die schöpferische Tätigkeit im Bereich der Videospiele zusätzlich und stellen einen weiteren Vorteil Frankreichs auf diesem Gebiet dar.

Das französische Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten hat in enger Zusammenarbeit mit dem Filmförderanstalt Centre National de la Cinématographie et de l’image animée und der Videospiel-Vereinigung Le Game (welche die Angehörigen des Berufsstandes vereint) eine Studie durchgeführt. Ziel dieser Studie ist eine Bestandsaufnahme der französischen Videospiel-Exporte, auf deren Grundlage eine gemeinsame Strategie zur Förderung der französischen Videospielindustrie im Ausland entwickelt werden soll.

Das Ministerium unterstützt ebenfalls die Förderinitiative French Tech. Ihr Ziel ist es, den French Touch in der Schaffung von Start-ups und in der Entwicklung moderner Spitzentechnologieen zu fördern und innovative Akteure und Investoren nach Frankreich zu bringen.

Um die Vermarktung ihrer Videoprogramme noch effizienter zu gestalten, könnten die Unternehmen des Videospielsektors demnächst sogar eine rein französische Online-Spiele-Plattform nach dem Beispiel des Giganten Steam ins Leben rufen. Den Videospielen „Made in France“ steht also eine verheißungsvolle Zukunft bevor.

Marco Rangi

Die Videospielindustrie in Zahlen


60 Milliarden Euro wurden 2012 weltweit für den Kauf von Videospielen aufgewendet
- 2,7 Milliarden Euro Umsatz in Frankreich
- 300 Unternehmen in Frankreich
- 5000 direkte Arbeitsplätze
- 10 000 indirekte Arbeitsplätze (Informatik, Musik, Lokalisierung…)
80% der Videoherstellung gehen in den Export



Quelle: Französischer Verband für Videospiele (Syndicat National des Jeux Vidéo)

Letzte Änderung 24/06/2014

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