Frankreich plant Einführung von Impfpflicht für elf Krankheiten [fr]

Ab 2018 sollen in Frankreich alle Kleinkinder im Laufe ihrer ersten beiden Lebensjahre gegen 11 Krankheiten geimpft werden. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn wird dem Parlament hierzu einen entsprechenden Gesetzentwurf zuleiten (Kommuniqué vom 5.7.2017).

Auch wenn Frankreich mit bisher drei Pflichtimpfungen (Diphterie, Tetanus und Kinderlähmung) besser als andere Länder aufgestellt ist, reichen die bisherigen Anstrengungen für einen zufriedenstellenden Schutz vor ansteckenden Krankheiten und Epidemien nicht mehr aus. Unter den Folgen hätten insbesondere Kinder und wenig resistente Personen zu leiden.

Das Ministerium plant deshalb, folgende Impfungen zusätzlich zu Diphterie, Tetanus und Kinderlähmung allgemeinverbindlich zu machen:

-  Hib - Haemophilus influenzae Typ b
-  Keuchhusten
-  Hepatitis B
-  Masern
-  Mumps
-  Röteln
-  Meningokokken C
-  Pneumokokken

Die Kosten für die vorgesehenen Impfungen werden vollständig von den Krankenkassen übernommen werden.

Die Impfdaten und ihr Einfluss auf die Bekämpfung von Krankheiten sollen alljährlich einer Prüfung für eventuell notwendige Nachjustierungen unterzogen werden.

Es besteht Handlungsbedarf

In der Praxis verzeichnet Frankreich schon heute einen sehr hohen Durchimpfungsgrad bei Kindern auch bei den bisher nicht obligatorischen Impfungen. 70% der Kinder erhalten bereits die 10 Injektionen gegen die genannten 11 Krankheiten und 80% erhalten über 8 Injektionen.

Bevor die Impfung im bisherigen Umfang Pflicht wurde, starben jährlich in Frankreich 3.000 Personen an Diphterie, 200 an Kinderlähmung und 1000 an Tetanus. Heute sind diese Krankheiten nahezu ausgestorben.

Seit der Einführung von weiteren Impfungen um die Jahrhundertwende sind auch hier die Infektionen rückläufig (z.B. HiB -95%, Pneumokokken -50%).

Der Schutz gegen Hepatitis B mit einer Durchimpfungsquote von 40% bei Heranwachsenden und 60% bei Erwachsenen ist heute aber noch besonders unzureichend. Zwischen 2006 und 2014 wurden frankreichweit allein 2000 Fälle verzeichnet.

Besonders gefährlich bleibt laut Aussagen des Gesundheitsministeriums auch die mangelnde Immunisierung der Kinder gegen Masern (78%). Solange kein Durchimpfungsgrad von 95% erreicht sei, bestehe somit die Gefahr von Epidemien, wie sie sich immer wieder ereigneten.

Letzte Änderung 24/07/2017

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