Frankreich und seine Wirtschaftspartner

Zusammenfassung

Frankreichs 10 wichtigsten Handelspartner sind mehrheitlich europäische und industrialisierte Länder, wobei mit China und Russland jetzt auch zwei große Schwellenländer dazu gehören. Mit diesen zehn Ländern betreiben wir rund zwei Drittel unseres Außenhandels. Die geografische Struktur unserer Handelsbeziehungen ist auf mehrere klassische Entwicklungsfaktoren des internationalen Handels zurückzuführen, u. a. die geografische Nähe und die Größe der Volkswirtschaften, aber auch die europäische Zollunion.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Rangfolge wenig verändert, mit Ausnahme von China, das von Platz 8 auf Platz 4 aufgerückt ist und damit sein Gewicht in unseren Handelsbeziehungen fast verdoppelt hat. Deutschland liegt mit einem Anteil von knapp 17 % weit vor allen anderen Partnern und ist damit mehr als doppelt so stark wie das nächste Land in der Rangfolge. Mit zwei von den 10 Ländern verzeichnet Frankreich einen Handelsüberschuss: mit Großbritannien und der Schweiz.

8 der 10 wichtigsten Handelspartner sind Industriestaaten, 7 davon europäische Länder.

7 der 10 wichtigsten Handelspartner Frankreichs sind europäische Länder, 6 aus der Europäischen Union, 5 aus der Eurozone, und alle grenzen unmittelbar an Frankreich.

8 unserer 10 wichtigsten Handelspartner sind Industrieländer. Die Vereinigten Staaten belegen den 6. Platz.

Insgesamt machen diese 10 Länder fast zwei Drittel (65 %) unseres Außenhandels aus.

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Abb. 1 – Frankreichs Handelspartner und ihr Anteil am gesamten Warenaustausch in % (2013)

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Abb. 2 – Frankreichs wichtigste Lieferanten und ihr Anteil an den Warenimporten in % (2013)

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Abb. 3 – Frankreichs wichtigste Kunden und ihr Anteil an den Warenexporten in % (2013)

Entwicklung 2003-2013

Die Rangfolge hat sich in den letzten 10 Jahren unwesentlich verändert; im Vergleich zu 2003 ist jedoch ein beachtlicher Anstieg Chinas und ein leichter Rückgang der europäischen Länder zu verzeichnen.

- 2007 ist Japan aus der Liste der 10 wichtigsten Handelspartner herausgefallen; den 10. Platz belegt seither Russland.

- Deutschland steht nach wie vor auf Platz 1 und bleibt damit unser wichtigster Handelspartner. Sein Anteil ist zwar geringfügig zurückgegangen (von 17,3 % auf 16,9 %), doch der Vorsprung zu den anderen Ländern ist noch weiter gewachsen.

- Die deutlichste Entwicklung verzeichnet China mit einem zunehmenden Anteil am Welthandel seit seinem Beitritt zur WTO im Dezember 2001. Das Land hat seinen Anteil an unserem Außenhandel zwischen 2003 und 2013 von 2,8 % auf 6,0 % steigern können und ist damit fast gleichauf mit Spanien und den USA.

- Europäische Staaten wie Spanien und Italien, die in den vergangenen Jahren wirtschaftliche Schwierigkeiten hatten, sind in der Rangfolge abgefallen; auch Großbritannien hat einen starken Rückgang am französischen Markt zu verzeichnen (von 8,1 % auf 5,4 %).

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Abb. 4 – Die 10 wichtigsten Handelspartner Frankreichs im Vergleich 2003-2013 (Warenaustausch)

Länderspezifische Unterschiede nach Handelsvolumen, bilateraler Handelsbilanz und Handelsgütern

Handelsvolumen

• Der deutsch-französische Handel ist mit Abstand der regste. Er macht fast 17 % unseres Außenhandels aus und ist damit mehr als doppelt so hoch wie der Austausch mit dem Zweitplatzierten.

• Der Handel mit Belgien und Italien ist nach wie vor umfangreich und mit 7-8 % fast vier Mal höher als der Austausch mit dem zehnten Partner.

• China, Spanien, USA und Großbritannien folgen relativ nah beieinander mit 5,5-6,5 %.

Handelsbilanz

• Mit nur zwei der 10 Länder verzeichnete Frankreich 2013 einen Überschuss; beide gehören nicht zum Euroraum: Der Handelsüberschuss mit Großbritannien war am höchsten; der mit der Schweiz erwirtschaftete Überschuss betrug 2013 nur noch ein Drittel des Vorjahrwertes.

• Mit den 8 anderen Ländern verzeichnet Frankreich eine negative Außenhandelsbilanz:

- China: mit knapp 22 Milliarden Euro höchstes Defizit, Verdreifachung in zehn Jahren,

- Deutschland: zweitgrößtes Defizit, wenngleich mit 16,5 % rückläufig seit dem historischen Höchststand 2008 von 20 Milliarden Euro,

- Belgien: Defizit seit 2004, seither stark steigend, 2013 jedoch rückläufig; heute mit 6,7 Milliarden dritthöchstes Defizit,

- USA: Defizit seit 2007, seither fast Vervierfachung, vor allem als Folge der Euro-Aufwertung; fünfthöchstes Defizit (5,8 Milliarden),

- Italien, Niederlande, Russland: anhaltende Defizite mit mehr oder weniger ausgeprägten Zunahmen; viertgrößtes Defizit gegenüber Italien (5,9 Milliarden) aufgrund der stark rückläufigen Exporte; sechstgrößtes Defizit mit 4,4 Milliarden Euro gegenüber den Niederlanden, mit ebenfalls rückläufigen Exporten,

- Spanien: bis 2011 positive Handelsbilanz; Defizit von 1,9 Milliarden Euro vor allem aufgrund stark steigender Importe (+ 8 % seit 2010) und stagnierender Exporte.

Handelsgüter

- Mit 9 der 10 Länder konzentriert sich unser Warenaustausch vor allem auf Industriegüter (mechanische Ausrüstungen, elektrische und elektronische Erzeugnisse, Transportausrüstung, andere Industriegüter). Das gilt besonders für China (95 % des Warenaustauschs), Deutschland (86 %) und die USA (81 %).

- Mit unseren europäischen Nachbarn nimmt der Agrar- und Nahrungsmittelsektor einen breiten Raum ein, insbesondere mit den Niederlanden (24 %), Spanien (19 %), Belgien (17 %), Großbritannien (16 %) und Italien (14 %).

- Der Handel mit Russland umfasst zu 50 % Energie-Importe (die 15 % der Gasversorgung ausmachen). Dieser Posten hat auch am Handel mit Belgien einen bedeutenden Anteil (22,5 %).

Die EU-Länder sind trotz leicht rückläufiger Tendenz immer noch unsere wichtigsten Handelspartner. Das Außenhandelsdefizit gegenüber dem Euroraum hat sich in 10 Jahren verzehnfacht, trotz einer Verbesserung in jüngster Zeit.

Die 6 EU-Länder unter unseren 10 wichtigsten Partnern machen alleine fast die Hälfte unseres Außenhandels aus (48 %).

Die Europäische Union als Ganzes ist mit 60 % nach wie vor unser wichtigster Handelspartner, trotz einer rückläufigen Tendenz seit Anfang der 2000er Jahre.

Die Tatsache, dass Frankreich vor allem mit Ländern handelt, deren wirtschaftliche Dynamik in den letzten Jahren stagnierte und die – was für einen großen Teil des Euroraums zutrifft – bis vor wenigen Monaten in einer schweren Krise steckten, belastet die an Nachfrage gerichtete Frankreich. Hinzu kommt, dass unser Außenhandel wenig auf die aufstrebenden Volkswirtschaften in der östlichen EU gerichtet ist, die langfristig ein stärkeres Wachstum verzeichnen werden. Gegenüber den anderen Ländern des Euroraums weist Frankreich heute ein hohes Defizit aus (2013 waren es 41 Milliarden Euro), das sich in den letzten 10 Jahren fast verzehnfacht hat. Erst seit 2012 ist eine leichte Verbesserung zu verzeichnen (von 43,5 Milliarden auf 41,2 Milliarden Euro).

Insgesamt sind der Euroraum und die EU die beiden großen Wirtschaftsräume, in denen Frankreichs Exporte noch nicht auf ihr Vorkrisenniveau zurückgekehrt sind.

Das Defizit gegenüber den Vereinigten Staaten war 2013 rückläufig.

Seit 2007 verzeichnete Frankreich ein Handelsdefizit gegenüber den Vereinigten Staaten, das allerdings 2013 zurückgegangen ist und jetzt 5,8 Milliarden Euro beträgt. Dies ergibt sich hauptsächlich aus einem Rückgang der Defizite bei pharmazeutischen Erzeugnissen (2,2 Milliarden Euro nach 2,6 Milliarden Euro 2012) und Fahrzeugbau (1,3 Milliarden Euro nach 1,6 Milliarden Euro 2012).

Das Handelsdefizit gegenüber China ist immer noch hoch. Das liegt vor allem an den hohen Importen von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und elektrischen Geräten sowie Textilerzeugnissen.

Trotz einer Stabilisierung unserer Exporte nach China, die immer noch auf die Luftfahrtindustrie (30 %) sowie die positive Entwicklung anderer Exportgüter wie z.B. Wein und Spirituosen zurückzuführen ist, bleibt unser bilaterales Defizit bestehen, nicht zuletzt wegen Chinas starken Stellung in der weltweiten Industrieproduktion – bei Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und elektrischen Geräten und Maschinenbauerzeugnissen (50 % unserer Importe aus China), sowie bei Textilien und Bekleidung (23 %), die bei französischen Verbrauchern sehr gefragt sind.

Mit 26,1 Milliarden Euro 2013 ist jedoch gegenüber 2011 (27,7 Milliarden) und 2012 (26,4 Milliarden) ein Rückgang zu verzeichnen.

Juni 2014 © DG Trésor

Letzte Änderung 22/09/2014

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