Frankreich will Standort für Künstliche Intelligenz werden [fr]

Frankreich soll ein wichtiger Standort für die Zukunftsbranche der Künstlichen Intelligenz werden, so Staatspräsident Emmanuel Macron in einer einschlägigen Grundsatzrede am 29. März 2018 in Paris, bei der er staatliche Investitionen in Höhe von 1,5 Mrd. € über fünf Jahre in diesem Bereich ankündigte. Er nahm dabei auch Bezug auf den am Vortag von dem Mathematiker und Physiker sowie Abgeordneten der Nationalversammlung Cédric Villani in Auftrag des Premierministers vorgelegten Bericht zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

In einem Interview mit dem amerikanischen Technologie-Magazin Wired (29. März 2018) gab der Staatspräsident seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Frankreich sich der Herausforderung der künstlichen Intelligenz stellen müsse, denn diese werde zu großen Umbrüchen in der Wirtschaft führen. Dabei sieht er ein großes Innovations- und auch Beschäftigungspotential insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Mobilität.

Mit passenden Finanzierungen, Ausbildungen, adäquaten Forschungsstrukturen und angemessenen Regelungen müsse dieser Prozess begleitet werden, um die innovativen Unternehmen im Land zu fördern und andere von außerhalb anzuziehen. In diesem Zusammenhang begrüßte der Staatspräsident die Ankündigungen von Facebook, Google, Samsung, IBM, DeepMind und Fujitsu, Labore und Wissenschaftszentren zur Forschung über Künstliche Intelligenz in Paris ansiedeln zu wollen. 

Neben den wirtschaftlichen Fragen stellten sich im Zusammenhang mit dem Entstehen von Datenbanken und ihren Möglichkeiten aber auch viele ethische und politische Fragen, die im Sinne der Bewahrung der Demokratie, der Integrität des Einzelnen und der Wahl des Gesellschaftsmodells beantwortet werden müssten.

Ganz wichtig sei deshalb die Transparenz und Öffentlichkeit der Daten, die Vermeidung von Monopolen sowie eine Steuergesetzgebung, die verhindert, dass sich internationale digitale Unternehmen ihrer Steuerpflicht entzögen, so der Staatspräsident.
Das gesamte Interview lesen:

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Der Villani-Bericht zur künstlichen Intelligenz

Am 28. März 2018 hatte der vielfach ausgezeichnete Mathematiker und Physiker und Abgeordnete der Nationalversammlung Cédric Villani in Auftrag des Premierministers einen Bericht zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz vorgelegt.

Darin heißt es, vor dem Hintergrund der schnellen Entwicklung neuer Algorithmen und Superrechner mit einer Datafication der Welt gebe es auf der Welt immer mehr Anwendungen auf den verschiedensten Feldern, wobei die USA und China und in einem geringerem Ausmaße Großbritannien, Kanada und Israel den Ton angäben.

Frankreich verfüge unter der Voraussetzung der Umsetzung einer Entwicklungsstrategie mit einer treibenden Rolle des Staates über alle Möglichkeiten, hier mitzuspielen. Das Augenmerk müsse dabei in der Schaffung von Verbundsystemen aus dem öffentlichen und privaten Bereich liegen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Verkehr und Verteidigung. Dies bedürfe Opendata-Netze und Schutzmechanismen in Bezug auf den Datenexport außerhalb der EU.

Um junge Talente in Frankreich zu halten bzw. ausländische Forscher anzuziehen, bedürfe es eines attraktiven Arbeitsumfeldes mit guten Gehältern und einer starken Entbürokratisierung. Der Bericht regt zudem die Gründung von Interdisziplinären Instituten für Künstliche Intelligenz (3IA) als eine Art „Freihandelsplätze der künstlichen Intelligenz“ an.

Letzte Änderung 19/04/2018

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