Frankreichs 3. Anti-Krebs-Plan will Zahl der Krebstoten deutlich reduzieren [fr]

GIFDer am 4.2.2014 von Staatspräsident François Hollande vorgestellte Anti-Krebs-Plan für den Zeitraum 2014-2018 zielt vor allem auf eine Reduzierung der sozialen Ungleichheiten im Zusammenhang mit der Krankheit, die immer noch die Haupttodesursache in Frankreich ist, und die Kosten von 14 Mrd. € pro Jahr im Gesundheitssystem auflaufen lässt.

Auch wenn heute in Frankreich die Hälfte der Krebsfälle geheilt werden kann, so sterben jährlich 150.000 Patienten durch die Krankheit. Hinzu kommt, so Staatspräsident François Hollande, dass in Frankreich die soziale Lage stärker als in anderen westlichen Ländern ein entscheidendes Merkmal für den Krebstod sei. Bei Arbeitern im Alter zwischen 30 und 65 ist die Gefahr, daran zu sterben in etwa doppelt so hoch wie bei anderen Berufskategorien. Dies liege vor allem an der mangelnden Früherkennung und Behandlung, an der Lebensführung vor und nach einer Erkrankung und am stärkeren Tabakkonsum, so Hollande.

Die Regierung stellt für den 3. Anti-Krebs-Plan 1,5 Mrd. € zur Verfügung, die etwa zur Hälfte in neue Maßnahmen fließen sollen.
Das Aktionsprogramm umfasst vier Leitgedanken mit insgesamt 17 Einzelmaßnahmen:

- Mehr Patienten heilen

Mit neuen Diagnostikmethoden sollen die Untersuchungen und Behandlungen beschleunigt und therapeutische Fortschritte schneller umgesetzt werden. Zu einer patientenfreundlicheren Behandlung soll die ambulante Chirurgie mit dem Ziel von 50% der Brustkrebsoperationen bei Frauen stark ausgeweitet werden. Außerdem wird der Austausch der Ärzte untereinander mit der vollständigen Umsetzung der Krebspatientenakte bis Ende 2015 nachhaltig verbessert.

- Lebensqualität erhalten

Erkrankte müssen eine allumfassende und auf sie zugeschnittene Versorgung erhalten. Hierzu werden die Forschungsanstrengungen besonders auf dem Gebiet der Nebeneffekte von medikamentösen Behandlungen verstärkt. Zu einer besseren materiellen Absicherung der Patienten werden die Zugangsbedingungen für den Erhalt von Tagesgeldern im Krankheitsfalle überarbeitet und zudem soll es Versicherern und Kreditgebern nicht mehr erlaubt sein, bei überwundener Krankheit weiterhin Beiträge aufgrund einer lebenslangen Krankheitsgeschichte zu kalkulieren.

- Investitionen in Prävention und Forschung

Mit einem Programm zur Bekämpfung des Rauchens soll die Zahl der Krebstoten (44.000 pro Jahr) bis 2019 um ein Drittel reduziert werden. Hierzu dient auch eine weitere Verteuerung des Rauchens, wobei die zusätzlichen Steuererlöse allerdings vollständig in Prävention und Forschung gehen sollen. So sollen 20-30-Jährige, die mit dem Rauchen aufhören wollen, mit 150 € beim Kauf von Nikotinsubstituten unterstützt werden.

Die Prävention soll auch bei weiteren die Gesundheit schädigenden Verhalten (Mangelernährung, Alkoholkonsum, Sonnenbanken) greifen.
Die Forschung in diesen Bereichen soll sich verstärkt um folgende Gebiete kümmern: Identifizierung der Risikogruppen, Beschreibung des Verlaufs der Krebs- und Tumorerkrankungen, Verhinderung des Ausbreitens von Metastasen sowie dem Kampf gegen soziale Ungleichheiten beim Krebs.

- Vorsorge und Patientenbetreuung

Die Arbeit der Institutionen, die sich mit dem Kampf gegen den Krebs befassen, wird optimiert. Hierzu gehört auch die systematische Ausweitung genetischer Tests zur Heilung bei hartnäckigem Krebsbefall. Mit einem weltweit einmaligen Programm der Sequenzierung soll die Zahl der aufgedeckten Tumore von 10. 000 im Jahr 2015 auf 60. 000 in 2018 steigen. Außerdem soll mit der Ausweitung von Vorsorgemaßnahmen die Sterblichkeit aufgrund von Uteruskrebs in den nächsten 10 Jahren um 30% gesenkt werden.
Ein besonderes Augenmerk soll zudem der Stärkung der Position des Patienten gelten. Dies gilt vor allem für die Anwendung innovativer Heilmethoden, eine Medikamentierung zu vertretbaren Kosten und die Freistellung von Zuzahlungen bei bestimmten chirurgischen Eingriffen. Vorsorgeuntersuchungen für wenig Begüterte sollen gratis und ohne in Vorleistung zu gehen erfolgen.

Die Anti-Krebs-Pläne

Der erste Anti-Krebs-Plan war 2003 vom ehemaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac für den Zeitraum 2003-2007 ausgerufen worden. Der Folgeplan für den Zeitraum 2009-2013 wurde dann von seinem Nachfolger Staatspräsident Nicolas Sarkozy initiiert. Der jetzt von Staatspräsident Hollande vorgestellte dritte Plan basiert auf den Vorschlägen des Anti-Krebs-Berichts des Professors Jean-Paul Vernant vom August 2013.

Letzte Änderung 06/02/2014

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