Frankreichs Kunstmarkt mit hohen Wachstumszahlen [fr]

JPEG Der Kunstmarkt in Frankreich verzeichnet hohe Wachstumszahlen. 2011 war ein Rekordjahr: die Branche erzielte einen Umsatz in Höhe von insgesamt 2,38 Milliarden €, d.h. ein Plus von 8,6 % gegenüber 2010. Spektakuläre Verkäufe erfolgen zwar meist bei Versteigerungen, doch entfällt nunmehr ein großer Teil der Umsätze auf Kunstmessen im Zuge des freihändigen Verkaufs. In diesem Sinne nahmen an der FIAC, der Internationalen Messe für zeitgenössische Kunst (Foire internationale d’art contemporain) von Paris im Grand Palais vom 18. bis 21. Oktober 2012 nahezu 180 Galerien aus 24 Ländern teil. Der unumgängliche Dreh- und Angelpunkt der zeitgenössischen Kunst schrieb mit seiner 39. Auflage seine außerordentliche Entwicklung fort und bestätigt seinen immensen internationalen Status: Die Fachmesse präsentierte die besten Kunstwerke von Galerien aus der ganzen Welt.

Mit 4 Millionen verkauften Kunstobjekten verfügt Frankreich über einen beachtlichen Kunstmarkt: ein Rekordumsatz, der die künstlerische Attraktivität Frankreichs auf internationaler Ebene weiter verstärkt. Die Wettbewerbsfähigkeit des Kunstmarkts bietet die Gewähr, dass die Sammler bleiben, Künstler an Frankreich gebunden und die Bestände der Museen bereichert werden. „ Kunst ist geistige Nahrung und ein Zufluchtswert“, meint Jennifer Flay, die Messeleiterin der FIAC.

Der sogenannte Versteigerungsrat (Conseil des ventes volontaires - CVV) legt heute außergewöhnlich gute Zahlen vor: „2011 erweist sich für die Auktions-Branche mit Auktions-Umsätzen (alle Bereiche zusammengenommen) in Höhe von 2,38 Milliarden €, d.h. einem Zuwachs von 8,6 % gegenüber dem Vorjahr, als das beste Jahr überhaupt“, erklärt die Präsidentin des CVV, Catherine Chadelat, erfreut. „Dieses Ergebnis ist das Zeichen der guten Gesundheit des französischen Marktes (alle Sektoren zusammengenommen), der auf internationaler Ebene sowohl in Bezug auf die Wachstumsraten, als auch hinsichtlich der Anzahl der Verkäufe oder auch der Akteure zu den dynamischsten gehört“.

Unter den größten Versteigerungserfolgen sind zwei Kunstwerke zu nennen, die von Artcurial, dem größten französischen Auktionshaus, verkauft wurden. Ein Nu couché von Nicolas de Staël aus dem Jahre 1954 wurde im Dezember 2011 für 7,1 Millionen € einem neuen Besitzer zugeschlagen. Desgleichen wurde der Hafen von Swinemünde, von Lyonel Feininger, ein deutsch-amerikanischer Expressionist, für einen Preis von 5,7 Millionen € versteigert. Dieses französische Auktionshaus beweist damit eine außergewöhnliche Dynamik und rangiert hinter Christie’s und Sotheby’s, die den Verkauf von Kunstwerken auf dem europäischen Kontinent in Paris konzentriert haben, auf dem dritten Platz in Frankreich.

Das Auktionshaus Drouot (Hôtel des ventes de Drouot) bildet das Kernstück des Auktionssystems in Frankreich und ist unumgänglich. Drouot ist das älteste Auktionshaus der Welt, eine wahre Drehscheibe des Kunstmarktes, und verzeichnete im Jahre 2011 insgesamt 11 Weltversteigerungsrekorde. 15 Auktionen schlossen mit einem Auktions-Umsatz von mehr als 1 Million €, und 256 Auktionen überschritten die Umsatzschwelle von 150 000 €. Zu den schönsten Verkaufserfolgen gehörten: La promenade d’Argenteuil un soir d’hiver, ein impressionistisches Gemälde von Claude Monet aus dem Jahr 1875; eine der Maya-Hochkultur aus Mexiko zugeordnete präkolumbische sitzende Gottheit (grande divinité assise) (550-950 n. Chr.) erzielte einen Preis von 2,9 Millionen €; ein Stundenbuch (Livre d’heures) von Claude de France (1499-1525), der Gattin des Königs François 1er, das für insgesamt 2,6 Millionen € den Zuschlag erhielt.

Frankreich kann mit außerordentlichen Vorteilen aufwarten. In den letzten Jahren entstanden in der französischen Hauptstadt zahlreiche Kunstzentren, Ausstellungsgalerien und Kunststiftungen: Der Palais de Tokyo (Tokiopalast) wurde kürzlich renoviert, Eröffnung der Galerie „Maison Rouge“ von Antoine de Galbert sowie des Kulturzentrums „Centquatre /104“ … Andere werden bald ihre Türe öffnen wie zum Beispiel die Stiftung Louis Vuitton, deren Gebäude bei dem kanadisch-amerikanischen Architekten Frank Gehry in Auftrag gegeben wurde. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Internationalisierung des Marktes, denn man kann durchaus in Hongkong leben und in Frankreich, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten Kunstwerke erstehen.

Die Art Paris Art Fair, die internationale Messe für moderne und zeitgenössische Kunst, findet vom 28. März bis zum 1. April 2013 unter der Glaskuppel des Grand Palais statt. Die Art Paris Art Fair wird im kommenden Frühjahr zum einen zum Spiegel der internationalen künstlerischen Aktualität aus Asien, Afrika sowie dem Nahen Osten. Zum anderen wird sie die Exploration der Kunst aus dem europäischen Gebiet weiter fortsetzen und diesmal Russland ins Scheinwerferlicht stellen. „Die Russen lieben Frankreich“, meint Guillaume Piens, der Generalkommissar dieses prestigebehafteten Rendezvous der modernen Kunst. „Sie haben ein Faible für die Ausstellungsräume des Grand Palais, der ganz in der Nähe der Brücke Alexandre III liegt, dem Symbol der französisch-russischen Freundschaft. Und vergessen Sie nicht, dass die Tradition russischer Künstler, die sich in Paris niederlassen, bereits weit zurückreicht“.

Paris und Frankreich ziehen ausländische Galerien, Künstler und internationale Veranstaltungen an. So hat sich auch der berühmte amerikanische Galeriebesitzer Larry Gagosian im Zentrum der Hauptstadt niedergelassen und eröffnet nun ein neues Ausstellungsgebäude am Flughafen von Bourget, das vom Architekten Jean Nouvel konzipiert wurde. „Heute haben wir eine andere Vision von Paris und auch der Blick auf Frankreich hat sich geändert“, ergänzt Guillaume Piens.

Annik Bianchini

- Foire Internationale d’Art Contemporain (FIAC)
- Conseil des Ventes Volontaires (CVV)
- Hôtel des ventes Drouot
- Art Paris Art Fair

Letzte Änderung 06/11/2012

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