Französische Gärten, ein zeitloses Modell [fr]

JPEGDie Festlichkeiten zum 400sten Jahrestag der Geburt von André Le Nôtre belegen die wesentliche Rolle des Gartenbauarchitekten Ludwigs XIV.. Französische Gärten sind in der ganzen Welt beliebte Sehenswürdigkeiten und auch heute noch Quellen so mancher Inspiration.

André Le Nôtre wurde 1613 geboren, und bis zu seinem Tod im Jahr 1700 wirkte er als Gartenarchitekt des Königs Ludwig XIV. Diesem genialen Gartenbaukünstler, Meister der Planung und Gestaltung, verdanken wir die Gartenanlagen des Schlosses von Versailles, aber auch die Gärten der Schlösser von Vaux-le-Vicomte, Chantilly, Saint-Germain-en-Laye, Sceaux, Compiègne, Saint-Cloud und Malmaison, sowie zahlreiche öffentliche Parkanlagen, vor allem in Paris, wo er unter anderem den Jardin du Luxembourg und den Jardin des Tuileries gestaltete.

Diese Anlagen ziehen immer noch zahlreiche Besucher an ; Gärten « à la française », französische Gärten, sind vor allem in Frankreich sehr beliebt, dem Land mit über einer Million Hektar Gartenanlagen! Aber auch jenseits der Grenzen Frankreichs wurden die Gärten von Le Nôtre zu einer Referenz, an der sich ganz Europa inspirierte. Die Parkanlagen des königlichen Palastes in Caserta in Italien, der Schlossgarten des Palacio Real (La Granja) in Spanien, der Schlosspark von Schloss Schönbrunn in Österreich, Schloss Beloeil in Belgien sind eindrucksvolle Beispiele. Der Sommergarten in Sankt Petersburg sind ebenfalls bemerkenswerte Modelle jener perfekten Gartenbaukunst, deren Erfinder auch heute noch großen Einfluss ausübt.

Die technischen Meisterwerke von Le Nôtre erforderten den unermüdlichen Einsatz von Ingenieuren, Künstlern und Landschaftsgärtner, und auch heute noch ist dieser spartenübergreifende Ansatz ein wesentlicher Aspekt der Ausbildung von Landschaftsgärtnern. Vor allem das Verschmelzen mit der Landschaft macht die Gartenanlagen von André Le Nôtre so modern: Horizont, Wald, Alleen, die Stadt bilden ein Gesamtkunstwerk. Zudem werden die am Standort verfügbaren Ressourcen - Relief, Aussicht, Ausrichtung, Wasser - perfekt analysiert und dann in das Kunstwerk eingeschlossen. Die derart geschaffenen Verbindungen, die Weiterführung eines Ansatzes, die fließenden Übergänge, die zwischen unterschiedlichen Landschaften entstehenden Wechselbeziehungen, sind zeitgenössische Inspirationsquellen. Im Riemer Park in München zum Beispiel werden Berge, See und Hügel in einer eindrucksvollen Wechselwirkung inszeniert. Und in der Normandie hat der Dekorateur Jacques Garcia all diese Konzepte bei der Neuanlage des Parks vom Schloss Champ de Bataille (40 km von Rouen entfernt) eingesetzt.
Dem Besucher wird die avantgardistische Planung der Gartenanalagen nicht immer bewusst, aber er fühlt instinktiv die von einem französischen Garten ausgehende Harmonie. Die gleichmäßige, oft geradlinige Ästhetik überrascht; oft spielen in Grünflächen integrierte Wasserbecken und symmetrische Parterres eine wesentliche Rolle. Auch Bauwerke und Anlagen sind aus dem französischen Garten nicht wegzudenken: Wasserspiele, Orangerien, Pavillons. Le Nôtre hat sich die Errungenschaften seiner Zeit auf den Gebieten Optik, Hydraulik und Topografie zu Nutzen gemacht, und durch den Einsatz von Messinstrumenten wird die Kreation komplexer geometrischer Gestaltungen möglich. Hochterrassen, akkurat gestutzte Pflanzen, die durch die Ausmaße der Mauern korrigierten Perspektiven versetzen den Beobachter in den Raum, schaffen Sinnestäuschungen und optische Effekte. Hinter verschwiegenen Baumgruppen versteckt sich so manche Überraschung, der Besucher entdeckt immer wieder verborgene Stellen und neue Perspektive. Der Klassizismus und die scheinbare Strenge spiegeln regelrechte Inszenierungen und eine Vorliebe fürs Theatralische wieder, die mit den Wasserspielen Grandes Eaux de Versailles ihren Höhepunkt erreichen. Bei einem Spaziergang durch die Gartenanlagen von Versailles kann der Besucher diesen Zauber aus Brunnen und Wasserorgeln bewundern.

Seit Beginn seiner Arbeit als Gartenbaukünstler war Le Nôtre daran gelegen, sich die Natur zu unterwerfen und sie zum Symbol der absolutistischen Macht des Monarchen zu machen. Anlässlich des Jubiläums wird das 17. Jhdt., das Grand Siècle, auferstehen, vor allem in Versailles. Schon jetzt sind zahlreiche Veranstaltungen programmiert. Im Schlossgarten wurden das Latona-Bassin, gewiss das bekannteste Kunstwerk der Anlage, und das dazu gehörige Parterre restauriert. Zum ersten Mal können Millionen Besucher auf einem Belvedere die verschiedenen Etappen der Restaurationsarbeiten nachvollziehen. Das Wäldchen Bosquet du Théâtre d’Eau (Wassertheater) wurde neu angelegt, und die Vergoldungen am Bassin des Enfants renoviert. Die Abgüsse der monumentalen Skulpturen des Bildhauers Pierre Puget, “Milon von Kroton" sowie "Perseus und Andromeda" kehren an ihren ursprünglichen Platz im Schlosspark zurück. Eine mobile Applikation Jardins de Versailles begleitet den Besucher auf einem individuell gestalteten Parcours. Im Juni und Juli bilden Feuerwerke, Wasserspiele, Balletts und Theateraufführungen den Höhepunkt der Festlichkeiten. Interessenten sollten sich auch die Konferenzen nicht entgehen lassen, die an der Hochschule für Landschaftsgestaltung Ecole nationale supérieure du paysage zum Thema Le Nôtre im Werk der zeitgenössischen Landschaftsarchitekten (Le Nôtre dans l’œuvre des paysagistes contemporains) veranstaltet werden.

Sylvie Thomas

- www.ecole-paysage.fr
- www.chateauversailles.fr

Letzte Änderung 23/04/2013

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