Französische Unternehmen bei Hi-Fi erfolgreich am Markt [fr]

JPEG Das Hi-Fi (High Fidelity)-Universum ist ein gutes Beispiel für die Kreativität und die technologischen Erfolge französischer Unternehmen. Dank der Forschung und Entwicklung können auf diesem Gebiet beeindruckende Fortschritte erzielt werden, von denen nicht nur Fachleute, sondern auch das breite Publikum profitieren.

Im High-Fidelity-Sektor gilt „Made in France“ nach wie vor als attraktive Referenz. „Die Hersteller profitieren nach wie vor vom Image Frankreichs, dem Land der Kultur, des Luxus und des Know-hows“, stellt Dominique Mafran fest, Berater für eine führende Branchenpublikation und Gründer des Unternehmens Madotec. Das Unternehmen arbeitet derzeit insbesondere an der Entwicklung eines einzigartigen Projekts: der Lautsprecher aus blauem Granit - „Enceinte Bleue“. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: „Der europäische Markt kränkelt, der amerikanische Markt auch, auch wenn es erste Anzeichen für eine Wiederbelebung gibt. Die Krise trifft heute vor allem den Mittelstand und die Geringverdiener. Die Marktanalyse zeigt, dass Produkte zu Preisen von weniger als 1.000 € sowie Produkte der Premium-Kategorie den größten Umsatz generieren“.

Frankreich ist gut positioniert unter den weltweit wichtigsten Herstellern von Hi-Fi-Geräten und auf dem Markt mit spezifischen Produkten vertreten, die Spitzentechnologie mit einem originellen und eleganten Design verknüpfen. Die französischen Hersteller exportieren die meisten Produkte nach Asien und Russland. Die Firma Jadis vertreibt z.B. einen originellen Verstärker mit elektronischen Röhren im Retro-Look und einem Design mit bemerkenswert ansprechender Ästhetik: die Chassis aus poliertem Messing und rostfreiem Stahl sind dabei besonders gefragt. Das junge Unternehmen Devialet entwickelt seinerseits äußerst erfolgreich einen „All-in-One“ Analog/Digital-Hybrid-Verstärker, der sämtliche von anspruchsvollen Musikliebhabern gesuchte Funktionen vereint. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen bereits 500 Geräte zum Stückpreis von 12.000 € verkauft. Erst kürzlich hat die Firmenleitung 15 Millionen Euro von Investoren erhalten, um eine Variante dieses Geräts für das breite Publikum entwickeln zu können. Zu nennen wären ebenfalls Cabasse, ein Unternehmen, das Lautsprecherboxen verkauft, die dem Hörer eine gleichbleibende Tonqualität bieten, egal ob er vor oder hinter dem Gerät sitzt, oder das Unternehmen Trinnov. Trinnov hat einen Lautsprecher-Optimizer entwickelt, mit dem über eine PC-Tastatur die High-End-Wiedergabe jeweils unter Berücksichtigung der jeweiligen Raumakustik gesteuert werden kann. Das Hi-Fi-System wird so von den baulichen Einschränkungen der Lautsprecher selbst sowie von negativen Raumeinflüssen befreit (von „High Fidelity“ zu „Acoustic Fidelity“). Aber auch das Unternehmen Elipson darf hier nicht vergessen werden, das seine 1964 entworfenen Sphäre-Lautsprecher - kugelförmige Lautsprecher mit elliptischem Reflektor - auch heute noch erfolgreich weiterentwickelt.

Neben der eher anekdotischen Mode des Vinyl-Revivals geht heute der Trend immer mehr in Richtung „100% Digital“ und zwar mit Geräten, die über erweiterte Verbindungsmöglichkeiten verfügen und die Entmaterialisierung der Tonträger berücksichtigen. Die Hersteller konzentrieren ihre Innovationsbemühungen heute genau auf dieses Segment. „Heute tauchen auf dem Markt immer mehr elektronische Geräte auf, die das digitale Signal von der Quelle bis hin zu den Lautsprechern verarbeiten können. Auf diese Weise werden Umwandlungsschritte vermieden und ein großer Teil der von traditionellen Audio-Systemen her bekannten Verkabelung (CD-Player, Stromrichter, Vorverstärker und Verstärker) entfällt. Dies wiederum ermöglicht eine deutliche Vereinfachung der Tonwiedergabe-Kette, eine Senkung des Preises sowie eine Verbesserung der Klangqualität“, präzisiert Dominique Mafran.

Das französische Forschungsinstitut für Akustik und Musik (Institut français de recherche et coordination acoustique/musique - IRCAM) arbeitet am räumlichen Hören: die Verarbeitung akustischer Inhalte, die bedarfsgerechte Darstellung und Ausbreitung von Klangbildern im Raum, wie in Konzerthallen, Opernhäusern, Konferenzsälen, Kinos oder in Telekommunikationsräumen. „Uns geht es darum, die Entwicklung der 3D-Technik im Kino und im TV durch die Entwicklung des 3D-Sounds zu begleiten“, erklärt Olivier Warusfel, Leiter des Bereichs Akustik-Forschung. „Über ein dichtes Netz von Lautsprechern, wie z.B. bei der Wellenfeldsynthese (WFS) oder dem Ambisonic-Verfahren, erzeugen wir Klangfelder, die von der Position des Zuhörers im Raum unabhängig sind“.

Die Forscher des IRCAM untersuchen ebenfalls den binauralen Ansatz (für das individuelle Hörerlebnis über Kopfhörer, das immer häufiger angeboten wird), der auf dem Prinzip der Bestimmung und Nutzung des akustischen Fingerabdrucks basiert, d.h. der Art und Weise, in der Körperteile wie Kopf, Ohrmuschel oder Torso mit dem Klangfeld interagieren. „Wie auch bei Fingerabdrücken besitzt jeder Mensch seine eigene akustische Signatur. Aus diesem Grund wäre die Entwicklung eines individuell abgestimmten Decoders die optimale Lösung, erklärt Olivier Warusfel. „Es ist ebenfalls ein System nötig, das z.B. Kopfbewegungen ausgleicht und dafür sorgt, dass der Hörer den Eindruck gewinnt, dass die Klangbilder von außen kommen, real sind bzw. ein Eigenleben haben. Dabei wollen wir die Im-Kopf-Lokalisation der Schallquellen ausschalten.“

Die Umsetzung der dreidimensionalen akustischen Immersion und ihre großflächige Vermarktung ist das Ziel des BiLi-Projekts. Im Rahmen dieses Projektes soll die französische Industrie im Bereich individuelles Hören über Kopfhörer strukturiert werden. Das ehrgeizige Projekt, unter der Leitung der französischen Fernsehanstalt France Télévisions in Partnerschaft mit zahlreichen öffentlichen und privaten Akteuren des Akustik-Sektors, zielt auf den breiten Einsatz dieser Technologie für akustische Immersion in allen Geräten ab, an die man einen Kopfhörer anschließen kann. Die 3D-Audio-Technologien und vor allem das binaurale 3D-Hörerlebnis eröffnen der Branche zweifelsohne bedeutende Perspektiven.

Sylvie Thomas

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Letzte Änderung 19/03/2013

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