Französischen Straßenbahnen entwickeln sich zum Exportschlager [fr]

JPEG Straßenbahnen entstanden im 19. Jahrhundert in den USA. Die ersten Modelle wurden noch von Pferden gezogen und verbreiteten sich nach und nach in ganz Europa. Bevor sie durch Strom angetrieben wurden, liefen sie mechanisch, mit Dampf oder Druckluft. In Frankreich haben Straßenbahnen, die hier tramway genannt werden, eine lange Tradition und eine Geschichte mit Höhen und Tiefen.

Aufstieg und Niedergang

Der Beginn des 20. Jahrhunderts war in Frankreich das Goldene Zeitalter für Straßenbahnen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche neue Linien in Betrieb genommen. Darauf folgte eine Zeit des Niedergangs, der sich durch verschiedene Faktoren erklären lässt: die Entwicklung des Automobils, die technischen Fortschritte im Buswesen sowie die neue Verkehrspolitik, die dem Straßennetz Vorrang gab.

Ende der 1970er Jahre zwangen die Ölkrise und die steigende Verkehrsbelastung in den Städten die Kommunen wiederum dazu, ihre Verkehrspolitik grundlegend zu überdenken. 1985 wird in Nantes die erste Straßenbahn der neuen Generation mit eigenem Gleisbett in Betrieb genommen; 1988 folgen Grenoble und später auch andere französische Städte wie Straßburg, Lyon, Marseille, Montpellier und viele andere. Die Straßenbahnnetze in Dijon und Le Havre werden bis Ende 2012 eingeweiht.

Warum also setzen so viele französische Städte auf diese Form des inner- und zwischenstädtischen Personennahverkehrs? Auch wenn die Anfangskosten deutlich höher liegen als für Buslinien, so ist ihr Betrieb doch deutlich günstiger. Mit der Straßenbahn können auch abgeschiedene Randgebiete erreicht werden. Außerdem vermittelt sie ein positives Bild von der Stadt: modern und umweltfreundlich. In Frankreich wird der Ausbau des Straßenbahnnetzes meist auch von anderen Baumaßnahmen begleitet: Straßenausbesserung, Einrichtung von Fußgängerzonen, Neugestaltung von Stadtvierteln und öffentlichen Plätzen.

Kann man von einer Straßenbahn „à la française“ sprechen? Regis Hennion, Leiter des Bereichs Straßenbahn bei Keolis, einer der weltweit größten Straßenbahnbetreiber, drückt es so aus: „Die Straßenbahn à la française ist ein Verkehrsmittel, aber auch ein Mittel zur Neugestaltung von Städten. Heute nutzt man Straßenbahnen zur Verschönerung von Städten,“ Überdies haben Straßenbahnen in Frankreich ihr eigenes Schienennetz auf Strecken, die speziell für sie gebaut wurden.

Weltweiter Erfolg

Die französische Straßenbahn ist ein Exportschlager. Alstom beispielsweise ist weltweit der zweitgrößte Straßenbahnhersteller mit einem Weltmarktanteil von 20%. Französische Akteure wie Keolis sind eher auf den Auslandsmärkten vertreten. Für eine bessere Marktintegration kooperiert beispielsweise Keolis – das Straßenbahnen unter anderem in Melbourne, Porto und Nottingham betreibt – mit lokalen Partnern, um sich für jedes neue Projekt ein genaues Bild von den Bedingungen vor Ort zu machen und ein Netz zu schaffen, dass auf die Bedürfnisse der jeweiligen Bevölkerung zugeschnitten ist.

Zahlreiche ausländische Städte sind begeistert von diesen Straßenbahnen mit eigenem Schienennetz, wo die Geschwindigkeitseffizienz von U-Bahnent mit einfachem Zugang kombiniert wird. Das Vorzeigeprodukt Citadis von Alstom ist international seit nunmehr über 15 Jahren in 16 Städten vertreten.

Die Straßenbahn – ein sauberes, sicheres und komfortables Verkehrsmittel – begeistert also auch weiterhin immer mehr Städte. In den kommenden zehn Jahren wird auf dem Straßenbahnmarkt eine jährliche Wachstumsrate von 5 % erwartet: In einer sich immer schneller verstädternden Welt scheint das Straßenbahnwesen ein sehr vielversprechender Sektor zu sein.

Lucie de la Héronnière

Letzte Änderung 19/12/2012

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