Französisches Design – erfolgreich im internationalen Wettbewerb [fr]

JPEGIn den 80er-Jahren hatte Margaret Thatcher ein visionäres Schlagwort geprägt: „Design or resign“ ! Heute ist Design zu einem Wettbewerbsfaktor geworden und die Franzosen zeichnen sich in diesem Bereich durch einen originellen Ansatz aus.

Mit insgesamt 170 Ausstellungsobjekten bietet die Ausstellung „Design, où es-tu ? L’Observeur du design 13“ (bis zum 24. März in der Cité des Sciences et de L’Industrie in Paris) einen repräsentativen Überblick über das Design in Frankreich. Gleich am Eingang der Ausstellung fällt der Blick auf einen eleganten Küchenherd des Herstellers La Cornue, den Jean-Michel Wilmotte überarbeitet hat. Das Ausstellungsobjekt gibt gleich den Ton an. „Für traditionelle Unternehmen, mit anerkanntem Know-how neue Produkte konzipieren und dabei die ursprüngliche Qualität fortzuschreiben, gehört zu den Schienen, die das aktuelle Design verfolgen sollte“, meint Anne-Marie Boutin, Präsidentin der französischen Agentur zur Förderung des Industrie-Design APCI (Agence pour la promotion de la création industrielle), die die Ausstellung organisiert.

Zahlreiche Anwendungen und eine große wirtschaftliche Herausforderung

Design findet in allen Bereichen des Lebens Anwendung. Die ästhetischen wie auch die funktionalen Eigenschaften der Objekte lenken die Aufmerksamkeit aller Zielgruppen, d.h. der privaten Haushalte wie auch der Unternehmen, auf sich. Dies gilt für den Handy und den eleganten Staubsauger, für die futuristisch anmutende kokonhafte Kinderwiege (The Nest) für Frühgeborene oder auch für das Leuchtenprogramm für Operationsräume der Firma Maquet…. Die Kunden messen heute der Form der Objekte, die sie verwenden, zunehmend Bedeutung bei.

Den Ergebnissen einer Untersuchung der APCI zufolge ist die wirtschaftliche Bedeutung des Design erheblich. Der von diesem Sektor generierte Umsatz beläuft sich der Untersuchung gemäß auf 1,9 bis 3,4 Milliarden Euro. Über 30 000 Personen gehen hauptberuflich einer Aktivität als Designer nach. Insgesamt arbeiten in dieser Branche zwischen 46 000 und 56 000 Personen.

Die bekannten französischen Designer

„Ich mag es, die Türen zum Verstand der Menschen aufzustoßen“, gibt Philippe Starck zu, einer der weltweit bekanntesten zeitgenössischen französischen Designer. Er ist bekannt für seine Innenausstattungen und Möbelkollektionen, die Kreativität und Funktionalität miteinander vereinen. Philippe Starck hat ebenfalls das sogenannte „demokratische Design“ ersonnen , d.h. qualitativ hochwertige Objekte zu erschwinglichen Preisen für den Massenmarkt.
Jean-Michel Wilmotte ist der Entwickler des Konzepts der „ Innenarchitektur für Städte“. Im Laufe der Jahre hat sich die Agentur Wilmotte & Associés mit ihren 185 Mitarbeitern aus 40 Herkunftsländern mit Büros in über 20 Ländern stark diversifiziert und fokussiert insbesondere die Museografie, Urbanismus sowie Design.
Christian Liaigre bietet seinerseits hochwertige handgefertigte Möbel mit ungewöhnlicher Formgebung. In den letzten 25 Jahren konnte Christian Liaigre sich mit seiner einzigartigen Vorgehensweise einen Namen machen - seine hochwertige und edle Arbeit, bei der er Schlichtheit mit distinguierter Eleganz verbindet, findet hohen Anklang.

Die hochwertige französische Ausbildung und eine bedeutende internationale Dimension

Die Qualität der französischen Bildungseinrichtungen für angewandte Kunst ist allgemein anerkannt. Ausbildungsstätten wie die staatliche Kunsthochschule Ecole nationale supérieure des arts décoratifs (Arts Deco – ENSAD) und die Hochschule Ecole nationale supérieure de création industrielle (Les Ateliers – ENSCI) bieten jedes Jahr etwa 1500 jungen Designern eine künstlerische, wissenschaftliche und technische Ausbildung.

Die Unternehmen der ganzen Welt reißen sich heute um die französischen Designer, die den Ruf haben, visionär, kreativ sowie gleichzeitig fähig zu sein, die Konzeption schöner Objekte mit Spitzentechnologien zu verknüpfen. Die Entscheidungsträger der Unternehmen suchen dabei insbesondere eine Alternative zur angelsächsischen Kultur. BMW, Audi, Kia, Lenovo, Philips, Bombardier, Nokia gehören zu den zahlreichen Unternehmen, die französische Stylisten eingestellt haben, die sich nunmehr ebenfalls zunehmend Platz in den Design-Agenturen machen (insbesondere den kalifornischen).

Die französischen Design-Agenturen bauen ihrerseits Büros im Ausland auf und schließen Partnerschaften mit lokalen Agenturen. Sie sind in der Lage, sich den spezifischen Anforderungen der Kunden anzupassen. So hat die Agentur MDB erfolgreich den ersten koreanischen Hochgeschwindigkeitszug so konzipiert, dass er die Identität des Landes wiederspiegelt. Oder auch In Process, eine Agentur, die ein Mascara konzipiert hat, das den Anforderungen der koreanischen Frauen voll entspricht.

Zunehmend sind ebenfalls Kooperationsinitiativen auf institutioneller Ebene zu beobachten. Ein europäisches Projekt, bei dem Frankreich die Projektleitung übernommen hat, läuft derzeit in Deutschland, Finnland und Rumänien. Darüber hinaus organisiert die französische Agentur zur Förderung des Industrie-Design (APCI) gemeinsam mit der französischen Agentur für Außenhandel, Ubifrance, die französische Unternehmen bei ihren Exportbemühungen unterstützt, und dem Institut Français, einer Struktur, die sich für die Verbreitung der französischen Kultur engagiert, gezielte Werbemaßnahmen. Diese öffentlichen Institute haben sich ebenfalls für die Organisation der Business of Design Week mit verschiedenen ausländischen Partnern zusammengeschlossen, wie dem Seoul Design Center oder dem Hong Kong Design Centre (HKDC).

Top-Termine in 2013

In Frankreich ist die Welt des Designs hoch aktiv. Jedes Jahr werden zahlreiche Events organisiert. So fand am 28. und 29. Januar 2013 in Paris die Europäische Konferenz Designnovation statt. Auf der Tagesordnung der Veranstaltung stand das Thema „Cluster und kreative Industrien“. Vom 14. bis zum 31. März 2013 findet in Saint-Etienne die 8. Ausgabe der Biennale International Design statt.

Mit Blick auf die Zukunft organisiert das Netzwerk der Designschulen Frankreichs (France Design Education) ebenfalls am kommenden 7. Februar an der Bourse du Commerce in Paris Begegnungen zwischen Unternehmen und jungen Studienabsolventen. Ziel der Veranstaltung: Es soll gezeigt werden, dass Design das Wachstum der Unternehmen fördert und es ihnen ermöglicht, trotz der konjunkturellen Schwierigkeiten erfolgreich zu sein. Hiervon sind die Unternehmenschefs zunehmend überzeugt und haben folglich das Design bereits in den Mittelpunkt ihrer Entwicklungsstrategien gestellt.

Sylvie Thomas

Letzte Änderung 26/02/2013

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