Französisches Spielzeug setzt auf Tradition [fr]

JPEG Eltern fordern für ihre Kinder heutzutage sichere und qualitativ hochwertige Produkte. Die Rückkehr zu diesen Prinzipien freut die französischen Hersteller, die Spezialisten für traditionelles Spielzeug sind, und macht ihre Anhänger glücklich.

Spielzeug steckt nicht in der Krise. Die Weihnachtszeit, in der 60% der Spielzeugverkäufe getätigt werden, ist dieses Jahr sehr Erfolg versprechend. Insgesamt gesehen wird der Markt 2012 stabil geblieben sein und sogar eine leichte Progression erfahren haben - und dies nach zwei sehr guten Jahren (3% Wachstum 2010, 6% 2011). In Frankreich wurden letztes Jahr beinahe 250 Millionen Spielzeuge, ohne Videospiele, gekauft, was zu einem Jahresumsatz von 3,23 Milliarden Euro führte. Der französische Spielzeugmarkt ist nach dem Vereinigten Königreich der größte in Europa. Diese wirtschaftliche Leistung lässt sich vor allem durch die Geburtenrate erklären, die in Frankreich am zweithöchsten innerhalb der Europäischen Union ist.

Spielzeug ist keine Ware wie all die anderen. Man spricht Spielzeug einen erzieherischen Wert zu; es soll an der Bildung der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens beteiligt sowie von großer emotionalen Bedeutung sein. Zwar gibt es eine Rückkehr der „Superhelden“, eine Entwicklung vernetzter und multifunktionsfähiger Spielzeuge sowie einen anhaltenden Aufschwung der Videospiele, aber dennoch gewinnt das erzieherische Spielzeug die Oberhand über neumodischen Schnickschnack, wie man auf der letzten Messe KidExpo in Paris feststellen konnte. Das stärkste Wachstum wird beim Spielzeug für Kleinkinder verzeichnet: Zeitlose Baukästen, Puzzles, Spielzeug für Spiele im Freien und Sportspielzeug sowie Puppen liegen weit vor elektronischen Spielzeugen.

Die Nachfrage, die durch die Anwendung einer neuen EU-Richtlinie noch verstärkt wurde, beruht auf Qualität. Der französische Spielzeugverband hebt die große Attraktivität von qualitativ hochwertigem Spielzeug hervor. Ein Zeichen dafür, dass diesen Käufen eine besondere Bedeutung zukommt, ist die Tatsache, dass die auf Spielzeug spezialisierten Läden an der Spitze der Verkaufsstellen stehen und zwar vor den großen Supermärkten und den Internetportalen. Die französischen Hersteller sind in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. Ihre Exporte, die 33% der Verkäufe darstellen, wachsen und die Nachfrage nach made in France steigt ständig. Ihre wesentlichen Vorteile: ihr anerkanntes Knowhow im Bereich der traditionellen Spiele; eine sorgfältige Herstellung, bei der die Sicherheitsnormen beachtet werden; die Berücksichtigung des Umweltbewusstseins durch eine Rückkehr zur Einfachheit und zu natürlichen Rohstoffen. Kegel, Spielzeuge zum Schaukeln oder hinter sich herziehen, Rutschautos, Fangbecherspiele, Krocketspiele stehen besonders hoch im Kurs.

Das Departement Jura, das sich an der Schweizer Grenze befindet, ist die Wiege des traditionellen Spielzeugs. Dort entstand im 19. Jahrhundert zunächst die Holzindustrie; dann folgte die entscheidende Wende mit dem Zelluloid und schließlich der erfolgreiche Aufstieg des Plastiks im berühmten „Plastic Valley“, wo sich die erste größere Plastikindustrie in Europa ansiedelte. Das Knowhow ist dort auf einem sehr hohen Niveau. Der Marktführer Smoby hat sich dort angesiedelt. Dort werden die Traktoren Falquet et Cie, die Baustein- und Imitationsspiele Ecoffier, die Landhäuser und Schreibtafeln JeuJura, die Tischkicker Monneret sowie die Würfel und Figuren Janod hergestellt.

Trotzdem durchlebte die französische Spielzeugwelt auch schwere Momente. Blanchet, die letzte französische Kuscheltierfabrik, musste beinahe schließen, bevor sie durch ihre Produkte von hoher Qualität, die wieder in Mode kamen, gerettet wurde. Andere Fabrikanten mussten sich den Ansprüchen des internationalen Markts anpassen und haben sich zusammengeschlossen und in moderne Produktionsmittel investiert. Meccano, bekannt für seine Konstruktionsspiele aus Metall und Plastik, berücksichtigte die Entwicklung des Sektors und verlagerte seine Produktion zurück und investierte in die historische Fabrik in Calais.

Tradition schließt Innovation nicht aus. Im Jura werden die Produkte in großen Forschungslabors entworfen und getestet. Die französischen Hersteller erneuern ihre Produktpalette und folgen den Trends, insbesondere dem der nachhaltigen Entwicklung. Sie verwenden mit ökologischen Labels versehenes Holz und Wasserfarben.

Denjenigen, die für die Reize elektronischen Spielzeugs nicht empfänglich sind, bietet sich eine große Auswahl von kleinen Autos, Feuerwehrwagen, Garagen, Kinderwagen, Bauernhöfen, Puppengeschirr oder Puppenhäuser, um sich eine Freude zu machen. Diese Spielzeuge stehen immer mehr im Rampenlicht. Und die Babys lutschen noch immer an Sophie, der Giraffe, die bereits 50 Jahre alt ist und sich sogar in amerikanischen Wiegen befindet.

Die Anziehungskraft des traditionellen Spielzeugs wird immer stärker. Die großen Klassiker werden wieder hergestellt; unzählige Internetseiten befassen sich mit den Spielzeugen von früher. Die Nostalgiker reißen sich um die Puppen Bella, die Badegäste Petitcollin, die Schutzschilde und Schwerter aus Holz sowie das Steckenpferd Vilac, die Kraniche Clergé, die Enten und Hunde Educalux aus Holz zum hinter sich herziehen, die Zinnsoldaten Starlux, das Schaukelpferd Clairbois und andere elektrische Züge, Boote aus Metall, ohne natürlich die Kuscheltiere Nounours zu vergessen. Seine eigene Kinder bezaubern, sich in seiner eigenen Kindheit wiederfinden und eine Tradition zu vermitteln – dies sind vielleicht die Gründe für diese Begeisterung.

Sylvie Thomas

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Letzte Änderung 14/12/2012

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