Gemeinsames Interview der Außenminister Laurent Fabius und Frank-Walter Steinmeier auf „France 24“ und „RFI“

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In den deutsch-französischen Beziehungen schien die vorherige Bundesregierung, Angela Merkel und ihr Koalitionspartner die Liberalen, Frankreich Lektionen in Sachen Haushaltspolitik erteilen zu wollen. So wurde es zumindest diesseits des Rheins empfunden. Hat sich die Stimmung seit dem Einzug der SPD in die Regierung geändert?
Viele hielten die Beziehungen zwischen den beiden stärksten Wirtschaftsmächten der Eurozone für ein wenig unausgewogen. Haben Sie heute das Gefühl, dass sie wieder ins Gleichgewicht gebracht werden müssen und wenn ja, wie? Durch Sparmaßnahmen oder durch Überschreitung der Haushaltsdefizitsgrenze von 3 %?

Eine Sache scheint mir klar: Es liegt im Interesse Deutschlands, dass es Frankreich gut geht, es liegt im Interesse Frankreichs, dass es Deutschland gut geht und es liegt im Interesse der Europäischen Union, dass es diesen beiden Ländern gut geht.

Das bedeutet einerseits eine seriöse Haushaltsplanung und gleichzeitig das Wachstum anzukurbeln. Unsere Bevölkerungen wollen das Gleiche: mehr Arbeitsplätze und, wenn möglich, eine stärkere Kaufkraft. Hier ein Gleichgewicht zu finden ist schwierig, vor allem da in Frankreich die 3 %-Grenze nicht immer eingehalten wurde. Zur Schaffung von Arbeitsplätzen bedarf es auch eines stärkeren Wachstums.

In den drei Ländern, die wir besucht haben, sagte man uns, dass man sich von Europa einen Wirtschaftsschub erwarte. Denn wenn Europa auf wirtschaftlicher Ebene besser dasteht, werden sie am meisten davon profitieren und wir auch. Wir müssen also zusammenarbeiten und wenn dies von einem freundschaftlichen Verhältnis geprägt ist, dann ist es leichter.

Man erwartet diese deutsch-französische Beziehung auch auf militärischer Ebene. In Afrika hat sich Frankreich jedoch allein in Mali und der Zentralafrikanischen Republik engagiert…

Anfangs waren wir mit den Afrikanern allein in Mali. Aber ich möchte auch unsere deutschen Freunde würdigen, die, gemeinsam mit anderen, gekommen sind, um die malische Armee auszubilden.

Deutschland hat andere parlamentarische Regeln als Frankreich und außerdem war Frankreich schon vor Ort, denn wir haben ständig Truppen in diesem Gebiet stationiert.

Unsere deutschen Freunde kamen uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten in Mali zur Hilfe. Ebenso in der Zentralafrikanischen Republik, wo es einen Bürgerkrieg zu verhindern galt, und die Gefahr ist noch längst nicht gebannt, und wir können auf unsere deutschen Freunde zählen. Das ist wichtig, aus Solidarität mit Afrika, aber auch für uns, denn diese Einsatzgebiete sind nicht weit von Europa entfernt.

Paris, 25.4.2014

Letzte Änderung 09/05/2014

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