Gleichstellung der Geschlechter : Frankreichs internationale Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern (2018-2022) [fr]

Die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern bestehen weltweit weiterhin fort. Um dieser Situation entgegenzuwirken, verstärkt Frankreich die Kohärenz und Wirksamkeit der Aktionen innerhalb seiner Entwicklungszusammenarbeit und seinem auswärtigen Handeln, die einen Gender-Ansatz berücksichtigen.

Die dritte internationale Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern (2018-2022) ist ein Steuerungsinstrument zur Koordinierung Frankreichs Initiativen bis 2022 und zur Verbesserung der Situation der Frauen weltweit. Sie dient der Konkretisierung der vom französischen Staatspräsidenten auf internationaler Ebene eingegangenen Verpflichtung, der Gleichstellung der Geschlechter während seiner Amtszeit eine zentrale Bedeutung beizumessen.

Ein besorgniserregender internationaler Kontext

Frauen und Mädchen sind am ehesten von Armut, Konflikten und Klimaveränderungen betroffen. Durch ihre gesellschaftliche Stellung sind sie überall und in sämtlichen Bereichen mit Schwierigkeiten und Diskriminierung konfrontiert. Diese Gegebenheit wurde durch die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen noch weiter verschärft.

Sexuelle Gewalt als Kriegswaffe

Frieden und Stabilität entsprechen nicht überall der Norm und es gibt auf der Welt weiterhin zahlreiche Kriegsgebiete. Auch die globale Erwärmung, Spannungen aufgrund natürlicher Ressourcen und sozioökonomische Ungleichheiten sind Wiege und Ursprung von Krisen und Konflikten, deren erste Opfer oft Frauen sind. In bestimmten Ländern wird sexuelle Gewalt als Kriegswaffe und zur Terrorisierung der Bevölkerungen eingesetzt.

Der Internationale Fonds für Überlebende konfliktbedingter sexueller Gewalt

Der Internationale Fonds für Überlebende konfliktbedingter sexueller Gewalt stützt sich auf die Arbeiten von Dr. Denis Mukwege und Nadija Murad. Mit dem Fonds soll den Überlebenden konfliktbedingter sexueller Gewalt Zugang zu Wiedergutmachung und anderen Formen der Abhilfe verschaffen und ihnen bei der Wiedereingliederung in ihre Gemeinschaften geholfen werden.

Dr. Denis Mukwege und Nadia Murad leiten diese Initiative in enger Zusammenarbeit und Konsultation mit anderen Interessenträgern aus dem öffentlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Bereich. Frankreich hat für den Zeitraum 2020-2022 einen Beitrag zu diesem Fonds in Höhe von 6,2 Mio. Euro angekündigt.

Dr. Denis Mukwege ist ein kongolesischer Gynäkologe und hat sich auf die Behandlung weiblicher Opfer von Vergewaltigung und sexueller Gewalt durch bewaffnete Rebellen spezialisiert.

Nadia Murad gehört der jesidischen Minderheit in Nordirak an. Im Jahr 2014 überlebte sie einen brutalen Anschlag auf ihr Heimatdorf durch den „Islamischen Staat“.
2018 erhielten Dr. Denis Mukwege und Nadia Murad gemeinsam den Friedensnobelpreis für „ihre Bemühungen zur Beendigung der sexuellen Gewalt als Waffe im Krieg und in bewaffneten Konflikten“.

Die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Situation und die Rechte von Frauen und Mädchen

Vorherige Gesundheitskrisen (Cholera, Ebola) haben gezeigt, welche Auswirkungen Pandemien auf Frauen und Mädchen in Sachen Gesundheit, Zunahme häuslicher Gewalt und sozioökonomische Risiken haben können. Die Covid-19-Krise wird aufgrund ihres globalen Ausmaßes deutlich stärkere Folgen für Frauen und Mädchen haben

Frauen stehen an vorderster Front der Gesundheitskrise, da sie weltweit 67 % des Pflegepersonals ausmachen. Aufgrund dieser Situation sind sie Infektionsrisiken besonders ausgesetzt, während sie selbst nicht unbedingt über einen Zugang zu ausreichendem Gesundheitsschutz verfügen. Gleichzeitig haben Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsdiensten, insbesondere was die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie die Gesundheit von Mutter und Kind betrifft.

Die Frage der häuslichen Gewalt, von der in erster Linie Frauen und Kinder betroffen sind und deren Korrelation mit Gesundheitskrisen in mehreren Studien nachgewiesen wurde, hat sich bereits bei den ersten Eindämmungsmaßnahmen im März 2020 gestellt. Der Lockdown, und allgemein die Ausgangs- und Reisebeschränkungen, verstärken das Risiko eines Anstiegs von Gewalt innerhalb der Familie.

Schließlich, sind die Konsequenzen der Pandemie in Bezug auf den Rückgang der Wirtschaftstätigkeit und den Verlust von Arbeitsplätzen für Frauen besonders schwerwiegend, da sie in den stark von der Krise betroffenen Wirtschaftszweigen (Tourismus, Gastronomie, Dienstleistungsgewerbe) und in informellen und prekären Beschäftigungssektoren die Mehrheit bilden (nach Angaben von UN Women arbeiten 89 % der Frauen in Subsahara-Afrika und 95 % in Südostasien im informellen Sektor). Die Personen, die im informellen Sektor arbeiten und demnach keinerlei soziale Absicherung haben, sind angesichts von Krankheiten besonders gefährdet.

Heftige Angriffe auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte sind die Rechte aller, frei über alle Aspekte hinsichtlich ihres Körpers und ihrer Sexualität zu entscheiden. Durch sie soll gewährleistet werden, dass niemand Diskriminierung, Zwang oder sexuelle Gewalt erfährt, indem u. a. gegen Kinder- und Zwangsehen sowie Genitalverstümmelung gekämpft wird. Außerdem soll der Zugang zu zuverlässiger Information und Bildung sowie zu qualitativen Diensten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit (einschließlich des Zugangs zu Verhütungsmethoden und Abtreibung) ermöglicht werden. Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte schaffen eine Aufwärtsspirale, indem sie den Zugang zu Bildung, Ermächtigung und die Verringerung von Ungleichheiten fördern, und sind eine wichtige Voraussetzung für die Gewährleistung der Frauenrechte.

Seit 2016 bildet ein Strategiepapier mit dem Titel « Strategie für Frankreichs auswärtiges Handeln in Bezug auf Bevölkerungsfragen und Herausforderungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte für den Zeitraum 2016-2020 » die Grundlage für Frankreichs Maßnahmen zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte.

Der internationale Konsens über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte gerät aufgrund der Zunahme an konservativen Standpunkten in den letzten zehn Jahren ins Bröckeln, wie es sich beispielsweise kürzlich durch die Genfer Konsenserklärung zeigte, in der sich die 32 Unterzeichnerstaaten nachdrücklich gegen Abtreibung und sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte aussprechen. Angesichts der tiefgreifenden Infragestellung dieser Rechte setzt sich Frankreich resolut für diese Themen ein und berücksichtigt sie in all seinen diplomatischen Maßnahmen, insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen bei der Kommission für die Rechtsstellung der Frau (CSW) oder der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung (CPD) sowie im europäischen Rahmen.

In seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2020 anlässlich der Veranstaltung „Peking+25“ zur Feier des 25. Jubiläums der Pekinger Erklärung (1995) betonte der französische Staatspräsident, wie wichtig es sei, die sexuellen und reproduktiven Rechte und insbesondere den Zugang zu freiwilligen Schwangerschaftsabbrüchen zu gewährleisten.

Das Generation Equality Forum im Juni 2021 wird ein entscheidender Moment sein, um den Einsatz der Weltgemeinschaft zur Förderung der Rechte von Frauen und Mädchen zu bekräftigen und gleichberechtigtere Gesellschaften aufzubauen.

Weitere Informationen über Frankreichs Einsatz für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte.

Gleichstellung im Mittelpunkt der außenpolitischen Maßnahmen Frankreichs

Mit den fünf Aktionsschwerpunkten der internationalen Strategie Frankreichs soll dem Thema Gleichstellung der Geschlechter eine zentrale Stellung in sämtlichen Handlungsbereichen des Ministeriums für Europa und auswärtige Angelegenheiten verschafft werden: Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschafts-, Einfluss-, Kultur- und Bildungsdiplomatie usw.

Vorbildfunktion

Da am Angang immer Beispielhaftigkeit stehen muss, wird das Ministerium seine Bemühungen um Gleichstellung und Parität innerhalb seiner Teams und den seiner Mittlerorganisationen forcieren.
Dabei sind folgende Punkte besonders wichtig :

  • Erhöhung der Anzahl von Frauen in Führungspositionen und im Amt der Botschafterin;
  • Bewusstseinsbildung und Ausbildung sämtlicher Mitarbeiter hinsichtlich Gender-Fragen;
  • Systematische Integration gleichstellungsspezifischer Themen in die Strategien und Projekte der 12 Mittlerorganisationen die unter der gänzlichen oder teilweisen Aufsicht des Ministeriums stehen.

Ausbau der politischen Reichweite von Herausforderungen der Geschlechtergleichstellung

Um die politische Fürsprache hinsichtlich der Gleichstellung von Frauen und Männern zu verstärken, müssen Gender-Fragen in sämtliche Fragestellungen mit oder ohne Entwicklungsbezug einbezogen und in allen internationalen Gremien berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Bildung, berufliche Bildung und Arbeitsmarktintegration, humanitäre Strategie, Klima-, Wirtschafts- und Bevölkerungsfragen sowie auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte. Mit der Strategie soll außerdem erzielt werden, dass die Themen der Gleichstellung der Geschlechter bei bilateralen politischen Treffen zur Sprache kommen und ihnen in den Projekten der diplomatischen Vertretungen Rechnung getragen wird.

Siehe auch zur Partnerschaft von Biarritz

Bessere Finanzierung von Projekten zur Förderung der Gleichstellung

Um ein konkretes Handeln zu ermöglichen, wird der Anteil der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit für Projekte zur Förderung der Gleichstellung erhöht. Insbesondere werden 50 % der Mittel der französischen Entwicklungsagentur (AFD) bis 2022 für Projekte, welche die Verringerung der geschlechterspezifischen Ungleichheiten zum Ziel haben, bereitgestellt.

Die AFAWA-Initiative

Die AFAWA-Initiative (Affirmative Finance Action for Women in Africa) wurde während des französischen Vorsitzes der G7 2019 ins Leben gerufen. Ziel dieser von der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) in Zusammenarbeit mit dem African Gurantee Fund (AGF) getragenen Initiative ist es, den Zugang von Unternehmerinnen zu Fördermitteln in Afrika zu verbessern. Für den Zeitraum 2019-2024 werden im Rahmen der AFAWA-Initiative Mittel in Höhe von fast 1,5 Mrd. Euro zur Unterstützung der Unternehmerinnen des Kontinents mobilisiert.

Das AFAWA-Programm verfolgt ein Dreifachziel: i) Gewährleistung des Zugangs zu Fördermitteln für Unternehmerinnen in Afrika; ii) technische Hilfe für die Partnerfinanzinstitutionen, damit sie ihre Finanzdienstleistungen an die Bedürfnisse der Unternehmerinnen anpassen; iii) Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für weibliche Unternehmertätigkeiten, u. a. durch die Beseitigung struktureller und regulatorischer Hindernisse, die den Zugang von Frauen zu Finanzierungen erschweren.

Frankreich unterstützt die AFAWA-Initiative in vollem Umfang, indem es Programme der technischen Hilfe fördert und einen Garantiefonds bereitstellt, durch den Unternehmerinnen leichter an Finanzmittel kommen können.

Mehr Sichtbarkeit für die Projekte

Am Anfang der Bemühungen um eine verbesserte Sichtbarkeit steht eine Kommunikation frei von Geschlechterstereotypen: Das Ministerium und seine Mittlerorganisationen achten in ihren Mitteilungen zum Beispiel auf die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache und einer sozial ausgewogenen Darstellung. Und da es sich dabei um die einzige Art und Weise handelt, um zu wissen, ob eine Maßnahme wirksam ist, impliziert die Sichtbarkeit ebenfalls die Schaffung von Indikatoren für die Überprüfung der unternommenen Aktionen.

Bericht des Hohen Rats für Gleichberechtigung über die feministische Diplomatie

Im November 2020 hat der Hohe Rat für die Gleichstellung von Frauen und Männern eine Halbzeitbilanz über diese Priorität der französischen Außenpolitik aufgestellt. Der daraus resultierende Bericht enthält 19 Empfehlungen, um die Umsetzung der feministischen Diplomatie in ihren verschiedenen Tätigkeitsbereichen voranzutreiben.

Weitere Informationen

Unterstützung der Zivilgesellschaft und gemeinsame Nutzung der Ergebnisse

Durch verschiedene Plattformen, die gemeinsam von den Entwicklungsakteuren genutzt werden, soll mit der Strategie der Austausch und die Rückmeldung über Erfahrungen zwischen den Nichtregierungsorganisationen, dem Privatsektor – mit Blick auf die soziale Verantwortung der Unternehmen – der Forschung und den öffentlichen Stellen intensiviert werden. Als wirksame Hebel für die Entwicklung der Gleichstellung von Frauen und Männern sollen die Fachkenntnisse und die Sichtbarkeit der französischen Nichtregierungsorganisationen bezüglich der Geschlechterdimension und der Rechte von Frauen ausgebaut werden.

Der Unterstützungsfonds für feministische Organisationen

Der 2019 vom französischen Staatspräsidenten angekündigte Unterstützungsfonds für feministische Organisationen soll feministische zivilgesellschaftliche Organisationen, die in den Partnerländern der Entwicklungspolitik Frankreichs tätig sind, unterstützen. Durch den gemeinsam vom Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten und der AFD gesteuerten Fonds sollen während drei Jahren (2020, 2021, 2022) weltweit 120 Mio. Euro für die Projekte feministischer Bewegungen bereitgestellt werden. Der Fonds soll lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Rechte von Frauen und Mädchen und Gender-Fragen einsetzten, zugutekommen.

Weitere Informationen

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Download der gesamten „Internationalen Strategie Frankreichs für die Gleichstellung von Frauen und Männern (2018-2022)“ (auf Französisch)
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Download der gesamten „Internationalen Strategie Frankreichs für die Gleichstellung von Frauen und Männern (2018-2022)“ (auf Englisch)
(PDF - 4.8 MB)

Letzte Änderung 09/03/2021

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