Goethe beim Theaterfestival von Avignon [fr]

JPEG Goethe selbst beschreibt seinen Faust als ein Werk über einen Mann, dessen Verstand durch die Liebe getrübt wurde. Beim 67. Theaterfestival in Avignon präsentierte Nicolas Stemann am 11., 13. und 14. Juli seine Inszenierung der beiden Teile von Goethes Faust als regelrechten ‚Faust-Marathon’ - mit einer Gesamtlänge von achteinhalb Stunden.

Der 1808 veröffentlichte erste Teil des Faust, der in reiner Versform geschrieben ist, fand damals sofort Zuspruch bei den Kritikern. Am zweiten Teil arbeitete Goethe sein ganzes Leben lang und verfügte, das Werk zu seinen Lebzeiten nicht zu veröffentlichen. Nicolas Stemann betont, dass der zweite Teil in einer Umweltkatastrophe endet und somit eine kuriose Verbindung zur heutigen Zeit darstellt. Für den Regisseur zeigen sich die widersprüchlichen Kräfte, die die beiden Teile des Stücks zu verbinden und gleichzeitig zu trennen scheinen, darin, dass Faust I eine Liebestragödie und Faust II eine Wirtschaftstragödie ist.

Die beiden Teile dieses Werkes mit ihrem jeweils ganz eigenen Thema und Verlauf auf die Bühne zu bringen, ist immer wieder eine große Herausforderung. Allein die Spielzeit von über acht Stunden lässt den Umfang der geleisteten Arbeit erahnen. Überdies hat der Regisseur alle heute dem Theater zur Verfügung stehenden Mittel genutzt: Musik, Tanz, Gesang, Bühnenmalerei, Videosequenzen und sogar einige Marionetten des Puppentheaters Helmi aus Berlin. „Ein jeder lernt nur, was er lernen kann; doch der den Augenblick ergreift, das ist der rechte Mann“, schrieb Goethe in seinem Stück.

Weitere Informationen zur Vorstellung beim Festival d’Avignon (auf Französisch):

Letzte Änderung 17/07/2013

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