Gute Zeiten für Zulieferunternehmen der französischen Luftfahrt

Die 4.500 Zulieferunternehmen der französischen Luftfahrtindustrie erleben derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung, der zu Einstellungen im großen Umfang führt. Während einige dieser Unternehmen bereits auf eine lange Geschichte auf dem OEM-Sektor zurückblicken, gibt es ebenso eine Reihe junger Unternehmen, die große Erfolge feiern.

JPEGDer Konjunkturhimmel über den Zulieferunternehmen der französischen Luftfahrt ist heller denn je. Im Jahr 2012 stieg der Umsatz der in der Luft- und Raumfahrt sowie auf dem Verteidigungssektor tätigen Gesellschaften um 16 % auf 42,5 Milliarden Euro. Noch beeindruckender ist, dass drei Viertel dieser Einkünfte aus dem Export stammen.

Die meisten Großaufträge gehen an Flugzeugkonstrukteure, an Hersteller von Hubschraubern, Raketen, Satelliten und Trägerraketen, aber auch an die Entwickler von elektronisch gesteuerten Antriebssystemen. Unternehmen wie Airbus, ATR, Arianespace, Dassault, Safran, Snecma, Thales etc. bilden die Lebensgrundlage für rund 4.500 Erstausrüster in Frankreich. Diese Zulieferer profitieren vom Wachstum ihrer Hauptauftraggeber. Im Jahr 2012 konnte auch hier ein Umsatzanstieg von 16 % auf 12,7 Milliarden Euro verzeichnet werden und ihre Auftragsbücher entsprechen einem Jahreseinkommen von nahezu 12,3 Milliarden Euro.

Um der internationalen Nachfrage an Flugzeugen und Technologien „Made in France“ gerecht zu werden, haben die Unternehmen auf diesen Sektoren im Jahre 2012 ihre Belegschaften um 15.000 Beschäftigte erweitert. Laut Angaben des Verbandes der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie Gifas (Groupement des Industries Françaises Aéronautiques et Spatiales) beschäftigt die französische Luft- und Raumfahrtindustrie 310.000 Mitarbeiter. Mehr als ein Drittel dieses Personals (35 %) arbeitet im Pariser Raum (Ile de France), aber auch die Region Midi-Pyrénées, und insbesondere das Ballungsgebiet Toulouse, in dem mehrere Werke von Airbus beheimatet sind, stellen eine wichtige Arbeitsmarktregion dieses Industriezweigs (25%) dar. Zudem handelt es sich auf diesem Sektor um hochqualifiziertes Fachpersonal, da mehr als ein Drittel (37%) der Angestellten ein Ingenieurstudium absolviert hat oder eine Führungsposition besetzt.

Viele Zulieferer verfügen über jahrzehntelange Erfahrung. 1896 gründete Maurice Mallet die Firma Zodiac, lange Zeit vor allem für ihre Gummischlauchboote bekannt, und spezialisierte sich auf die Entwicklung und Herstellung erster Luftschiffe und Freiluftballons für Sport und Tourismus. Zodiac ist mit seinen 30.000 Mitarbeitern heute JPEGder weltweit führende Hersteller von Luftfahrtausrüstungen und Systemen für Verkehrsflugzeuge, Regional- und Businessflugmaschinen sowie Hubschrauber. Mit einer Produktpalette von Sitzen, Flugsteuerungen und Bordküchensystemen erwirtschaftet das Unternehmen heute einen Jahresumsatz von 3,9 Milliarden Euro.

Dennoch wird der Luftfahrtsektor nicht nur von großen JPEGgeschichtsträchtigen Zulieferunternehmen beherrscht. Im Jahr 2000 gründete beispielsweise der wagemutige Unternehmer Patrick Mitchell die Firma Satinox Assemblage, die nunmehr europaweit zum führenden Unternehmen für Verbindungs- und Halterungselemente in der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie geworden ist. Vor genau 14 Jahren stürzte sich der Autodidakt Mitchell in das etwas verrückte Vorhaben, ein bereits totgesagtes KMU zu übernehmen, das auf Standardhalterungen spezialisiert war, um daraus ein Fachunternehmen für hochwertige Schraubsysteme zu machen. Die von Satinox Assemblage hergestellten Produkte ermöglichen u. a. die Halterung von Raketen an Flugzeugtragflächen und sorgen dafür, dass Satelliten die Erdumlaufbahn nicht verlassen. Die „großen“ Spitzenunternehmen der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie wie Thales, Safran, EADS oder Zodiac Aerospace schenken ihr heute ihr Vertrauen. Erfolg ist nicht immer auf langen Erfahrungswerten gebaut…

Marco Rangi

Frankreichs Luft- und Raumfahrtindustrie in Zahlen:

. Gesamtumsatz im Jahr 2012 von 42,5 Milliarden Euro

. Davon gehen 75% auf den Export zurück

. Wichtigste Exportbranche und größter Handelsüberschuss mit über 20 Milliarden Euro

. 4.500 Zulieferunternehmen

. 310.000 Beschäftigte

Letzte Änderung 06/05/2014

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