Hochschulreform ordnet Studienzugang in Frankreich neu [fr]

Vor dem Hintergrund des weiteren Anstiegs der Studentenzahlen (2017: 2,6 Mio.) und einer hohen Zahl von Studienabbrechern und oft mehrfachen Umorientierungen (40% der Studenten scheitern in den ersten vier Jahren an der Universität) sowie einer oft ungerechten Zuweisung von Studienplätzen per Los in stark nachgefragten Studienfächern (Medizin, Psychologie, Sportwissenschaften und Jura) hat das Parlament mit dem Gesetz für Orientierung und Studienerfolg vom 8. März 2018 eine einschneidende Hochschulreform verabschiedet.

Die von der Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation Frédérique Vidal auf den Weg gebrachte Reform sieht eine mehr auf die Wünsche und Fähigkeiten der jungen Leute zugeschnittene Vergabe der Studienplätze, eine bessere Studienberatung schon am Gymnasium und die Abschaffung von Losentscheiden vor.

Des Weiteren werden die materiellen Bedingungen für Studierende verbessert und die Zahl der Studienplätze wird weiter erhöht.

Parcoursup – Die neue Studienplatzvergabe

Die Bewerbung um einen Studienplatz in den Hochschulen bzw. um einen Platz in den Vorbereitungsklassen der Grandes Ecoles läuft in Zukunft zentral und nur noch digital über die Internetplattform Parcoursup. Diese bietet neben umfangreichen Informationen über Studieninhalte und -anforderungen der Studiengänge auch Informationen über Studienunterstützungen (vergleichbar mit dem BAFÖG) und Stipendien. Letztere können gleich direkt über das Modul beantragt werden. Die einzige Zugangsvoraussetzung für die Bewerbung bleibt das Abitur.

Auf Parcoursup gibt der Bewerber 10 Studienwünsche ohne Präferenz an, die mit Blick auf die Interessenschwerpunkte und die bis zum Abitur erlangten Fähigkeiten in einem Dossier jeweils einzeln begründet werden müssen. Bei den einzelnen Wünschen besteht auch die Möglichkeit, bis zu 20 Unterwünsche in Bezug auf Fächerkombinationen und Universitäten abzugeben. Dabei ist es möglich, in einem Fach mehrere Bewerbungen in derselben Akademie (Schul- und Hochschulbezirk) abzugeben, um die Aufnahmechancen zu erhöhen. Die bisherige zentrale Vergabeplattform Admission Post-Bac (APB), die bis zu 24 Wünsche erlaubte, aber eher einen registrierenden Charakter hatte, wird abgeschafft.

Die Bewerbung wird vervollständigt durch eine von der Schule erstellte perspektivische Schülerbeurteilung (Fiches avenir), die direkt in Parcoursup eingestellt wird.
Die Zulassungsvorschläge erfolgen auf Grundlage der Vereinbarkeit von Studienwunsch, den Studienvoraussetzungen des Bewerbers und den Ausbildungsschwerpunkten des gewünschten Studiengangs (z.B. Lehr- und Forschungsprojekte).

Nach Auswertung der Bewerbungen durch die Universitäten erhält der Studienplatzbewerber Antworten für seine gesamten geäußerten Wünsche:

- Bei Bildungsgängen mit Kapazitätsbegrenzungen gibt es eine Zu-/Absage ggf. mit der Möglichkeit der Aufnahme auf eine Warteliste.
- Bei Studiengängen ohne Kapazitätsprobleme erfolgt eine Zulassung automatisch. Sie kann aber bei mangelnden Voraussetzungen an die Verpflichtung zur Belegung von besonderen Zusatzangeboten (Online-Kurse, Abschluss des Bachelorstudiums erst in 4 statt in drei Jahren) gekoppelt sein.
- Bei Übernachfrage nach Studienplätzen kann ein Bewerber, der die Zulassungsanforderungen erfüllt, auf die Warteliste aufgenommen werden.

Kandidaten, die Mehrfachzulassungen (ohne Warteliste) erhalten, müssen sich innerhalb von wenigen Tagen bis zu maximal eine Woche für einen Studienplatz entscheiden, damit die frei werdenden Plätze anderweitig vergeben werden können.

Im ersten Durchgang haben sich vom 22. Januar bis zum 31. März 2018 rund 810.000 Studienplatzbewerber auf Parcoursup angemeldet. Ab 22. Mai erfolgt dann die Vergabe der Studienplätze durch die Universitäten. Und am 26. Juni startet eine zweite Anmeldungsrunde zur Vergabe der der Restplätze.

- Der Zulassungskalender 2018

Parcoursup und Studierende aus der Europäischen Union und dem EWR


Europäische Studierende, die ein Bachelor-Studium (Licence) in Frankreich beginnen wollen, müssen ebenfalls über die Plattform Parcoursup gehen. Für sie gelten dabei einige Sonderregelungen (z.B. keine perspektivische Schülerbeurteilung durch die besuchte Schule (Fiches avenir) erforderlich).
EU-Abiturienten sind bei der Bewerbung in allen Universitäten in Frankreich vorrangig (priorité académique) zu behandeln.
- Weitere Informationen zum Studium in Frankreich

Verbesserung der studentischen Lebensbedingungen

- Krankenversicherung: Die Studierenden, die 2018 mit einem Studium beginnen, werden in Zukunft nicht mehr bei der Studenten-Krankenversicherung , sondern im „régime général“ der allgemeinen Krankenversicherung versichert. Ab 2019 sind dann alle Studierenden auf diese Weise abgesichert, wobei der Beitrag dann abhängig von ihren Einkünften ist (aufgrund der hohen Freigrenzen fällt der Beitrag für die meisten Studierenden geringer aus oder entfällt ganz). Für die noch in der Studenten-KV Versicherten entfällt der Jahresbeitrag von 217 € mit Beginn des Studienjahres 2018/2019. Auch die studentischen Zusatzversicherungen („mutuelles"), die den nicht erstatteten Anteil von Gesundheitsleistungen übernehmen, gehen in die Hände des Zweiges Krankenversicherung (CNAM) der Sozialversicherung über.
- Einheitliche Studienabgabe: Die unterschiedlichen Mitgliedsbeiträge (Präventivmedizin, Solidaritätsfonds für studentische Initiativen, kulturelle und sportliche Aktivitäten) werden in einer einheitlichen Abgabe (contribution unique pour la vie étudiante) von 90 € pro Jahr gebündelt, die von Studierenden, die eine staatliche Studienunterstützung erhalten, nicht zu zahlen ist.
- Sabbatjahr: Das Gesetz erkennt zum ersten Mal das Recht auf Studienunterbrechung (etwa für Praktika, Fortbildungen etc.) an.
- Wohnen: Bis 2022 werden 60.000 neue Studentenwohnungen gebaut. Zudem erhalten alle Studierenden das Recht auf Übernahme von Wohnungskautionen durch die staatliche Agentur Visale.
- Staatliche Studienunterstützungen werden in Zukunft zu einem festen Termin am 5. eines Monats gezahlt.
- Auch Studierende, die knapp oberhalb der Zugangsberechtigungsgrenzen für eine Studienunterstützung liegen, können Leistungen von bis zu 1000 € im Studienjahr erhalten.

Letzte Änderung 03/05/2018

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