Innenminister Valls bei der Einweihung der Großen Moschee in Straßburg [fr]

Am 27. September 2012 wurde in Straßburg im Beisein von Premierminister Jean-Marc Ayrault, Innenminister Manuel Valls und des marokkanischen Religionsministers Ahmed Toufik offiziell die Große Moschee eingeweiht. Der Innenminister betonte bei dieser Gelegenheit, „der Islam in Frankreich müsse Vorbereitungen treffen, um mit dem Staat über die Finanzierung von Kultstätten und der Ausbildung von Geistlichen zu sprechen und um auf absehbare Zeit über französische Imame und Seelsorger sowie über französische Finanzierungsquellen zu verfügen“.
Die Fertigstellung des Moscheebaus Ende Juli 2012 bildete den Abschluss eines langfristigen Projekts, das vor etwa zwanzig Jahren begonnen wurde und mit rund zehn Millionen Euro Baukosten verbunden war. Ein Großteil der Kosten wurde von der muslimischen Gemeinde in Straßburg getragen, Marokko und Saudi-Arabien waren mit 17 % beteiligt und – in Frankreich eher unüblich – 26 % stammten aus öffentlichen Mitteln. Der Grund dafür liegt in einem rechtsgeschichtlichen Detail, denn das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat aus dem Jahre 1905, welches sinngemäß besagt, dass die Republik keinen Kultus anerkennt, besoldet oder subventioniert, stammt aus einer Zeit, in der das Elsass noch zu Deutschland gehörte, und gilt daher nicht für diese Region. Stattdessen gilt dort das Konkordat, das 1801 zwischen Napoleon und dem Heiligen Stuhl unterzeichnet wurde und welches den lokalen Behörden die Möglichkeit einräumt, Glaubensprojekte nach eigenem Ermessen zu finanzieren. Davon profitiert heute natürlich nicht nur die islamische Glaubensgemeinschaft. Im Falle der Straßburger Moschee hat die Stadt 10 % der Projektkosten finanziert, Departement- und Regionalrat jeweils 8 %. Die frühere Bürgermeisterin der Stadt, Fabienne Keller, betonte in einem Interview mit der französischen Zeitschrift l’Express, das Konkordat fördere den Dialog zwischen den Religionen. Die Vorteile dieses Prinzips stellte auch der Innenminister nicht in Frage.

In den anderen Departements, so der Minister, müssten andere Finanzierungswege im Rahmen des Gesetzes von 1905 gefunden werden – etwa über Kulturvereine –, damit die Muslime in Frankreich über würdige Kultstätten verfügen können. In dieser Hinsicht sei es bedauerlich, dass die 2005 gegründete Stiftung Fondation pour les œuvres de l’Islam de France nicht die erwarteten Früchte getragen hätte. Die Arbeit der Stiftung liege lahm und somit fehle dem Islam in Frankreich ein wirksames, effizientes und transparentes Werkzeug.

Foto © http://www.lemonde.fr

Letzte Änderung 01/10/2012

Seitenanfang