Innovation – der Motor des französischen Wassersports [fr]

JPEG Die französische Bootsbranche ist stark exportorientiert und verdankt ihren Erfolg vor allem den Innovationen, mit denen sie heute der Entwicklung von umweltfreundlichen Motor- und Segelyachten Dynamik verleiht. Der Einfallsreichtum des Sektors ermöglicht immer wieder neue futuristische, von namhaften Seglern gesteuerte Prototypen, die den Traum der Segelfans vom Meer nähren.

Die Franzosen sind Spezialisten auf dem Gebiet der so genannten USOs (Unidentifizierte schwimmende Objekte). Sie haben das erste Boot mit Verbrennungsmotor getestet (1870), fuhren die erste Yacht mit einem Ballastkiel mit Wulst (1885), desgleichen haben sie den Außenborder erfunden (1892) sowie die ersten Schiffskörper für Schwebe-Yachten (1906) gebaut. Heute lässt der aus Karbon und Titan gebaute Trimaran „Hydroptère“ des Erfinders Alain Thébault, dessen Tragflügel das Boot geradezu über die Wasseroberfläche fliegen lassen, die Herzen der Meeres- und Luftfreunde höher schlagen. Der „Hydroptère“ stellte am 31. August 2012 in der Bucht von San Francisco einen Geschwindigkeitsrekord auf und wurde zum schnellsten Segelschiff der Welt. Dies machte seinen bretonischen Erfinder zum neuen Star der Amerikaner, die den revolutionären Trimaran „The French Flying Carpet“ getauft haben – den französischen fliegenden Teppich! Die modernen Innovationen erhöhen die Leistung der Boote deutlich und immer wieder können die Franzosen mit Geschwindigkeitsrekorden aufwarten.

Doch nicht nur die Hochseeskipper profitieren von den neusten technischen Spitzenleistungen, sondern alle Yachtfans, die so auf immer leichtere und zugleich sehr zuverlässige Boote zurückgreifen können. Denn die Konstrukteure setzen zunehmend auf eine optimale Verknüpfung von Leistung und Sicherheit der Boote. Die erheblichen Anstrengungen in Forschung und Entwicklung gelten heute vor allem den Baustoffen (Aluminium, Verbundstoffe, Karbon) für die beliebten Tragflügel-Maste. Und nicht zu vergessen sind die Elektronik und die IT, die stets die Bootsausrüstungen ergänzen.

Die High Tech-Innovationen zielen heute häufig darauf ab, Navigation und nachhaltige Entwicklung optimal miteinander zu verknüpfen, nach dem Vorbild des bereits genannten 100 % umweltfreundlichen und motorlosen „Hydroptère“. Ob die neuen französischen Boote in Einzel- oder Serienfertigung entstehen, sie wollen in jedem Fall umweltfreundlich sein. Ihre Kiele sind heute aus Polyester gefertigt, was das Gewicht der Boote verringert und Energieersparnisse ermöglicht. Ebenso verfügen sie über elektrische oder hybride Bootantriebssysteme oder auch Sonnenkollektoren.
Die Bootswerften verwenden polyurethanfreie Lackierungs-Techniken und umweltfreundliche Materialien (z. B. Harze mit geringen Emissionen volatiler Stoffe). Schließlich entwickeln sie neue Verfahren, wie z. B. den Niederdruckspritzguss. Die Konstrukteure setzen ihrerseits auf emissionsschwache Formstoffe beim Bau von Bootsschalen, Bootsdecks und Einzelteilen.

Zahlreiche Initiativen fördern ökologische Boote. So vergibt der Verband der Nautikindustrie (Fédération des industries nautiques) ein blaues Gütesiegel („label bleu“) an umweltfreundliche Boote und Anlagen und organisiert einen Wettbewerb mit dem Titel „Blaues Boot“ („bateau bleu“), der Innovationen in Bezug auf die umweltfreundliche Konzeption und Fertigung anregen soll. In diesem Sinne hat die französische Agentur für Umwelt und Energiewirtschaft (ADEME - Agence pour le Développement et la Maîtrise de l’énergie) im Rahmen des Programms „Zukunftsinvestitionen“ („Investissements d’avenir“) unter dem Thema „Schiff der Zukunft“ („Navire du Futur“) zur Interessensbekundung aufgerufen.

Mit diesen Trumpfkarten in der Hand können die französischen Unternehmen die Sturmböen der Wirtschaftskrise durchschiffen und sich von der Konkurrenz abheben. Die Branche ist stark diversifiziert. So bietet der französischen Markt sowohl Weltführer wie den Segelbootbauern Bénéteau, der im gesamten Marktspektrum der Einrumpfboote (Monocoques) sowie der Kata- und Trimarane präsent ist, als auch eine breite Palette kleinerer und hoch spezialisierter Bootswerften. Auf die Segelboote, das Aushängeschild der französischen Schiffsbranche, entfallen annähernd 60 % der französischen Yacht-Produktion. Die Konstrukteure konnten dank ihrer technischen Expertise auch ein erfolgreiches Motorbootsegment entwickeln. Hier rangiert Frankreich nunmehr weltweit auf dem vierten Platz. Frankreich ist außerdem Weltführer bei der Produktion von Schlauchbooten sowie bei Ausrüstungen für den Gleitsport.
Die französische Binnenkonjunktur des Sektors zeigt sich deutlich widerstandsfähiger als in zahlreichen anderen Ländern. Hinzu kommt, dass sich die Exporte, auf die nahezu 70 % des Branchenumsatzes entfallen, nach wie vor kräftig entwickeln. Frankreich macht den großen Ländern wie den Vereinigte Staaten, Italien, Großbritannien oder Deutschland Konkurrenz und sein Marktanteil nimmt stetig zu. Die wichtigsten Branchenkunden sind in Europa zu finden (Skandinavien, Mitteleuropa, Deutschland, Italien), aber auch Asien, Lateinamerika, Russland und andere östliche Länder erweisen sich als vielversprechende Märkte. Und Brasilien, China, Indien, die Türkei sowie die Golf-Emirate befinden sich im Aufwind.

Die französischen Hochseesegler genießen weltweit ein herausragendes Renommee. Beim letzten Volvo Ocean Race, einer besonders anspruchsvollen Regatta rund um den Globus, segelte der Franzose Franck Cammas den angelsächsischen Teams davon. Seit dem populären Segler Eric Tabarly haben sich Hochseeregatten zu einer französischen Spezialität entwickelt. Daraus ist ein einzigartiges Konzept von Regatten als menschliches Abenteuer entstanden, wie es z.B. die harte Vendée Globe illustriert: Bei diesem Non-Stop-Segelrennen umrunden die Skipper den Globus von West nach Ost und passieren dabei die drei großen Kaps: Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn. Und schließlich sind die prestigehaften Bootsmessen wie der Salon Nautique in Paris (Dezember) – mit Düsseldorf die weltweit größte Bootsmesse – ebenfalls prestigereiche Aushängeschilder für den französischen Wassersport.

Sylvie Thomas

Weitere Informationen:

- www.hydroptere.com
- www.grand-pavois.com
- www.salonnautiqueparis.com

Letzte Änderung 13/11/2012

Seitenanfang