Insekten auf dem Teller? [fr]

JPEGEr trägt den Nachnamen eines Präsidenten der Vierten Republik. Auch er hat in Toulouse studiert, wo heute sein 2011 gegründetes Unternehmen gedeiht. Hier hört der Vergleich zwischen Vincent und Cédric Auriol aber auch schon auf, denn letzterer ist ein junger französischer Unternehmer, dessen Originalität und Innovationsgeist erst kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gepriesen wurden. Originell und innovativ ist sein Unternehmen Micronutris allemal: Es hat sich auf die Zucht essbarer Insekten spezialisiert. Während die Heuschrecke, der Skarabäus, die Ameise oder die Hornisse in manchen Ländern Afrikas und Asiens zu den kulinarischen Leckerbissen zählen, so dürfte es in Frankreich ein wenig dauern, bis das Verspeisen der kleinen Tierchen zur Normalität wird. Denn Schokolade mit Grillen oder Müsli mit Mehlwürmern ist nicht unbedingt jedermanns Sache.

Man könnte es für die Verwirklichung eines kulinarischen Traums oder den Versuch halten, eine neue, besonders exotische Mode einzuführen. Doch hinter dem Projekt steckt eine Initiative, die zugleich der gesunden Nährstoffzufuhr und der Umwelt dient. Bisher gab es nur den korsischen Madenkäse. Nun will Micronutris Insekten anbieten, die ausschließlich mit biologischen Produkten ernährt werden. Diese stellen eine echte Eiweiß-Alternative zum Fleischkonsum dar. Dass die Arbeit von Vincent Auriol eine sinnvolle Alternative bietet, bestätigte die Welternährungsorganisation FAO in einem im Mai 2013 veröffentlichten Bericht, in dem sie sich sich für die großangelegte Zucht von Insekten ausspricht, um so die Ernährungssicherheit in der Welt zu erhöhen. Die künftige Produktion von Rind-, Schweine- und Lammfleisch dürfte in der Tat nicht ausreichen, um den weltweiten Bedarf zu decken, denn es stehen nicht genügend Flächen für die Viehzucht zur Verfügung und die dadurch verursachte Umweltverschmutzung kann sich die Erde langfristig nicht leisten

Mit 250 Euro pro 100 Gramm bleiben die Grillen eine Luxusware. Doch ist nicht auszuschließen, dass eine schnelle Entwicklung der kulinarischen Gewohnheiten und der Ausbau der Insektenproduktion in den kommenden Jahren zu einer schnellen Senkung der Preise führen könnten. Der einzige Nachteil dabei könnte sein, dass man künftig beim Genuss gegrillter Insekten zum Aperitif den abendlichen Gesang der Zikaden vermisst.

Letzte Änderung 08/07/2013

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