Laizität und Wertevermittlung an französischen Schulen [fr]

GIF Die tragischen Ereignisse Anfang Januar in Frankreich bekräftigen die Zielsetzungen des Gesetzes zur Neugründung der „Schule der Republik“ vom 8. Juli 2013. Über die Vermittlung von Wissen hinaus soll die Hauptaufgabe der Schulen darin bestehen, den Schülern die Werte und Grundsätze der Republik zu vermitteln, insbesondere die Achtung der Würde des Menschen, der Gewissensfreiheit und der Laizität. Die Schule soll dazu beitragen, aus jungen Menschen aufgeklärte Bürger zu machen. So sollen die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel während ihrer gesamten Laufbahn zum Nachdenken über die gleiche Würde aller Menschen und über die Stellung von Frau und Mann in der Gesellschaft angeregt werden. Die Auseinandersetzung mit stereotypen Darstellungen, mit Gewalt, mit gegenseitigem Respekt und mit Gleichheit im weiteren Sinne gehört zu den Zielen des Aktionsplans für die Gleichheit von Jungen und Mädchen in der Schule, der am 30. Juni 2014 angekündigt wurde.

Die Ministerin für Bildung, Hochschulen und Forschung, Najat Vallaud-Belkacem, plädiert für einen verstärkten Einsatz der Schulen für die Werte der Republik. Die Themenbereiche sind vielfältig: Laizität, Unterricht in Ethik und Bürgerkunde, Bekämpfung von sozialer Ausweglosigkeit und Schulabbruch, ein besseres Beherrschen der französischen Sprache. Auch in der Erwachsenenbildung sind Schritte nötig, um die kontinuierliche Weiterbildung der Lehrkräfte zu fördern und ihnen im Bedarfsfall professionelle Unterstützung zukommen zu lassen.

Am 22. Januar 2015 kamen alle Minister und Staatssekretäre zusammen, um über das weitere Vorgehen in diesen Bereichen zu beraten.

Premierminister Manuel Valls traf am 23. Januar 2015 im Departement Seine-et-Marne mit Schülern und Lehrkräften zu einem Dialog über die Werte der Republik zusammen. Er benannte dabei Autorität, die republikanische Ordnung, Regeln und Normen als die Grundfesten einer demokratischen Gesellschaft. Er erinnerte daran, dass die republikanischen Werte „Demokratie, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Achtung des Anderen“ verteidigt, gepflegt und immerfort bekräftigt werden müssen.
Die Laizität bezeichnete er als „Fundament Frankreichs“. Sie stehe, so der Premierminister, nicht nur für die Glaubensfreiheit, sondern auch für die Gleichheit von Mann und Frau, die Achtung des Anderen, die Ablehnung von Gewalt und die Einhaltung der Regeln.

Die Charta der Laizität in der Schule

Seit Beginn des Schuljahres 2013/14 hängt in allen Einrichtungen die „Charta der Laizität in der Schule“ aus. Die Charta, die in einer einfachen und verständlichen Sprache gehalten ist, erinnert an die Regeln des Zusammenlebens in der Schule und soll zu einem besseren Verständnis dieser Grundregeln beitragen.
Die ersten fünf Artikel erläutern die Grundprinzipien einer unteilbaren, laizistischen, demokratischen und sozialen Republik. Die weiteren Artikel erklären dann den Sinngehalt der Laizität in der Schule, die den Schülern insbesondere den Zugang zu einer gemeinsamen und gemeinsam erlebten Kultur vermitteln soll. Besonders hervorgehoben werden dabei die folgenden Punkte:

- Das Tragen von Zeichen oder Kleidungen mit einem eindeutigen religiösen Bekenntnischarakter ist den Schülern untersagt.
- Schüler haben nicht das Recht aus religiösen oder politischen Gründen den im Lehrplan festgelegten Unterrichtsstoff infrage zu stellen. 

Letzte Änderung 07/04/2015

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