Medizin-Nobelpreisträger François Jacob gestorben [fr]

Am 19. April 2013 verstarb der Biologe, Professor und Nobelpreisträger François Jacob im Alter von 92 Jahren. Frankreich veranstaltete am 24. April eine Gedenkfeier im Ehrenhof des Hôtel des Invalides. Mit François Jacob verliert Frankreich „eine große wissenschaftliche Persönlichkeit“ und einen „Vorreiter auf dem Gebiet der Genetik“ – so die Worte des Staatspräsidenten.

Mit seinen Arbeiten zur Genetik von Bakterien und zur Genregulation erlangte er internationalen Ruhm und mehrere Auszeichnungen, darunter den Nobelpreis für Medizin, der ihm im Jahre 1965 gemeinsam mit seinen Forscherkollegen André Lwoff und Jacques Monod verliehen wurde. 1950 kam er ans Institut Pasteur, wo er seine gesamte berufliche Laufbahn absolvierte und von 1960 bis 1991 Leiter der Abteilung für Zellgenetik war.

François Jacob hat sich darüber hinaus als Professor für Zellgenetik am Collège de France (1964-1991) und als bemerkenswerter Autor verdient gemacht. Er war – wie es nur selten vorkommt – sowohl Mitglied der Académie des sciences als auch der Académie française. Zahlreiche Universitäten auf der ganzen Welt, darunter auch die Humboldt-Universität zu Berlin, verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Vor allem zwei seiner Werke sind zu absoluten Klassikern geworden: Die Logik des Lebenden, eine Geschichte der Vererbung (1970) und Das Spiel der Möglichkeiten. Von der offenen Geschichte des Lebens (1981). Der Philosoph Michel Foucault nannte Die Logik des Lebenden einmal „die bemerkenswerteste Geschichte der Biologie, die jemals geschrieben wurde“.

François Jacob gelangte eher unfreiwillig zur Biologie. 1940 trat er den Freien Französischen Streitkräften bei und kämpfte in Algerien und Frankreich. Im August 1944 wurde er bei einem Bombenangriff schwer verwundet, als er gerade einem Kameraden helfen wollte. Später wurde er zum Compagnon de la Libération ernannt. Mit der Verwundung platzte sein Traum vom Beruf des Chirurgen, wie er in seiner Autobiographie Die innere Statue (1987) schrieb. Durch eine Mischung aus innerem Bedürfnis und äußeren Zufällen kam er also zur Biologie – mit großem Erfolg, wie wir wissen.

- Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23.4.13 zum Tode von Francois Jacobs

Letzte Änderung 26/04/2013

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