Mit dem Generationenvertrag gegen Jugend- und Seniorenarbeitslosigkeit [fr]

(c) Ministère de Travail - JPEG Die französische Nationalversammlung hat am 23.1.2013 mit dem so genannten Generationenvertrag, der mit 323 gegen 177 Stimmen verabschiedet wurde, ein zentrales Wahlkampfversprechen von Staatspräsident François Hollande eingelöst. Mit dem Gesetz, das nach der Beratung im Senat noch im ersten Quartal 2013 in Kraft treten soll, sollen bis 2017 500 000 Arbeitsplätze gerettet bzw. geschaffen werden. Seine Kurzformel lautet: Staatlich unterstützte Patenschaft über die Dauer von drei Jahren zwischen älteren Arbeitnehmern, die kurz vor der Rente stehen, und einem jungen Arbeitnehmer unter 26 Jahren.

Die Kernidee besteht darin, jungen Menschen eine feste Perspektive zu geben und gleichzeitig Entlassungen bzw. Frühverrentungen älterer Arbeitnehmer zu verhindern. Durch diese Art „Tandem“ soll auch das Know-how im Betrieb gehalten werden. Zugleich kann mit entsprechenden Regelungen auf Betriebsebene ein gleitender Übergang für ältere Arbeitnehmer in die Rente ermöglicht werden.
Der Staat unterstützt über drei Jahre diese vertraglich abzusichernden Verträge in Unternehmen mit bis zu 300 Angestellten mit insgesamt 12 000 € pro Generationenvertrag. Unternehmen mit mehr als 300 Angestellten erhalten keine Beihilfen, werden aber unter Androhung von Strafzahlungen dazu angehalten, sozialpartnerschaftlich Generationenverträge auszuhandeln.

Nach Einschätzungen des Arbeitsministeriums wird diese Maßnahme bis Ende 2016 insgesamt etwa 2,4 Mrd. Euro kosten.

Zeit zum Handeln

Die derzeitige Jugendarbeitslosigkeit von 24 % führt dazu, dass Jugendliche zunehmend gezwungen sind, prekäre und unsichere Stellen anzunehmen, und so keine langfristigen Perspektiven mehr entwickeln können. Im Augenblick hat nur die Hälfte der beschäftigten Jugendlichen einen unbefristeten Arbeitsvertrag (CDI). Arbeitnehmer über 57 sind zwar nur relativ wenig von der Arbeitslosigkeit betroffen (7 %), aber bei Entlassungen ist es für sie quasi unmöglich, einen neuen Job zu erhalten.

Nach Überzeugung der Regierung unterstützt der Generationenvertrag neben den positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmark durch die generationsübergreifende Weitergabe von Erfahrung und Fähigkeiten auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Regelwerk des Generationenvertrages:

Unternehmen mit bis zu 300 Angestellten

- Neu eingestellte bzw. bereits im Betrieb angestellte Arbeitnehmer unter 26 Jahren und Dienstkollegen ab 57 Jahren bilden ein vertraglich abgesichertes Tandem.
- Die Jugendlichen müssen einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten bzw. haben.
- Der Staat zahlt dem Unternehmen für beide Arbeitnehmer über drei Jahre einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 4000 €.
- Falls ein Senior in Rente geht, erhält das Unternehmen für den Jugendlichen bis zum Ablauf der drei Jahre weiterhin 2000 € per anno. Im Fall, dass der Jugendliche das Unternehmen verlässt, geht die Subvention auf seinen neu eingestellten Nachfolger über, wenn dieser ebenfalls unter 26 Jahre ist.
- Unternehmen mit 50-300 Angestellten (15% der Arbeitnehmer) müssen mit den Gewerkschaften im Betrieb oder mittels Branchenverträgen eine Rahmenvereinbarung über die Umsetzung des Generationenvertrages abschließen. Unternehmen mit unter 50 Angestellten (41% der Angestellten) sind von dieser Pflicht ausgenommen.
- Die Auszahlung der Beihilfen erfolgt über die Arbeitsagentur (Pôle emploi).

Unternehmen mit über 300 Angestellten

- erhalten aufgrund ihrer Größe, die mehr Flexibilität erlaubt, keine Arbeitsplatzsubvention im Rahmen des Generationenvertrages,
- müssen bis zum 30. September 2013 eine Betriebsvereinbarung über die Schaffung von Generationenverträgen vorlegen, welche die seit 2010 gültigen Vereinbarungen über Seniorenarbeitsplätze ablöst. Inhaltliche Schwerpunkte der Vereinbarungen werden per Dekret präzisiert werden. Bei Nichteinhaltung droht eine Strafsteuer, die bis zu 1 % der Gehaltsmasse des Unternehmens betragen kann.

- Pressedossier auf Französisch

Letzte Änderung 29/01/2013

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