Mittelklasse-Hotels: Frankreich fasst in den Schwellenländern Fuß [fr]

JPEG Ibis, Mercure, Campanile: Diese Marken trifft man heute in allen Regionen der Welt an. Seit einigen Jahren eröffnen die französischen Hotelketten Hotels in wachstumsstarken Ländern.

Sie sind auf Geschäftsreise und müssen eine Nacht in Peking verbringen? 15 Minuten vom Tian’anmen-Platz entfernt liegt ein Hotel, das die Kunden nicht etwa wegen seines besonders exotischen Angebots wählen, sondern weil sie der Marke Ibis voll vertrauen. Die von der Gruppe Accor geführte Marke hat auf den Schwellenmärkten durchschlagenden Erfolg. Im Kielwasser des Wachstums der chinesischen Mittelschicht haben sich die französischen Hotelketten entschlossen, in den Schwellenländern Hotels anzubieten, die günstig sind und den Kunden Komfort bieten.

Die Entwicklungsdynamik der französischen Hotels in den BRIC-Ländern

Der weltweit führende Hotelbetreiber Accor baut sein Hotelportfolio unter den Marken Mercure und Ibis in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) weiter aus. Christian Karaoglanian, Chief Development Officer, kommentiert: „ Eines der Hauptziele unserer Gruppe lautet, die Präsenz in den Schwellenländern zu erweitern, wo aus unserer Sicht die Dynamik unseres künftigen Wachstums liegt“. Und das Wirtschaftswachstum der BRIC-Staaten lässt Investoren träumen: 7,8 % in China (2012); 4,5 % in Indien; 3,6 % in Russland.

Neue Infrastrukturen für neue Bedürfnisse

Die Hotelgruppe Accor betreibt bereits 120 Hotels in China und hat nunmehr den indischen Markt im Visier: „In Indien haben wir in den letzten Jahren am meisten investiert. Dieses Land ist angebotsseitig noch in Verzug – und es gibt ausreichend Raum, um die Umsätze unserer Hotelmarken dort weiter auszubauen“. Der Konzern, der 2012 einen Umsatz von 5,65 Milliarden Euro erwirtschaftete, plant bis 2015 die Eröffnung von 45 Hotels in Indien, vor allem unter dem Dach der Marken Ibis und Formule 1.

Accor betreibt 23 % seines Hotelbestands Asien-Pazifik-Raum und baut seine Präsenz auch in Brasilien aus, wo 2014 die Fußballweltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Spiele stattfinden werden. „Diese Veranstaltungen schaffen Dynamik und beschleunigen die Entwicklung von Geschäfts- und Urlaubsreisen. Der brasilianische Staat stellt die Grundstücke für die Errichtung der Infrastrukturen bereit“, erklärt Christian Karaoglanian.

Accor besitzt in Brasilien bereits über hundert Hotels unter den Ketten Mercure und Novotel und baut dort derzeit zehn neue Hotels. In Russland sieht es ähnlich aus: Im Juni 2012 hat in Moskau das erste Mercure-Hotel seine Türen geöffnet, und wenig später ein weiteres Hotel in Sotschi, wo im Winter 2014 die Olympischen Winterspiele stattfinden werden.

Eine Strategie zur Internationalisierung der Marken

Accor ist jedoch nicht die einzige Hotelgruppe, die auf die Schwellenländer setzt. Auch die Gesellschaft Louvre Hôtels kultiviert ihr Markenimage im Ausland. Der Konzern betreibt Hotels unter den Marken Campanile, Kyriad und Golden Tulip und plant 2013 die Eröffnung von 80 Hotels in der ganzen Welt: In einer ersten Phase sollen Hotels der gehobenen Mittelklasse errichtet werden, gefolgt von Hotels der Economy-Klasse. „Für uns sind die Hotels der mittleren Kategorie die Wachstumslokomotive in den Schwellenländern“, erklärt Matthieu Evrard, Chefentwickler des Konzerns. Um seinen Bekanntheitsgrad in China zu steigern, hat das Unternehmen mit der chinesischen Hotelkette Jin Jiang Inn eine innovative Partnerschaft geschlossen. Im Rahmen dieser Allianz tragen 15 Campanile-Hotels in Frankreich seit Ende 2011 einen Doppelnamen: „Campanile - Jin Jiang Inn“, und haben ihr Dienstleistungsangebot auf die Bedürfnisse der chinesischen Hotelgäste zugeschnitten wie z.B. Broschüren und Telefondienste in Mandarin. Im Gegenzug bieten in China 15 Jin Jiang Inn-Hotels unter der Doppelmarke auf Europäer zugeschnittene Angebote an … wie z.B. europäisches Gebäck zum Frühstück!

Die aufstrebende afrikanische Mittelschicht – eine Zielgruppe

Auch in Afrika planen die Vertreter der Hotelbranche die Eröffnung zahlreicher Hotels. Die damit verbundenen Investitionen erfolgen mit Blick auf den im Zuge des starken Wirtschaftswachstums und der kräftig zunehmenden Mittelschicht entstehenden Bedarf an Hotelzimmern. Der in Marokko stark vertretene Konzern Louvre Hôtels (bereits 4600 Zimmer) will sein Angebot im mittleren Preissegment ausbauen, wie auch Matthieu Evrard bestätigt: „Wir haben diesen Kontinent im Visier – und wollen unser Netzwerk im Subsahara-Afrika verdoppeln“.

Mit insgesamt 116 Hotels gehört auch die Gruppe Accor zu den wichtigsten Hotelgruppen auf dem afrikanischen Kontinent. Sie hat dort sogar eine spezifisch für die afrikanischen Kunden konzipierte Website eingerichtet. Die französische Nummer 1 im Hotelwesen schwimmt im Übrigen weiter auf der Erfolgswelle der Hotelbuchungsplattformen. In diesem Sinne hat der Konzern im Februar 2013 eine Smartphone-Anwendung für seinen mobilen Ibis-Buchungsservice eingeführt. Mit dieser neuen Technologie kann man nunmehr von einem Handy aus überall in der Welt ein Zimmer in einem der 1600 Ibis-Hotels reservieren.

Caroline Jury

Letzte Änderung 21/06/2013

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