Modalitäten des Mindestlohns in Frankreich [fr]

JPEG In Frankreich gibt es seit 1950 einen allgemein garantierten, gesetzlichen Mindestlohn (SMIC - salaire minimum interprofessionnel de croissance), der den Arbeitnehmern nicht nur ein Existenzminimum, sondern auch die Teilhabe an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes garantieren soll. Er wird von der Regierung entsprechend der allgemeinen Lohnentwicklung regelmäßig festgesetzt und beträgt seit Anfang 2018 9,88 € pro Stunde.

Der Staat unterstützt Unternehmen zudem bei der Einstellung von Geringqualifizierten durch eine Entlastung der Arbeitgeber bei den Sozialabgaben.

Auch Behinderte bekommen den Mindestlohn. Allerdings erhalten Arbeitgeber einen Zuschuss bei der Beschäftigung von Behinderten, so dass ihr realen Lohnkosten effektiv geringer ausfallen.

Die Zahl der Empfänger von Mindestgehältern ist in den letzten Jahren wieder gesunken.. 2016 erhielten laut dem Statistikamt INSEE 10.5% der Beschäftigten (24,3% der Teilzeitbeschäftigten) den Mindestlohn. 2013 waren es noch 12,3% (28% der Teilzeitbeschäftigten) gewesen.

Ausnahmen vom allgemeinen Mindestlohn

Der SMIC beziffert den Stundenlohn, unter dem laut Gesetz niemand beschäftigt werden darf. Es gibt allerdings drei Ausnahmen

Jugendliche unter 18 Jahren

- Sie haben nur Anspruch auf einen Stundensatz mit Abschlägen. Dieser beträgt 2018 für unter 18-Jährige 10% (8,89 € pro Stunde) und für unter 17-Jährige 20% (7,90 € pro Stunde) Diese Regelung gilt allerdings nicht, wenn sie schon mehr als sechs Monate in der Branche beschäftigt sind.

Jugendliche in Ausbildung

Auszubildende bis zu 26 Jahren müssen entlohnt werden. Sie haben kein Anrecht auf das volle Mindestgehalt. Ihre Entgelte werden aber vom SMIC abgeleitet.

- Lehrlinge mit Lehrvertrag werden nach Alter und Lehrjahr vergütet. Bei unter 18-Jährigen erhält der Jugendliche im 1. Lehrjahr 25% des Mindestlohns, im 2. Lehrjahr 37% und im 3. Lehrjahr 53% . Bei Lehrlingen über 18 Jahren sind die Vergütungen höher.

- Jugendliche mit Arbeitsverträgen, die mit staatlichen Fördermaßnahmen kombiniert sind (Contrat de professionnalisation) erhalten einen SMIC mit Abschlägen. Diese Abschläge betragen bei unter 21-Jährigen 35-45% und bei über 21-Jährigen 20-30% pro Stunde.

Praktikanten

- Die Bezahlung von Praktikanten ist ab einer Dauer von 2 Monaten gesetzlich vorgeschrieben. Die Vergütung beträgt mindestens 3,75 € pro Stunde (525 € im Monat bei einer 35- Stundenwoche).

Die Ausübung ehrenamtlicher Tätigkeiten unterliegt nicht dem Mindestlohn.

Erhöhungsmodalitäten

Die Erhöhung des SMIC ist gekoppelt an die vom Arbeitsministerium festgestellte durchschnittliche Entwicklung der Stundenlöhne. Sie darf nicht niedriger ausfallen als die Hälfte des allgemeinen Zuwachses der Einkünfte der Arbeitnehmer.

Steigt im Laufe eines Jahres der Preisindex um mindestens 2%, so wird der SMIC automatisch entsprechend angepasst.

Im Übrigen kann die Regierung jederzeit eine Erhöhung des SMIC beschließen.

Berechnungsmodalitäten

Bei der Berechnung des SMIC werden nicht berücksichtigt:

- Kostenerstattungen (einschließlich Fahrtkostenzuschüsse),
- Überstundenzuschläge,
- Gewinnbeteiligungen, Leistungsprämien,
- Alterszulagen, Anreizzulagen oder Zulagen in Zusammenhang mit besonderen Arbeitsbedingungen (Gesundheitsgefährdung).

Ebenfalls nicht berücksichtigt werden das 13. Monatsgehalt, das Urlaubsgeld und das Weihnachtsgeld, sofern sie nicht auf die monatliche Vergütung umgelegt werden.

Bei der Überprüfung, ob der gesetzliche Mindestlohn korrekt berücksichtigt wird, müssen neben dem Grundgehalt auch Sachbezüge und Produktivitätsprämien in die Berechnung einbezogen werden.

Entwicklung des Mindestlohns

Die Höhe des SMIC wird jährlich zum 1. Januar von der Regierung festgelegt. Zum 1. Januar 2015 wurde der Mindestlohn um 1,24% erhöht.

Mindestlohnpro Stundepro Monat bei 35 Std. Woche
1.1.2018 9,88 € 1 498,47 €
1.1.2017 9,76 € 1 480,27 €
1.1.2016 9,67 € 1 466,62 €

- Entwicklung des Mindestgehaltes seit 2001

Subvention von Niedriglöhnen

Arbeitgeber von Beschäftigten, die den Mindestlohn erhalten, können ohne großen Verwaltungsaufwand von den Regelungen des 2009 in Kraft getretenen so genannten Fillon-Gesetzes (loi Fillon) profitieren. Dieses ermöglicht bei Gehältern bis zu der 1,6fachen Höhe des Mindestgehalts eine weitgehende Freistellung der Arbeitgeber von den Sozialabgaben (Krankheit, Rente, Invalidität, Familienleistungen).

- Arbeitgeberentlastung bei Sozialbeiträgen berechnen

Letzte Änderung 04/01/2018

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